Filmplakat Gullivers Reisen
4,5/10

„Du willst nicht über breite, gebärfreudige Hüften reden ...“ (Gullivers Reisen, 2010)


Gullivers Reisen

Besprechung

Lemuel Gulliver (Jack Black) arbeitet bei einer Zeitung in der Postabteilung. Sein Motto lautet “Bloß nicht auffallen.” Kein Wunder, dass er beruflich nicht weiterkommt oder bei seiner heimlichen Liebe Darcy Silverman (Amanda Peet) landen kann.

Eines Tages kommt er ihr jedoch durch Zufall näher, als er eine Bewerbung zum Reise-Korrespondenten in der Hand hält. Seine Testbeiträge sind sehr gut, Darcy gibt ihm die Chance einen Bericht über das Bermuda-Dreieck zu schreiben. Doch anstatt im berüchtigten Bermuda-Dreieck zu landen, findet sich das Großmaul Gulliver schiffbrüchig in Liliput wieder. Überall Menschen, die nicht einmal zehn Zentimeter lang sind. Gulliver ist ein riesiger Riese, der zunächst als Monster angesehen wird, doch schnell wird er zu Liliputs Helden. Sehr zum Missmut des gefeierten Generals Edward (Chris O’Dowd). Der mag das riesige Monster überhaupt nicht, das sich als König von Manhattan ausgibt und dessen Lebensgeschichte den Kinogänger stark an Star Wars erinnert.

Einziger Freund für Gulliver in dieser Welt, in der er ein gefeierter Außenseiter ist, ist Horatio (Jason Segel), den er im Gefängnis kennengelernt hat, wo dieser einsaß, weil er Prinzessin Mary (Emily Blunt) schöne Augen gemacht hat. Gulliver bringt frischen Wind in das kleine, große Königreich und bringt Horatio auf den Pfad des Herzensbrechers. “Nebenbei” wird er zum Beschützer vor den Feinden Liliputs, den Bewohnern der benachbarten Insel Blefuscu.

Meinung von

Das ist so ein Film, der, wenn er später auf einem Sonntag auf RTL ausgestrahlt wird, nebenbei läuft. Wenn man nicht aufpasst, ist es auch nicht so schlimm. Die Neu-Interpretation des Buches Gullivers Reisen, das ursprünglich aus der Feder von Jonathan Swift stammt, ist nett, aber nichts Weltbewegendes. Die Witze sind zum Großteil im Trailer verbraten worden. Was nett war, ist wie übertrieben höfisch sich die Herrscherkaste am Hofe Liliputs verhält. Das mutet wie ein völlig überdrehtes Kitschmärchen an, wenn Emily Blunt als Prinzessin auf der höchsten Zinne des Schlosses steht und darauf wartet, dass die Angreifer von der Insel Blefuscu sie kidnappen. Weglaufen? Nein. Rumjammern.

Gullivers Reisen ist dann wieder ein typischer Jack Black-Film. Er zeigt seinen nackten Oberkörper und spielt Rock Hero, bzw. lässt sich Rock-Musik von Kiss vorspielen. Gibt es einen Film mit Jack Black in der Hauptrolle, wo er nicht wie ein Irrer seiner Leidenschaft zum Rock'n'Roll nachgeht? Wird langsam etwas langweilig.

Blacks Liebe zur Musik führte dann am Ende auch zu einem äußerst peinlichen Auftritt aller Beteiligten. Schnell noch einmal die Moral-Keule rausgeholt und die beiden verfeindeten Parteien, die Liliputaner und die Blefuscuaner, mit Edwin Starrs Song "War" versöhnt. Als Amanda Peet dazu wie ein Hampelmann rumzappelte, setze das Fremdschämen ein.

Ein Film, den man sich als Pubertierender anschauen kann oder eben wenn er im Fernsehen läuft. Ich will jedoch nicht undankbar sein, habe ich ihn doch umsonst gesehen. Danke Meister Pite für die Einladung ins Cinemaxx.

Übrigens: Der "Witz" mit dem Pinkeln auf das brennende Schloss ist kein Black-Einfall, sondern tatsächlich eine Adaption aus dem Buch. Wer hätte das gedacht?

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