Filmplakat King Kong
6/10

„Wir haben ihnen ihren Gott entführt.“ (King Kong, 1976)


King Kong

Besprechung

Die Öl-Firma Petrox wittert irgendwo im Süd-Pazifik eine neue, bisher unbekannte Ölquelle. Expeditionsleiter Fred Wilson (Charles Groden) vermutet hinter einer dicken Nebelwand im Pazifik eine Insel, die anscheinend noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Der Wissenschaftler Bagley (Rene Auberjonois) soll seismische Untersuchungen vornehmen. Man sticht in See, ohne zu wissen, dass ein blinder Passagier an Bord mitfährt: der Paläontologe und Primaten-Forscher Jack Prescott (Jeff Bridges) hat sich an Bord geschmuggelt. Er will auch zu der Insel, weil er nicht Öl, sondern etwas anderes dort vermutet.

Auf dem Weg zur Insel findet die Crew nach einem schweren Unwetter die hilflose Dwan (Jessica Lange) in einem Gummiboot treibend. Man nimmt sie auf. Zwischen ihr und Jack soll sich eine Romanze entwickeln.

Auf der Insel angekommen, muss Wilson jedoch feststellen, dass das Öl von schlechter Qualität und nicht zu gebrauchen ist. Außerdem beobachten die Leute von der Außenwelt wie die Einheimischen ein seltsames Fest zu feiern scheinen. Sie huldigen dem über 16 Meter hohen Affen Kong. Dwan wird als Opfer dem Kong dargeboten, der nimmt sie auch gerne an, frisst sie aber nicht. Und das soll sein Verhängnis werden. Er wird gefangen und nach New York gebracht. Wenn Wilson schon kein Öl nach Amerika bringen kann, dann doch wenigstens diese Monstrosität, die er als Petrox-Werbemaskottchen vermarkten will.

Meinung von

43 Jahre nachdem King Kong das erste Mal das Empire Style Building erklommen ist, schickt man mit leichter Modifikation den Riesenaffen erneut ins Rennen. Diesmal sucht man nicht einen exotischen Drehort, sondern Öl. Die weiße Frau ist immer noch Schauspielerin und träumt vom großen Durchbruch. Neu ist natürlich die Technik, die hinter Kong steht. Eine Mischung aus Animatronic und Kostüm sorgt diesmal für die Illusion des riesenhaften Affens. Ende der 70er war das Ergebnis atemberaubend.

Jeff Bridges war zwar schon in einigen Filmen zu sehen, King Kong dürfte aber sein Durchbruch gewesen sein. Ebenso für die noch völlig unbekannte Jessica Lange, die hier in ihrem ersten Film mitspielen sollte. Der Charakter der Dwan ist strunzblöde, aber dafür kann Lange nichts. Sie soll das dumme, blonde Sternchen spielen, das vom großen Erfolg träumt. Ebenfalls von Erfolg träumt Fred Wilson. Seine Idee mit dem Öl war gut, aber leider gibt es auf der Insel kein Öl. Da sein Arsch zum Abschuss freisteht – die Aktion war doch etwas teurer und man hat auch Leute verloren – macht Wilson das, was jeder gute Geschäftsmann machen würde: Nimm den riesigen Gorilla mit an Bord, verfrachte ihn nach New York und mache ihn zum neuen Werbemaskottchen von Petrox. Ja, wir wissen alle, dass das auch eine scheiß Idee ist ...

Wieder ist der Riesenaffe in die weiße Frau verliebt. Er verspeist sie nicht, er kümmert sich um sie. Kong hebt Dwan im Film hoch und unter einen Wasserfall, damit sie wieder sauber wird. Die Szene ist – aus damaliger Sicht – großartig. Man baute eine riesige Roboterhand und platzierte die Schauspielerin drauf. Wow. Die anschließende "Fön-Szene" hingegen ist … eher befremdlich … *hust*

Die Tricktechnik ist auch heute noch ansehnlich, wenn auch nicht – oh Wunder – überwältigend. Einzig wenn Kong in Fesseln unter einer riesigen Zapfsäule hervorkommt und dann durchdreht – das schaut echt billig aus. Die Animatronics bei der Vorführung des Riesenaffens sind so mies, das erinnert an die Geisterbahn auf dem Jahrmarkt.

Ein damals moderner Ansatz, den Stoff des Riesen-Gorillas zeitgemäß auf die Leinwand zu bringen. Das Ergebnis lässt sich sehen. Hinter der Maske des King Kong steckte übrigens Masken-Meister Rick Baker.

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