Filmplakat Gefahr aus dem Weltall
6,5/10

„Weil sie uns nicht vertrauen und weil wir alles vernichten, was wir nicht verstehen.“ (Gefahr aus dem Weltall, 1953)


Gefahr aus dem Weltall

Besprechung

Eine laue Nacht in der Wüste Arizonas, nicht weit von der kleinen, verträumten Stadt Sand Rock entfernt. Der Schriftsteller und Hobby-Astronom John Putnam (Richard Carlson) genießt zusammen mit seiner Verlobten Ellen Fields (Barbara Rush) den Abend. Da fällt ein großes Objekt vom Himmel. John hält es für einen Meteor. Den will er sich ansehen.

John und Ellen fliegen mit Perry (Whitey Haupt) in dessen kleinem Hubschrauber zur Absturzstelle. John geht in den etwa einen Kilometer im Durchmesser messenden Krater. Was er am Boden des Kraters sieht, entspricht nicht seinen Erwartungen. Bevor sich ein Steinschlag löst, sieht John ein Raumschiff, dass dann von Steinen und Geröll begraben wird. Niemand glaubt ihm, dass er ein Raumschiff gesehen hat. Die Leute von Sand Rock halten ihn für einen Spinner.

Dann verschwinden die beiden Telekommunikations-Mechaniker Frank (Joe Sawyer) und George (Russell Johnsson). Kurze Zeit später taucht George auf. John und Ellen treffen ihn abseits einer Straße in der Wüste. George benimmt sich sehr seltsam. John vermutet, dass Außerirdische vor dem Steinschlag aus dem Raumschiff gekommen sind und nun Körper von Menschen in Besitz nehmen.

Meinung von

Da will man einen schönen, schlechten 50er-Jahre-SciFi-Horror-Film sehen und stattdessen bekommt man einen gar nicht so üblen Streifen präsentiert. Die 50er haben viel Schrott hervorgebracht. Aber auch die ein oder andere Perle. Gefahr aus dem Weltall ist nicht wirklich eine Perle, dafür sind die Dialoge und das Schauspiel manchmal zu hölzern, aber der Film von Regisseur Jack Arnold ist schon auf dem Weg zur Perle. Auf alle Fälle ist es ein Klassiker, den man einmal gesehen haben sollte.

Die SciFi-Filme der Ära waren damals nicht einfach nur auf billigen Thrill ausgelegt. Die erste Atombombe war gezündet, die Menschen hatten Angst vor der Atomanergie. Der Kalte Krieg mit seiner Paranoia den Russen, bzw. allem Fremden gegenüber, war fleißig im Gange. Die Angst war täglicher Bestandteil des amerikanischen Lebens. Das drückte sich auch in den Filmen aus. Die billige Variante ist die, die auf den Angstzug aufspringt. Die intelligentere Variante ist, wenn sich der Film mit den Ängsten auseinandersetzt, sie offen legt und sie ggf. auch kritisiert.

In diese letzte Kategorie fällt Gefahr aus dem Weltall. Außerirdische landen. Das kann nichts Gutes bedeuten. Wie es scheint, übernehmen sie menschliche Körper. Das ist ein klarer Akt von Aggression. Dem muss man natürlich sofort mit Gewalt begegnen. Der Sheriff von Sand Rock, Matt Warren (Charles Drake), ist hier das Paradebeispiel für angstgetriebene Gewalt. John kann ihn nur mit Mühe zurückhalten.

Gen Ende spitzt sich die Situation immer mehr zu. Ellen wurde mittlerweile auch "entführt". John ist aufgebracht, aber auch Matt, der wohl mal etwas für die junge Frau übrig hatte. John geht dem Verschwinden von Ellen und weiteren Menschen aus der Stadt nach. Dabei findet er einen Mineneingang. Im Dunkeln ist ein Außerirdischer, der John erklärt, sie wollten gar nicht auf der Erde landen. Das war nur ein Unfall. Wenn man sie in Ruhe lässt, sind sie auch wieder weg. Sie müssen nur ihr Raumschiff reparieren. Wieso zeigen sich die Aliens nicht? Die Stimme aus dem Stollen meint: Wir haben eine Seele wie ihr, und töten nicht. Alien und Menschen sind also gleich. Bis auf die Tatsache, dass die fremden Wesen grausam anzuschauen sind. Daher das Alien weiter: Ihr seid noch nicht reif für unsere Freundschaft. Da ist jemand schlauer als die Menschen. Wenn man "anders" ist, zeigt man sich lieber nicht, sonst gibt es Schläge (oder Vernichtung). Da kann man noch so friedliebend sein.

Die Geschichte basiert auf The Meteor von Ray Bradbury, der mit dem Roman Fahrenheit 451 unsterblich wurde. Im Regiesessel hockte Jack Arnold, der noch so einige Klassiker drehen sollte, so z.B. ein Jahr später Der Schrecken vom Amazonas. Und siehe da, Richard Carlson spielt auch in dem Film mit …

Gefahr aus dem Weltall entsprach dem Zeitgeist, in dem er die Xenophobie als Thema aufgriff. Er war aber auch auf technischer Ebene seiner Zeit voraus. Der Film ist in 3D gedreht. Dem klassischen 3D mit der Rot-Grün-Brille. Dabei wurde – ich habe ihn natürlich nur in 2D gesehen – viel subtil mit der Technik gespielt. Es sollen Kleinigkeiten sein, die den 3D-Effekt ausnutzen, nicht wie heute … Das mit dem 3D kam so gut an, dass man den oben erwähnten Schrecken vom Amazonas schnell hinterher schob.

Ray Bradbury war bekannt für seine nicht-schockierenden Geschichten. Bei ihm ging es mehr um die Charaktere, als um den Horror. Daher ist Gefahr aus dem Weltall auch sehr wenig Horror. Die Außerirdischen bekommen wir nie voll zu Gesicht. Wir sehen immer nur Teile von ihnen. Daher wissen wir, dass es scheinbar riesige Köpfe mit einem Auge und fluffigen Haaren sind. Interessant an Gefahr aus dem Weltall ist, dass wir viel aus der Sicht der Aliens sehen: das Bild ist dann so, als würden wir durch dieses eine Auge schauen. Spannend. So wird der Zuschauer in die Perspektive des Außerirdischen gezwängt.

Die Idee mit den "seelenlosen Wesen", also den von Aliens besessenen Menschen, wurde drei Jahre später in Die Dämonischen erneut aufgegriffen. Diesmal aber wirklich als aggressiver Akt.

Steven Spielberg soll Gefahr aus dem Weltall als Inspiration für Unheimliche Begegnung der dritten Art genannt haben.

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