Filmplakat Fahrenheit 451
7,5/10

„Das System soll sich selbst auffressen.“ (Fahrenheit 451, 1966)


Fahrenheit 451

Besprechung

In einer Welt, in der das Lesen von Büchern als schädlich und asozial gilt, dient der Feuerwehrmann Guy Montag (Oskar Werner). Als Feuerwehrmann rückt man aus und macht Buchleser ausfindig, um die Bücher anschließend zu verbrennen. Montag ist ein guter Feuerwehrmann, er funktioniert prächtig.

Eines Tages trifft er die Lehrerin Clarisse (Julie Christie), die ihn anspricht und fragt, ob er glücklich sei. Hier fängt die Fassade von Montag an zu bröckeln. Als sein Frau Linda (Julie Christie), die wie jeder brave Bürger ständig vor dem Fernseher hockt und Pillen einschmeißt, eines Abends eine Überdosis nimmt, fängt Montag an, immer mehr zu hinterfragen. Schließlich fängt er auch noch an Bücher zu lesen.

Das darf natürlich Montags Chef (Cyril Cusack) nicht erfahren. Der ist absolut davon überzeugt, dass in Büchern nichts von Wert steht, und dass Bücher den Bürger, das Individuum kaputt machen.

Meinung von

1951 kam das gleichnamige Buch von Ray Bradbury heraus. 1966 nahm sich der französische Regisseur François Truffaut des Stoffes an. Die Geschichte ist mittlerweile etwas überholt, hat aber immer noch einen brisanten Kern. Die Gesellschaft in der Montag lebt, ist klar gelenkt. Wir sehen den lenkenden Teil nicht, aber er ist allgegenwärtig. Die Bürger werden durch Drogen und Dauerberieselung im Fernsehen dumm und gefügig gehalten. Es herrscht zwar irgendwo ein Krieg, aber davon wird im Fernsehen nicht berichtet. In einer Szene konfrontiert Montag seine Frau und drei Freundinnen mit einem Buch. Hier weist er auch darauf hin, dass die Frauen ihre Männer vergessen hätten. Diese kommen nicht im Straßenverkehr o.ä. ums Leben, sie sterben auf dem Schlachtfeld und niemand nimmt es wahr. Das System scheint also zu funktionieren.

Bücher enthalten nicht nur Geschichten und neue Gedanken, die die obere Schicht unterdrücken will. Bücher können auch Biografien sein, oder philosophische Abhandlungen - alles, was einem braven Bürger nur dumme, eigene Gedanken in den Kopf setzen könnte. Also wird das Buch als asozial verbannt. Man will keine Individuen, das Ziel ist es "gleiche" Bürger zu haben.

Truffaut zeigt wie sein Protagonist Montag langsam aufwacht. Zunächst funktioniert er nur, verrichtet brav seine Arbeit, denkt daran mit der bevorstehenden Beförderung eine zweite Bildwand (Fernseher) zu kaufen. Mehr Berieselung und Beeinflussung! Seine Frau Linda ist auch schon ganz im Bann dieses beeinflussenden, das Gehirn aufweichenden Mediums. Sie ist es schließlich auch, die Montag anzeigt. (Das Fernsehen ist heutzutage - zu einem großen Teil - genau so, wie in Fahrenheit 451 beschrieben ...

In Fahrenheit 451, die Temperatur ist laut Bradbury der Punkt, an dem sich Papier selbständig entzündet, wird eine bedrückende Welt ohne Freude und Emotionen gezeigt. 1966 entstanden, zeichnen sich hier auch schon Elemente ab, die für die Bildsprache der 70er gängig waren. Der Film kommt selber mit wenigen Statisten aus, wirkt teilweise öd und verlassen, was den tristen Eindruck dieser Welt verstärkt. Einer Welt, in der das Denken und das Fühlen, als auch das Träumen verboten sind.

Trotz einiger Längen ist Fahrenheit 451 ein wichtiger Film des SciFi-Genres. Gleich am Anfang des Films, wenn ein Buchleser von einer unbekannten Person angerufen und gewarnt wird, setzt Truffaut ein die Dramatik steigerndes schrittweises Heranzoomen an den Schauspieler ein. Zum Glück hat er im späteren Verlauf des Films auf solche Spielereien verzichtet.

Was an Fahrenheit 451 stört ist die Stimme von Hauptdarsteller Oskar Werner. Ich vermute einmal, dass Werner sich selber synchronisiert hat. Dabei kommt sein Wiener Akzent durch.

Zwar ist Fahrenheit 451 ein britischer Film, aber da ein Franzose auf dem Regiestuhl saß, hat der Film auch einen entsprechenden "Touch". Kann ich nicht anders erklären, aber ein Brite hätte eine andere Bildsprache gewählt.

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