Filmplakat Hacksaw Ridge
7,5/10

„Bitte, hilf mir noch einen zu finden ...“ (Hacksaw Ridge, 2016)


Hacksaw Ridge

Besprechung

Der Zweite Weltkrieg ist im vollen Gange. Irgendwo in Virginia haben sich schon viele junge Männer freiwillig zum Krieg gemeldet. Desmond Doss (Andrew Garfield), der gerade seine große Liebe Dorothy Schutte (Teresa Palmer) kennengelernt hat, meldet sich ebenfalls. Er sieht es als moralische Verpflichtung an. Desmond kann nicht zuhause sitzen, einer geregelten Arbeit in der Papierfabrik nachgehen, während so viele Männer ihr Leben fürs Vaterland und für ihn lassen.

Desmonds Vater Tom (Hugo Weaving), ein traumarisierter Veteran aus dem Ersten Weltkrieg, der zum Alkoholiker wurde und aggressiv seiner Familie gegenüber ist, ist von dem Entschluss seines Sohnes nicht begeistert. Erst recht nicht, als dieser ihm offenbart, dass er keine Waffe anfassen wird. Desmond will Sanitäter im Krieg sein und so Leuten das Leben retten. Doch bevor er das machen kann, bevor er mit seiner Kompanie in Richtung Okinawa geschickt wird, muss er durch die Grundausbildung. Dass er keine Waffe anfassen will, macht für ihn die Zeit nicht leicht. Die Armee will ihn rauswerfen.

Schließlich darf er doch mit nach Japan. Bei Okinawa soll seine Kompanie die Klippe Hacksaw Ridge einnehmen. Was folgt ist ein grausames Massaker – in dem Desmond versucht zu überleben und Leben zu retten.

Meinung von

Ich bin kein Fan von Kriegsfilmen. Aber manchmal muss man sie sich anschauen. Apocalypse Now ist für mich der beeindruckendste Anti-Kriegsfilm. Er zeigt auf bestialische Art und Weise, wie Krieg wirkt, was er mit den Menschen anstellt. Hacksaw Ridge basiert auf der wahren Geschichte des Desmond T. Doss, der für seine Taten als erster Mann die Medal of Honor erhielt, ohne jemals einen Schuss abgegeben zu haben.

Regisseur Mel Gibson wird sich des Themas wohl angenommen haben, weil der Geschichte Desmonds der religiöse Glaube zugrunde liegt. Das mag ein Beigeschmack hinterlassen, aber wenn man einen Schritt zurückgeht, dann ist das kein ultrareligiöses Geschwafel, was wir hier gezeigt bekommen – wir sehen einen Mann, der einen Glauben hat; und eine Überzeugung. Diese ist bei ihm aus seinem Glauben gewachsen. Aber auch aus seinem Umfeld. In einer Rückblende erfahren wir, dass Desmond seinen gewalttätigen Vater einmal beinahe erschossen hat. Das war für in der Auslöser, nie wieder eine Waffe in die Hand zu nehmen. Stattdessen will er Leben retten.

Die Armee macht es ihm nicht leicht. Angefangen von seinem Drill-Seargant Howell (Vince Vaughn), hin zu seinem Captain Glover (Sam Worthington). Aber auch die Stubenkameraden machen ihm das Leben zur Hölle. Jeder sieht ihn Desmond einen Feigling. Dabei ist das Nichtkämpfen viel mutiger und mächtiger – doch das sehen die Soldaten zunächst nicht.

Gibson lässt sich viel Zeit, den Charakter von Desmond zu entwickeln. Wir sehen einen Zwischenfall des jungen Desmonds und seines Bruders, dann die Liebesgeschichte mit Dorothy, schließlich die Grundausbildung. Danach schickt uns Gibson in den Krieg. Krieg ist scheiße. Er ist brutal. Er ist unnütz! Er ist Wahnsinn. Wir sehen Menschen, die dem Flammenwerfer zum Opfer fallen, Kugeln, die durch Köpfe rauschen, Gedärme, Ratten, die sich an selbigen laben. Wir sehen Hass und Angst in den Augen der Soldaten. Die Marine verwandelt das Plateau von Hacksam Ridge in eine Feuerhölle, bevor die Soldaten versuchen können, die Japaner zu bekämpfen. Hier wird gnadenlos auf das Grauen draufgehalten.

Während der ersten Welle ist es recht ruhig um Desmond. Erst als die Japaner die Amerikaner zu überrollen drohen und diese sich zurückziehen müssen, zeigt der "Feigling" Desmond, was in ihm steckt. Alleine rettete er tatsächlich 75 Männer. Während der klägliche Rest seines Bataillons abzog, robbte Desmond durch den Dreck und hat seine Kameraden gerettet, aber auch Feinde. In Garfields Gesicht, der für seine Leistung eine Oscar-Nominierung erhalten hat, steht Angst und Verzweiflung. Sein Glaube ist es dann, der ihn durchhalten lässt, der ihm Kraft gibt sich immer wieder dem Feind zu nähern.

Hacksaw Ridge zeigt nicht nur wie eklig und brutal Krieg ist. Er zeigt auch, dass ein Mensch, der eine Überzeugung hat und dazu felsenfest steht, Großartiges leisten kann, kein Feigling ist.

Der Film ist nicht für Jedermann. Er hat anfangs ein paar leichte, lustige Momente, wird dann aber immer düsterer. Es gibt einige Erschrecker und wer nahe am Wasser gebaut ist, sollte entweder nicht in den Film gehen, oder sich Taschentücher mitbringen. Denn die Leistung von Desmond ist beeindruckend und geht einem ans Herz. Was u.a. dem Schauspiel von Garfield zugute zuschreiben ist. Vince Vaughn, der sonst in Komödien zu sehen ist, zeigt hier, dass er auch anders spielen kann. Ebenfalls gefallen hat Hugo Weaving als vom Krieg gebrochenen Mann.

Eine beindruckende, ergreifende und wahre Geschichte, die Menschlichkeit mitten im Irrsinn des Krieges zeigt.

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