Filmplakat Isle of Dogs
9/10

„Are we eating him or is this a rescue?“ (Isle of Dogs, 2018)


Isle of Dogs

Besprechung

Vor 150 Jahren wollte in Japan ein katzenliebender Clan alle Hunde töten. Doch man erkannte, dass Hunde loyale Gefährten sind und so domestizierte man sie. 20 Jahre in der Zukunft hat Megasaki City den Bürgermeister Kobayashi (Kunichi Nomura). Weil das so genannte Schnauzenfieber ausgebrochen ist, verbannt der Bürgermeister alle Hunde auf die vor Megasaki City liegende Müll-Insel.

Hier fristen die Hunde ein trauriges Leben. Sie ernähren sich von den Abfällen der Menschen, die sie einst geliebt und nun wie Müll entsorgt haben. Chief (Bryan Cranston) ist ein Draufgänger, der sich gerne prügelt. Chief ist ein ehemaliger Straßenhund. Anders als Rex (Edward Norton), King (Bob Balaban), Boss (Bill Murray) und Duke (Jeff Goldblum), die aus guten Häusern stammen und von ihren Herren geliebt wurden.

Eines Tages stürzt ein kleines Flugzeug auf der Insel ab. An Bord finden die fünf Hunde den kleinen Atari (Koyu Rankin). Atari sucht seinen Hund Spots (Liev Schreiber), der der erste Hund war, der auf der Insel “entsorgt” wurde. Atari ist der Ziehsohn von Bürgermeister Kobayashi, der einst Spots als Wachhund an die Seite von Atari stellte. Die Hunde machen sich auf den Weg, dem Jungen zu helfen. Nur Chief ist nicht angetan von dem Gedanken, einem Menschen zu helfen.

Derweil versucht der Wissenschaftler Professor Watanabe (Akira Gerwig) ein Gegenmittel zu finden gegen die Hundegrippe. Er ist auf dem besten Weg, doch da werden ihm Steine in den Weg gelegt …

Meinung von

Ich glaube, ich sage das jedes Mal, wenn ich einen Wes Anderson-Film beschreibe: Ich liebe Wes Anderson-Filme. Isle of Dogs (oder wie er auch im Deutschen heißen wird: Ataris Reise) ist Andersons zweiter Animationsfilm. Nach Der fantastische Mr. Fox scheucht er diesmal animierte Hunde über die Leinwand. Damals waren es nur Stop-Motion-Puppen, diesmal auch – plus ein paar Zeichentrick-Elementen.

Die Geschichte ist skurril, romantisch und melancholisch, hat somit alle Zutaten einer typischen Anderson-Story. Sehr ungewöhnlich ist, dass in Isle of Dogs sehr viel Japanisch gesprochen wird. Damit muss man leben. Nicht alles wird übersetzt, außer das Bellen der Hunde und einige, wenige japanische Brocken, die "simultan übersetzt" werden. Also macht Euch gefasst auf einen Haufen unverständlichen Krams. Das macht aber nichts. Wenn es wirklich, wirklich wichtig ist, gibt es einen Untertitel. Damit kommt man durch. Im Endeffekt geht es eh nur um die Hunde.

Isle of Dogs zeigt einmal mehr, dass der Hund der beste Freund des Menschen ist! (Ja, ich bin ein Hunde- und kein Katzen-Mensch.) Rex und Co. machen sich daran, dem verunglückten Jungen zu helfen. Zwar kennen sie diesen Spot nicht, aber trotzdem wollen sie ihn finden. Chief, der ehemalige Streuner, sieht das anders. Wobei auch bei ihm irgendwo tief drin der Sinn fürs Richtige schlummert.

Der katzenliebende Kobayashi will vertuschen, dass es ein Heilmittel gegen die Hundegrippe gibt. Dem kommt die junge Austauschschülerin Tracy Walker (Greta Gerwig) auf die Schliche und will alles dafür tun, die Hunde wieder nach Megasaki City zurück zu holen. Kobayashi möchte nicht nur die Hunde ausrotten, er will sie auch durch Roboter-Hunde austauschen. Das kann nicht gut enden.

Wes Anderson hat mit Isle of Dogs eine Hommage an Hunde und an Freundschaft geschaffen. Das wurde gekonnt und routiniert romantisch umgesetzt – wobei der Humor auch nicht zu kurz kommt. Bei der Bildsprache bleibt sich Anderson treu: zum einen sehr klare Farben, auf der Müllinsel hingegen viel Nicht-Farbe. Das unterstreicht auch die Trostlosigkeit auf der Insel. Ein Wunder, dass die schnäuzenden Hunde nicht alle schon gaga sind. Zwar hat Anderson die gewohnte, zentrierte Ausrichtung seines Bildes beibehalten, lockert diese jedoch auf, indem er die Leinwand oft im wahrsten Sinne zweiteilt. In der Mitte treffen zwei Bilder aufeinander. Dann hat er noch viele Close-ups von den Hunden. Einer ganz dicht am Zuschauer, die anderen – mit der richtigen Tiefenschärfe im Hintergrund.

Isle of Dogs ist ein warmer Film mit Humor und der richtigen Portion Melancholie. Da kullert so manche Träne aus den Stop-Motion-Augen – sowohl bei Hund als auch bei Mensch. Das viele Japanische und die immer im Hintergrund spielende Musik sind etwas gewöhnungsbedürftig.

Moviejunkie Thorsten fragte nach dem Film, … wie bei allen Wes Anderson-Filmen: Was will er uns damit sagen!?. Ich antworte: Überdenke das nicht. Es ist eine fantastische, lustige, schöne Geschichte, die Dich für 100 Minuten aus Deinem Alltag rausholt und am Ende ein warmes Gefühl in Dir zurück lässt. Ich finde, das sollte reichen.

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