Filmplakat Glass
7,5/10

„Der Glaube an sich selbst ist ansteckend.“ (Glass, 2019)


Glass

Besprechung

Die Bestie (James McAvoy) ist immer noch auf freiem Fuß und hat Mädchen in Philadelphia entführt sowie ermordet. David Dunn (Bruce Willis) streift als „Aufpasser“ durch die Stadt und hilft auf seine Weise. Die Polizei ist hinter beiden her. Als Dunn das Biest stellt, werden die „Superwesen“ dingfest gemacht.

Anstatt des Biests finden sich nun diverse Persönlichkeiten aus der „Horde“ in der Nervenheilanstalt Raven Hill. Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) ist die behandelnde Ärztin von Kevin Wendell Crumb und David. In den Mauern der Anstalt weilt noch ein Gast: Elijah Price (Samuel L. Jackson), oder wie er sich nennt: Mr. Glass.

Dr. Staple ist darauf spezialisiert, Menschen zu heilen, die daran glauben Superwesen zu sein. Bei David, aber auch bei seinem Sohn Joseph (Spencer Treat Clark), scheint sie langsam durchzudringen. Beide fangen an, an der Superwesen-Sache zu zweifeln. Superhirn Elijah hingegen, der ist nicht davon zu überzeugen. Der schmiedet seinen eigenen Plan.

Meinung von

Glass ist die Fortsetzung der Fortsetzung von Unbreakable. Und die Fortsetzung von Unbreakable war Split. Wir sehen somit den Helden Dunn wieder, der mit seinem Regenponcho durch die Nacht streift und Sünder aufhält. Es gibt ebenfalls ein Wiedersehen mit Kevin, der so viele völlig unterschiedliche Charaktere in sich hat, darunter auch das Superwesen "das Biest".

Autor und Regisseur M. Night Shyamalan führt in Glass zusammen, was er vor 19 Jahren begonnen hat. Shyamalan wollte bereits in Unbreakable David reinschreiben, aber ließ es sein. Das bedeutet, dass der Regisseur tatsächlich die Trilogie in groben Zügen bereits im Kopf gehabt haben muss. Glass ist übrigens ein kleines Wunder. Unbreakable gehört Disney. Glass und Split hingegen stammen von Universal Pictures. Bisher haben die Filmproduktionsfirmen noch nie kooperiert.

Während Split wie eine Psychologische Studie wirkt, schlägt Glass den Bogen zurück zum "Ursprung" Unbreakable und damit zum Thema Comics. Mr. Glass plant wieder ein großes Ding und ist mehr als froh darüber, einen so großartigen Helfer wie die Bestie zu haben. Das wirkt alles recht geradlinig in der Umsetzung, nimmt jedoch gen Ende des Films noch mehr vom "Comic-Flair" auf, was im Twist dem Zuschauer die Augen öffnet. Wir haben Charakter-typische Farbwelten, wir sehen einen Plot gegen die Superwesen, wir sehen einen typischen Show-Down (und einen untypischen) – alles so, wie wir es aus Comics kennen.

Hat James McAvoy in Split schon begeistert, weil er so viele verschiedene Rollen gespielt hat, haut er einem in Glass richtig vom Hocker. McAvoy schafft es, vor der Kamera in Windeseile von einer Person in die nächste zu wechseln. Das ist ganz großartig anzuschauen. Unterstützt von CGI-Venen ist der aufgepumpte McAvoy dann auch wieder ein imposantes Biest.

Die beiden "alten Herren" Willis und Jackson spielen da weitaus ruhiger und ihrem Alter, aber auch ihren Rollen entsprechend. Willis' Dunn ist wieder ein trauriger Charakter, der an sich zweifelt. Das war in Unbreakable ganz stark, in Glass hat Dunn – 19 Jahre später – eine Art System gefunden, die Sünder zu bestrafen. Dafür hat er auch seinen "Robin" (oder genauer gesagt, seinen Alfred), wie Batman auch. Eine Stimme im Ohr, die im Batcave, bzw. im Elektroladen, hockt und dem Helden Anweisungen gibt.

Erst als die Dr. Staple auf ihre Patienten einwirkt, schwankt Dunns Bild. Ist er wirklich ein Superheld oder kann er nur gut beobachten und findet so seine Sünder? Selbst "die Horde" strauchelt in ihrer Überzeug ein wenig. Nur das Genie Mr. Glass nicht. In seinem Kopf gehen völlig andere Dinge vor sich.

Glass hat gut gefallen, schließt er doch eine vor vielen Jahren begonnene Geschichte rund und spannend ab. Shyamalan hatte noch unveröffentlichtes Material aus Unbreakable, das er geschickt in die Geschichte hat einfließen lassen. Gemeint sind hier die Rückblenden, in denen der Schauspieler von Sohnemann Joseph entsprechend jung ist.

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