Filmplakat Le Mans
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„Rennen heißt für mich Leben. Die Zeit zwischen den Rennen heißt Warten.“ (Le Mans, 1971)


Le Mans

Besprechung

Wir schreiben das Jahr 1970. In der Nähe des französischen Städtchen Le Mans findet zum 38. Mal das 24-Stunden-Rennen statt. Dieses Rennen ist erneut ein erbitterter Kampf zwischen Porsche und Ferrari.

Für Porsche tritt unter anderem der Amerikaner Michael Delaney (Steve McQueen) an. Sein stärkster Gegner ist der Ferrari-Pilot Erich Stahler (Siegfried Rauch). Delaney ist einer der Top-Favoriten, aber ihn plagen Erinnerungen an das Rennen vom Vorjahr. Da hatte er einen Unfall verursacht, der dem Ferrari-Piloten Belgetti das Leben gekostet hat.

Belgettis Frau Lisa (Elba Andersen) ist ebenfalls bei dem Rennen anwesend, was es für Delaney nicht leichter macht.

Meinung von

Steve McQueen spielt in Le Mans mit, Mr. Sau-Cool. Also muss man sich den Streifen anschauen, auch wenn man wie ich keinen Pfifferling auf Motorsport gibt - so dachte ich jedenfalls. Nach dem Film wünschte ich mir, ich hätte mich nicht dazu gezwungen, den Film anzuschauen. Erste Reaktion nach dem Film Gott, war der Film scheiße., doch Moviejunkie Thorsten, der den Streifen ebenfalls im Metropolis sah, meinte, das könne man so nicht sehen. Also noch einmal kurz in mich gegangen und siehe da: Le Mans ist nicht schlecht. Er ist mehr oder weniger nichts. Höchstens Zeitverschwendung.

In den ersten mehr als 30 Minuten wird kein Wort gesprochen. Auch danach passen die gesamten Dialoge des Streifens auf eine DIN A4-Seite. Es wird gefahren, gefahren, man sieht die Box, es wird gefahren, Pause bei McQueen, es wird gefahren … Sterbens langweilig! Die meisten Textpassagen hatte der anonyme Rennstrecken-Durchsage-Typ.

Keine Dialoge, keine besondere schauspielerische Leistung und auch irgendwie keine Handlung. Das ist nicht schlecht, das ist nichts. Steve McQueen ist extrem wortkarg, was auch klar ist, sehen wir ihn doch hauptsächlich hinter einer Feuerschutzmaske versteckt, nur die Augen sind sichtbar. So kommt keine Spannung auf, nichts.

Man muss wohl diesen umweltschädlichen Schwachsinnszirkus von Motor-"Sport" mögen, den Lärm, den Gestank, dann kann man dem Film bestimmt etwas abgewinnen. Aber streicht man das alles weg - bleibt so gut wie nichts übrig. 106 Minuten könnten ohne Autorennen auf zehn Minuten zusammengekürzt werden.

Lange Zeit habe ich mich gefragt, was die Witwe Belgetti dort soll - sie beantwortet die Frage irgendwann sehr spät im Film damit, dass sie es für sich bräuchte. Dabei sagt auch sie sonst kaum etwas. Sie schaut immer strengt drein. WTF?

Le Mans, so mies und langweilig er auch ist, hat aber dennoch - das muss man der Fairness halber sagen - auch ein oder zwei nette Einstellungen. Wie gesagt, wird am Anfang kein Wort gesagt. Das könnte man heutzutage nicht mehr machen. Die Leute würden nach fünf Minuten den Saal verlassen. Als dann das Rennen losgehen soll, die Fahrer in ihren Kisten hocken, Steve McQueen sein Fenster schließt - da wird es absolut still. Nur das Schlagen eines Herzens ist zu hören. Ich muss sagen, das hatte schon was. Auch beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen zu so einer Veranstaltung gehen. Die Massen sind echte Zuschauer des 24-Stunden-Rennens. Der Film wurde am Rande des Rennens gedreht. So viele Statisten könnte man niemals aufbringen.

Der Film um das 24-Stunden-Rennen wird oft gelobt, er sei schon verdammt nah an einer Dokumentation dran. Er wird auch dafür gelobt, dass Regisseur Lee H. Katzin, der hauptsächlich für das Fernsehen gearbeitet hat, oft die Kamera im Cockpit eingesetzt hat. So haben die Motorfreunde den Blick, wie ihn ein Rennfahrer hat. Naja, wem's gefällt.

Le Mans hat seine einzige Daseinsberechtigung, weil Steve McQueen unbedingt so einen FIlm drehen wollte. Der begeisterte Rennfahrer gründete schließlich auch extra eine Produktionsgesellschaft, um den Film zu realisieren. Na, hoffentlich hatte er wenigstens seinen Spaß dabei.

Das waren 106 Minuten, die ich produktiver hätte verbringen können. Gerne hätte ich geschlafen, aber dafür war es zu laut.

Übrigens waren wir nicht alleine mit unserer Meinung. Nach dem Film hörte ich andere Kinogänger, dass der Drehbuchautor nicht gerade viel Arbeit gehabt haben dürfte ...

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