Filmplakat Ihre beste Stunde
5,5/10

„Es ist kein Kalb … wie man es vor dem Krieg kannte.“ (Ihre beste Stunde, 2016)


Ihre beste Stunde

Besprechung

1940 in London. Die ehemalige Werbetexterin Catrin Cole (Gemma Arterton) benötigt einen neuen Job. Sie landet im Informationsministerium, Abteilung Film. Die Briten bringen in Kriegszeiten viele Propaganda- und Durchhaltefilme raus, aber die sind alle so wahnsinnig langweilig und einfach nur schlecht. Catrin soll dem Sonderbeauftragten Tom Buckley (Sam Claflin) helfen, ein neues Skript zu schreiben und dem eine weibliche Note zu verpassen. Kein „Eine Million Patronen bis morgen früh“ mehr.

Catrin bekommt den Auftrag zwei Schwestern zu interviewen, die bei der der Rettungsaktion in Dünkirchen geholfen haben. Die Geschichte der Schwestern wurde etwas aufgebauscht, eigentlich kann man die nicht für einen Kinofilm verarbeiten. Informationsminister Roger Swain (Richard E. Grant) lehnt die Dünkirchen-Geschichte ab, doch Buckley will sie schreiben. Dann wird eben etwas übertrieben.

Die Story nimmt schnell Form an, entfernt sich aber immer mehr von der Realität. Plötzlich ist der betrunkene Onkel ein Held. Dafür wird Kinoveteran Ambrose Hilliard (Bill Nighy) engagiert. Der ist jedoch wie eine Diva und macht Catrin das Leben nicht leicht, ebenso wenig wie Buckley. Die beiden Schreiberlinge streiten immerzu.

Meinung von

Ein klassischer Fall von "der Trailer verspricht etwas anderes als der Film". Nach Sichtung des Trailers ging ich davon aus, dass es sich um eine Komödie handeln würde. Ihre beste Stunde ist aber keine Komödie, eher ein Drama. Es geht um die Entstehungsgeschichte eines Kinofilms, der eine ganz bestimmte Aufgabe hat, nämlich die Zuschauer vom Krieg ablenken und ihnen Hoffnung geben. Dann ist da die Geschichte mit der einfachen Sekretärin, die plötzlich ein Filmskript schreiben soll und mit einem depressiven Künstler liiert ist. Hilliard will nicht alt sein und sieht sich eher in der Hauptrolle. Buckley ist ein unzufriedener Schreiberling, der gerne trinkt. Das Ministerium will immer neue Ideen umgesetzt haben. — Das sind ganz schön viele Nebenhandlungssträge. Zu viele! Daran krank Ihre beste Stunde im Endeffekt.

Ich wollte den Film echt gerne gesehen haben. In Hamburg lief der G20-Gipfel und es war klar, dass das Ärger geben wird, also bin ich nach München "ausgewandert" für die Woche. Ich kam zwei Minuten zu spät zum Kino am Karlsplatz. An der Kasse sagte man mir, der Film sei abgesagt, ich wäre nur der einzige Zuschauer gewesen. Das lag daran, weil in München ein heißer Sommertag mit über 30 Grad war und alle nur draußen sein wollten. Ich nicht! Argh. Aber rückblickend war das in Ordnung, weil Ihre beste Stunde nicht überaus gut ist. Er ist nicht schlecht, reißt aber auch nicht vom Hocker.

Dabei ist es ganz lustig, dass das Thema Film innerhalb der Geschichte sehr wichtig ist. Buckley sagt zu Catrin: Hin und wieder sollte man einen Film machen, der es wirklich wert ist. Der die anderthalb Stunden Lebenszeit wert ist, die man dafür hergibt. Das ist eine schöne Aussage, eine Art Liebeserklärung an den Film an sich. Leider gibt es solche Filme zu selten. Ihre beste Stunde geht beinahe zwei Stunden und ist die Lebenszeit leider nicht wert. Nur ein kleines bisschen – wegen solcher Aussagen.

Regisseurin Lone Scherfig (An Education) setzt die Geschichte, die auf dem Roman von Lissa Evans basiert, routiniert um. Ihr Kriegslondon ist glaubhaft und die Schauspieler sind souverän geführt. Es wird unaufdringlich der Schrecken des Krieges präsentiert, wenn auch nur nebenbei. Leider – wie oben schon gesagt – ist der Film mit zu vielen Handlungssträngen belastet.

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