Filmplakat Horror Express
3/10

„In deinem Schädel ist nichts, was mir nützen könnte.“ (Horror Express, 1972)


Horror Express

Besprechung

Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt der britische Wissenschaftler Professor Alexander Saxton (Christopher Lee) in der Mandschurei ein eingefrorenes Wesen, das zwischen Mensch und Affe zu stehen schien. Mit dem Zug soll es von China nach Europa gebracht werden, doch schon auf dem Bahnhof passiert ein Unheil: ein Dieb wird tot und mit weißen Augen neben der Kiste gefunden, in der sich das Wesen befindet. Der fanatische Geistliche Pujardov (Alberto de Mendoza) prophezeit, dass in der Kiste das Böse wohnt, das man zerstören müsse.

Doktor Wells (Peter Cushing), ein alter Rivale von Professor Saxton, ist ebenfalls an Bord des Zuges. Er will wissen, was sich in der Kiste befindet und beauftragt einen Gepäckträger, des nachts in die Kiste zu schauen. Doch auch der Gepäckträger wird tot und mit weißen Augen aufgefunden.

Das Böse geht um im Horror Express und mordet eine Person nach der anderen. Da kann auch Inspektor Mirov (Julio Peña) nicht helfen. Ganz im Gegenteil. Vielleicht kann der hinzugerufene Kapitän Kazan (Telly Savalas) dem Grauen ein Ende bereiten?

Meinung von

Leider der einzige Film des 2016er Monster Machen Mobil-Festivals, den wir haben sehen können. Aber der Streifen hatte es schon in sich. Ein Alien, das seit Millionen von Jahren auf der Erde lebt und von einem Wirt zum nächsten wandert, sich also in den Hüllen Anderer versteckt – und deren Eigenschaften annimmt? Ein klitzekleines Bisschen fühlte ich mich an John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt erinnert. Aber nur ein bisschen. Horror Express ist ein würdiger Kandidat fürs Monster Machen Mobil-Festival: er ist schlecht. Die Trickeffekte sind halbwegs okay – mal von dem offensichtlich kleinen Spielzeugzug abgesehen –, aber die Dialoge spotten jeder Beschreibung.

Mein Lieblingszitat ist immer noch, wenn der skeptische Wissenschaftler Saxton, auf die Frage, warum etwas nicht geklappt habe, antwortet: Hypnose. Yoga! Das sind die Momente, wo das gesamte Kino aufjault. Yoga? Und wieso ist es unwahrscheinlich, lieber Peter Cushing, dass Briten von dem Biest befallen werden? Nur weil ihr Briten seid? Öh ... Oder wenn Peter Cushings Charakter seine Assistentin bei einer Autopsie benötugt und meint, er bräuchte Hilfe, diese aber sinngemäß antwortet In ihrem Alter kein Wunder. Was? Hä? Wie jetzt? Auch schön ist das Zitat der jungen Countess Irina Petrovski (Silvia Tortosa) – die wohl nur als Eyecandy anwesend war –. die sagt Ich hörte von der Evolution sie sei unmoralisch. Ja, ne. Is' klar ...

Die Story ist schal, die Logik oft ausgeschaltet, die Autoren müssen selber schon blanke Hirne gehabt haben, so schlecht sind die Dialoge. Saxton ist der skeptische Wissenschaftler, der nicht an irgendwas Übernatürliches glauben will und seine wissenschaftliche Errungenschaft streng verteidigt. Wells hat nur am Anfang ein bisschen Profil: er ist der gewissenlose Wissenschaftler, der seine Erkenntnisse mit Geld beschaffen will. Später ist er Mitläufer und Untergebener für den auch eher blassen Saxton. Einzig Telly Savalas ist großartig. Er spielt seinen russischen Kapitän so dermaßen überzogen, dass es eine Freude ist. Man hat das Gefühl, Lee und Cushing wollten dem Streifen etwas Ernstes abgewinnen, Savalas hingegen sah, wie scheiße das Skript ist und spielt wie es ihm gefällt. Seine Figur ist eine einzige Karikatur.

Wieso ist das Gedächtnis des Biests in dessen Augen? Wie kommen die Wissenschaftler darauf, sich die (rote) Augenflüssigkeit des Biests anzuschauen, um darin Erinnerungsbilder von (schlecht gezeichneten) Dinosauriern zu sehen? Wie konnte das Biest überhaupt so lange überleben, wenn es die Eigenschaften seines Wirts annimmt und – laut eigener Aussage – in Einzellern gelebt hat? Wieso halten sich russische Aristokraten einen irren Geistlichen? Wieso kippt der Geistliche sofort um, sobald er die Bestie sieht? Eben noch Verfechter des Guten – schwups – Anhänger des Bösen? Und die wichtigste Frage: Wieso habe ich den Film bloß gesehen?

Weil Schmerzen in der Gruppe Spaß bringen. Wie immer bei Monster Machen Mobil, würde ich mir so einen Streifen niemals alleine anschauen. Ich würde keine zwei Minuten aushalten, aber auf Großleinwand, mit einem Haufen Verrückter, bringen solche schlechten Filme Spaß.

Angeblich soll Lee, der bereits mehrfach mit Cushing zusammengearbeitet hatte (u.a. Frankensteins Fluch, Dracula, Der Hund von Baskerville, Die Rache der Pharaonen, Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse), den alten Freund zum Mitwirken an diesem billigen Streifen überredet haben. Cushings Frau war gerade verstorben und bevor sich Cushing in Trauer ergab, sollte er wohl lieber etwas machen, wofür man sich schämen kann. Keine Ahnung.

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