Filmplakat Kubo: Der tapfere Samurai
9/10

„Das Ende einer Geschichte ist bloß der Beginn einer anderen.“ (Kubo: Der tapfere Samurai, 2016)


Kubo: Der tapfere Samurai

Besprechung

Der einäugige Kubo (Art Parkinson) lebt mit seiner Mutter Sariatu unweit eines kleinen Dorfes. Hier geht er tagsüber hin um den Dorfbewohnern seine Geschichten zu erzählen. Er begleitet sich selber auf einer Shamisen. Wenn er auf diesem Instrument spielt, werden seine Papierfiguren lebendig und unterstreichen die Geschichten. Doch bevor es dunkel wird, muss er wieder in die Höhle zu seiner Mutter, die immer abwesender wird. Sie vergisst immer mehr. Aber die Warnung, dass er nicht nachts draußen sein darf, die schärft sie ihrem Sohn immer wieder ein: Sonst findet ihn sein böser Großvater, der ihm auch sein Auge gestohlen hat.

Eines Tages passiert es dann doch. Kubo ist nach Anbruch der Nacht noch nicht zu Hause. Seine beiden Tanten (Rooney Mara) tauchen auf und wollen ihm sein noch verbliebenes Auge für ihren Vater, den Mond-König, stehlen. In einem letzten verzweifelten Kampf schafft es Sariatu ihren Sohn vor ihren bösen Schwestern zu beschützen. — Kubo wacht in einer Eis-Tundra auf, ein großer Affe (Charlize Theron) neben ihm. Der ruppige Affe ist da, um den Jungen zu beschützen. Um den Mond-König (Ralph Fiennes) besiegen zu können, muss Kubo das unzerstörbare Schwert, den unnachgiebigen Brustpanzer und dann unverwundbaren Helm finden.

Auf der Suche nach der Rüstung seines Vaters Hanzo bekommen Kubo und der Affe Unterstützung von einem verzauberten Samurai-Krieger, der wie ein Käfer (Matthew McConaughey) ausschaut und sich nicht so recht an seine Vergangenheit erinnern kann.

Meinung von

Eine Schande, dass Kubo: Der tapfere Samurai kein Erfolg war. Dabei ist das so ein schöner Film! In der Geschichte geht es um Familie, um Erinnerungen und Geschichten. Kubo hat nur seine Mutter, doch auch die driftet langsam ab und so droht Kubo alleine zu sein. Seinen Vater hat er nie kennengelernt. Von seinem Großvater weiß der Junge nur, dass er böse und kaltherzig ist. Welcher Opa reißt seinem Enkel ein Auge aus?

Die Geschichte von Kubo entfaltet sich langsam. Es gibt so viele Geheimnisse in Kubo: Der tapfere Samurai zu entdecken. Dabei sind die Bilder, die Laika-Chef und Haupt-Animateur Travis Knight in seinem Regie-Debüt zeigt so schön anzusehen. Kubo: Der tapfere Samurai ist ein Stop-Motion-Film. Die Figuren sind animierte Puppen, die sich in riesigen Kulissen bewegen. Das Skelett, gegen das das Trio kämpfen muss ist mit beinahe 5,50 Metern die größte Stop-Animation-Puppe der Welt. Allerdings verlangt der zauberhafte Film, dass auch CGI zum Einsatz kommt. Das ist aber so geschickt eingesetzt, dass man es nicht unbedingt merkt. Stop-Motion-Figuren haben eine ganz eigen Art sich zu bewegen. Ich mag das. Wenn auch zwischen Kubo: Der tapfere Samurai und z.B. Nightmare before Christmas nicht nur Jahre, sondern Welten liegen.

Apropos Jahre: Kubo: Der tapfere Samurai hat insgesamt fünf gedauert, bis er fertig war, etwa zwei Jahre davon gingen für die Animationen drauf. Die Szene auf dem langen See hat 19 Monate in der Entstehung gedauert. Fuck!

Kubo: Der tapfere Samurai ist voller Zauber. Nicht nur ist die Umsetzung zauberhaft schön, sondern die Geschichte ist ebenfalls zauberhaft. Magie spielt eine wichtige Rolle. Immer wenn Kubo sein japanisches Musikinstrument spielt, kann er Berge bewegen. Seine Magie wird immer stärker. Das hat er von seiner Mutter. Kein Wunder bei der Herkunft …

Kubo wünscht sich eigentlich nur eine Familie. In dem Affen und dem Käfer findet er für kurze Zeit eine. Am Ende ist es dann wieder Magie, die den Mond-König besiegt und Kubo doch noch ein wenig Familie beschert. Wobei die Dorfbewohner alle helfen, dem alten Mann auf die prüfe zu helfen, was sein Gedächtnis anbelangt. Kubo: Der tapfere Samurai ist so ein herrlicher "Hachhh…"-Film. Die Geschichte ist toll, spannend und fantastisch. Es gibt Action, Witz und Tragik. Die Optik und die Technik, die eingesetzt wird, sind große Klasse! Kubo: Der tapfere Samurai ist somit beste Unterhaltung – ohne ein Kinderfilm zu sein.

Im Original heißt der Film Kubo and the Two Strings, was mich während des Films etwas verwirrt hat. Immerhin hat die Shamisen drei Saiten. Doch gen Ende wird klar, wieso von zwei Saiten die Rede ist: es gibt eine Saite, die von seiner Mutter stammt und eine von seinem Vater. Die dritte Saite steuert Kubo selber bei – so kann die gesamte Familie mit vereinten Kräften das Böse bekämpfen. Die Dualität der Zwei ist aber auch noch im Film "versteckt": Leben und Tod, Mond und Sonne, Gut und Böse, die zwei bösen Schwestern. Dem Film liegt also ein simples Grundkonzept zugrunde, aber daraus wurde eine wunderschöne Geschichte gesponnen.

Kubo: Der tapfere Samurai wird auf alle Fälle noch mehrmals angeschaut. Das ist sicher.

Kleine Anekdote zum Ende: Regisseur Travis Knight wuchs in einem Haushalt auf, in dem viel Beatles gehört wurde. Seine Mutter soll ein großer Fan gewesen sein. Das Logo von Hanzo, der Beatle – und damit auch der verzauberte Samurai – sind eine Reminiszenz an die Beatles. So auch das Lied im Abspann: While my Guitar gently weeps von den Beatles – dargeboten von Regina Spektor.

hoch