Filmplakat Ghost in the Shell
6,5/10

„Wie unterscheidest du eine Fehlfunktion von mir?“ (Ghost in the Shell, 2017)


Ghost in the Shell

Besprechung

In naher Zukunft ist es ganz natürlich, dass wir uns die Körper mit künstlichen Teilen aufwerten. Führend auf diesem Sektor ist die in Hong Kong ansäßige Firma Hanka Robotics. Hanka Robotics hat mit Major Mira Killian (Scarlett Johansson) den ersten vollsynthetischen Körper (Shell) geschaffen, der ein menschliches Gehirn (Ghost) beinhaltet. Der Major arbeitet bei der Sektion 9, einer Cyberkriminal-Abwehrtruppe.

Eines Abends greift der Major ein, als bei einem Treffen in einem Hotel der Chef-Wissenschaftler von Hanka, Dr. Osmond (Michael Wincott), angegriffen und gehackt wird. Das Team um den Major muss erfahren, dass auch weitere führende Persönlichkeiten von Hanka Robotics gehakt und ermordet wurden. Der Major erfährt, dass jemand namens Kuze (Michael Pitt) hinter den Angriffen steckt. Das Team macht sich auf die Suche nach diesem mysteriösem Wesen.

Major wird bei ihrer Suche immer wieder von seltsamen Flashbacks geplagt, Bildern und Erinnerungen, die sie nicht einordnen kann.

Meinung von

Einer dieser Filme, die unter massiven Angriffen stand. Masamune Shirow schuf 1989 den gleichnamigen Manga, im Jahre 1995 wurde dann ein sehr geliebter Anime daraus. Den habe ich sogar irgendwann einmal gesehen. Ich mag keine Animes, deshalb habe ich den auch wieder vergessen. Andere haben das nicht und standen dem Film von Regisseur Rupert Sanders (Snow White & the Huntsman) von Anfang an skeptisch gegenüber. Das ist so, wenn man ein Original beinahe religiös verehrt. Kommt dann ein Remake um die Ecke, wird es ungesehen in der Luft zerrissen.

Hauptkritikpunkt war das "Whitewashing" der Major-Figur. Im Manga, als auch im Anime, ist der Major Motoko Kusanagi. Im Film wird dem Major von Hanka Robotics vorgegaukelt, sie sei bei einem terroristischen Anschlag auf ein Flüchtlingsboot so stark verletzt worden, dass man ihren Körper nicht mehr hat retten können. Sie ist die Erste ihrer Art, heißt es. Major hadert den Großteil des Films damit, dass sie nicht weiß wer sie ist. Sie kann sich nicht wirklich an ihre Zeit vor der Shell erinnern. Es geht also um Identitätssuche. Wie ironisch, wenn man dann das Whitewashing bedenkt. Erst später erfährt der Major, dass sie vor der Shell, vor Hanka, besagte Motoko war. Eine Ausreißerin und Rebellin, die gegen die Technisierung unserer Welt protestierte.

Hier wurde also stark von der Urgeschichte abgewichen. Weitere Änderung: In der Vorlage ist Kuze ein Ghost ohne Shell. Ein Bewusstsein, das sich ohne Körper entwickelt hat. Dem steht der sehr reale Kuze in der Realverfilmung gegenüber. Er war einer der Vorläufer von Major. Ich kann schon verstehen, dass man als Hardcore-Fan des Originals ob solcher gravierender Änderungen sehr wütend wird.

Johansson spielt ihre Figur mit schweren Schritten und eingezogenem Kopf. Ihr Major fragt sich ständig, wer sie ist, woher sie wirklich kommt. In ihrer "Schöpferin", der Wissenschaftlerin Dr. Ouélet (Juliette Binoche) findet Major etwas wie eine Mutter. Ouélet erklärt Major mehrfach, dass sie einzigartig, dass sie aber auch die Zukunft der Menschheit sei. So wie Major werden die Menschen irgendwann alle sein. Das ist jetzt nicht gerade stimmungserhellend – weder für Major, noch für uns. Major fühlt sich jedenfalls immerzu alleine und von ihrer Umwelt isoliert.

Die Kritik an der Technik, die bereits in Manga und Anime Thema sind, wird auch in der Realverfilmung aufgegriffen. Da ich mich nicht mehr an den Anime erinnere, kann ich nicht sagen, ob dieser das Thema besser, eindringlicher rüberbringt, wie viele behaupten.

Johansson spielt hölzern, was ihre Interpretation eines kybernetischen Wesens ist. An ihrer Seite spielt ihre "Nummer Zwei" Batou (Pilou Asbæk), der ihr immer den Rücken deckt und auch irgendwie etwas für sie empfindet. Neben Bier und Straßenhunden ist ihm also auch Major wichtig. Als lediglich kybernetisch aufgewerteter Mensch ist er sympathischer als die Hauptfigur. Ghost in the Shell bleibt unterm Strich nur ein schön anzusehender SciFi-Krimi mit doppeltem Boden.

hoch