Filmplakat An Education
8/10

„I don't lose my virginity to a peace of fruit!“ (An Education, 2009)


An Education

Besprechung

Wir schreiben das Jahr 1961. Jenny (Carey Mulligan) ist eine Musterschülerin, die im Londoner Twickenham zur Schule geht. Die 16-Jährige lebt wohl behütet und ist strebsam, möchte sie doch in Oxford studieren.

Eines Tages wird sie von einem Mann angesprochen. David (Peter Sarsgaard) lädt sie in seinen schicken Wagen ein und beeindruckt Jenny zutiefst. Das ist alles aufregend für die junge Frau. David ist charmant, höflich, gebildet. Das alles hat nichts Schlüpfriges an sich; immerhin sind die Freunde Danny (Dominic Cooper) und Helen (Rosamund Pike) oft dabei. Das Quartett geht ins Jazzclubs, in klassische Konzerte, in edle Restaurants und Auktionen. Hier fühlt sich Jenny wohl.

Jennys Noten werden nicht extrem schlecht, für Oxford reicht es aber irgendwann nicht mehr. Doch die Schülerin sieht eh langsam keinen Sinn mehr in dem Streben nach guten Noten. Sie möchte lieber Spaß haben, reist mit David sogar nach Paris.

Der Lebensstil von David und seinen Freunden kommt nicht von ungefähr. Jenny kann nach anfänglichem Zögern darüber hinwegsehen. Was David ihr noch verheimlicht und was ihr zukünftiges Leben auf den Kopf stellen wird, das kann sie ihm allerdings nicht verzeihen.

Meinung von

Es war Montag, es war wieder Sneak-Zeit. Erneut sahen wir einen Film, von dem ich zuvor nichts gehört hatte. Ich sah zwar bei Apple das Plakat zum Trailer, doch konnte mich das nicht reizen den Trailer auch anzuschauen. Nun der komplette Film.

Ganz kurz: Ich mochte ihn. An Education ist nicht die Sorte Film, in die ich unbedingt reingehen würde, wenn man mich an der Kinokasse fragen würde. Doch dank der Sneaks habe ich ihn sehen dürfen. Was gut war. Es ist ein schöner Film. Ich mag die Stimmung, der Streifen hat Charme, die Schauspieler sind gut — allen voran die Hauptdarstellerin Carey Mulligan, ihr Filmvater Alfred Molina, der smarte Peter Sarsgaard und die reizende Rosamund Pike, die eine echt dumme Blonde spielt. An Education hat außerdem die Sorte feinen Humors, den ich sehr mag.

Klar, man erwartet, dass die Idylle, die zarte Liebe zwischen Jenny und David irgendwann ein böses Ende nimmt, dass David vielleicht ein echt mieses, dunkles Geheimnis hat — doch das Unheil kommt anders. Schnell, unerwartet und endgültig.

An Education ist ein Film über das Erwachsenwerden. Eine junge Frau, die aus ihrer Langweile ausbrechen will, die Chance ergreift und dann eine harte Lektion lernen muss. Sie kommt wieder auf den Boden der Tatsachen und kann sich aufrappeln. Der gesamte "Drama"-Anteil ist ziemlich am Ende, nicht zu lang, nicht zu breit aufgetragen und selbst die Überwindung des Übels geht flott voran. Im Grunde ist An Education genau so aufgebaut, wie wir es alle in der Schule gelernt haben mit dem Spannungsbogen.

Der Film dürfte einigen, ich denke vor allem an die jüngeren, männlichen Kollegen, nicht gefallen haben. Ist auch nicht jedermanns Sache. Keine Explosionen, keine Obszönitäten, keine Verfolgungsszenen. Stattdessen fließt An Education ruhig, aber heiter vor sich hin und trägt dabei ein Boot mit sich, in dem wir doch alle schon mal saßen.

Ein schöner, kleiner Film mit netten Dialogen und guten Schauspielern. Ich habe zeitweise still und zufrieden vor mich hingegrinst.

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