Filmplakat Lawrence von Arabien
8/10

„Mein Name ist für meine Freunde da.“ (Lawrence von Arabien, 1962)


Lawrence von Arabien

Besprechung

Während des Ersten Weltkrieges wird der britische Offizier T.E. Lawrence (Peter O’Toole) von Kairo aus für drei Monate nach Arabien geschickt. Er soll als Beobachter Prinz Feisal (Alec Guiness) kennenlernen und schauen, wie sich die Araber verhalten, nachdem die Türken Medina angegriffen haben. Lawrence ist begeistert von der Aufgabe.

Obwohl er nur als Beobachter fungieren soll und Feisal auch schon mit Colonel Brighton (Anthony Quayle) einen Berater hat, kann es sich Lawrence nicht verkneifen und gibt Feisal einen Rat. Um die Oberhand gegen die Türken zu erlangen, muss die strategisch wichtig gelegene Stadt Akaba eingenommen werden. Die Stadt würde man eigentlich vom Meer her angreifen, doch die schweren Geschütze Akabas sind gen Meer gerichtet. Lawrences kühner Vorschlag: Man muss von der Wüstenseite angreifen.

Lawrence bekommt von Feisal 50 Mann, geführt von Sherif Ali (Omar Sharif). Die Truppe wagt den Marsch durch die Wüste Nefud. Nach der beschwerlichen Durchquerung schließen sich die Truppen von Auda Abu Tayi (Anthony Quinn) dem kleinen Zug an. Lawrence schafft es, sonst verfeindete arabische Stämme im Kampf gegen die Türke zu einen. Mit der Einnahme Akabas wird Lawrence zum Helden – für die Araber und für die Briten.

Er will mit aller Macht die Araber zu einem Volk einen. Das macht er unter anderem durch Guerilla-Taktiken und Angriffe auf Eisenbahnzüge. Der Erfolg, den er dabei hat, steigt ihm jedoch irgendwann zu Kopf. In der türkischen Stadt Dera zeigt sich sein Wahnsinn, als er Sherif Ali gegenüber erwähnt, er sei unsichtbar und auch unbesiegbar. Er soll eines besseren belehrt werden – woraufhin er geradezu gebrochen wird und nicht mehr Held sein möchte. Doch die Politik, u.a. vorangetrieben vom Briten Mr. Dryden (Claude Rains) in Kairo, verlangt es von Lawrence, dass er weiterhin ein besonderer Mann sei.

Ein letztes Mal setzt er sich für die arabische Sache ein. Die Briten haben ein Abkommen mit den Franzosen geschlossen, wie sie den arabischen Teil der Welt nach Ende des Weltkriegs unter sich aufteilen wollen. Das kann und will Lawrence nicht zulassen. Er organisiert den Marsch auf Damaskus. Seine arabischen Truppen müssen vor den britischen dort sein.

Meinung von

Nach dem Erfolg mit Die Brücke am Kwai wollte Produzent Sam Spiegel wieder ein solches Projekt angehen, also wand er sich an Regisseur David Lean. Man entschied sich für die Verfilmung der Memoiren von Thomas Edward Lawrence, die unter dem Namen "Die sieben Säulen der Weisheit" erschienen waren. Die Geschichte von Lawrence von Arabien wird den Memoiren wohl ziemlich gerecht, nimmt sich aber natürlich gewisse künstlerische Freiheiten heraus.

Den Titelhelden besetzte man mit dem unbekannten Peter O'Toole. Bei der ersten Begegnung mit seinem T.E. Lawrence ist einem die Figur unangenehm. Er ist überheblich und neunmalklug. Über die Zeit entwickelt und verändert sich die Figur. Nach den ersten Erfolgen wird er geradezu größenwahnsinnig. Dein eigentliches Ziel ist es, die Araber zu einem Volk zu vereinen. Das schafft er mit dem Stamm von Sherif Ali und dem von Auda Abu Tayi. Obwohl Lawrence sehr darauf bedacht ist, die Araber immer noch sie selbst sein zu lassen. Er will nicht wie ein Kolonial-Herr auftreten, nicht unterjochen. Er will befreien.

Nachdem Lawrence misshandelt und damit gebrochen wurde – so unsichtbar wie er glaubte, war er dann doch nicht –, zieht er sich zurück. Er will nicht mehr. Er will kein gefeierter Held mehr sein. Der Soldat will fortan nur noch ein einfacher Mann sein. Nur ist er mittlerweile ein Spielball der Politik geworden. Er muss weitermachen … Diesen Sinneswandel kann man nur gut verstehen und er wird überzeugend von O'Toole gespielt.

Lawrence von Arabien ist einer dieser Monumentalfilme, wie man sie heute nicht mehr sieht. Es wird sich Zeit gelassen, die Figuren zu entwickeln – namentlich die von T.E. Lawrence, aber auch die von Sherif Ali. Lean zeigt beeindruckende Landschaftsaufnahmen und lässt den Zuschauer in der Wüste mit sich selbst alleine.

Neben dem unbekannten Bühnenschauspieler Peter O'Toole besetzte man auch den ebenfalls unbekannten Omar Sharif, der mit Lawrence von Arabien seinen internationalen Durchbruch feierte. Es ist schon etwas seltsam, dass die arabischen Hauptfiguren Prinz Feisal und Auda Abu Tayi nicht auch mit entsprechenden Schauspielern besetzt wurden. Alec Guiness war Lean durch die Zusammenarbeit bei Die Brücke am Kwai bestens bekannt. Anthony Quinn hingegen war der Quoten-Amerikaner. Lean setzte hauptsächlich britische Schauspieler ein, war er doch selber Brite. Aber wollte man damals international erfolgreich sein, brauchte man auch mindestens einen Amerikaner. Das war hier Anthony Quinn in einer Nebenrolle.

Alleine durch seine Monumentalität ist Lawrence von Arabien ein Muss für jeden Cineasten. Der Film war für zehn Oscars nominiert und erhielt 1963 sieben goldene Statuen – darunter auch "Bester Film" und "Bester Regisseur". O'Toole und Sharif wurden als bester Haupt- bzw. Nebendarsteller nominiert, gingen jedoch leer aus.

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