Filmplakat Free State of Jones
7/10

„Irgendwo, irgendwie, irgendwann ist jedermann nur irgendjemandes Nigger.“ (Free State of Jones, 2016)


Free State of Jones

Besprechung

Während des amerikanischen Bürgerkriegs desertiert der Südstaatler Newton Knight (Matthew McConaughey) nachdem er es nicht geschafft hat, seinen Neffen Daniel (Jacob Lofland) sicher aus dem Kriegsgebiet zu bringen. Newton geht zurück zu seiner Frau Serena (Keri Russell), wird aber natürlich als Fahnenflüchtiger gesucht. Zuhause widersetzt er sich dem Militär erneut, indem er Nachbarn hilft, sich gegen die ungerechten Steuereintreibungen zu wehren. Dabei wird er jedoch verletzt.

Newton landet schließlich in den Sümpfen, wo er von einer Gruppe geflohener Sklaven freundlich aufgenommen wird. Newton hilft dem Anführer Moses (Mahershala Ali) aus dessen Fesseln und freundet sich mit ihm und dem Rest der Leute an. Etwas mehr als nur Freundschaft verbindet er mit Rachel (Gugu Mbatha-Raw), der er das Lesen beibringt.

Der entflohene Knight ist nicht der Einzige, der die Schnauze voll hat vom Krieg. Immer mehr Leute fliehen den Krieg und landen in den Sümpfen. Gemeinsam geht man gegen die Steuereintreiber vor, die im Grunde unter dem Deckmantel der Armee Raubzüge begehen und die Farmer ausbluten lassen. Der Widerstand von Newton und seinen Männern wird so groß, dass man schließlich die Konföderierten vertreiben kann und den Freistaat Jones gründet.

Meinung von

Newton Knight gab es wirklich und seine Taten sind ebenfalls verbürgt. Da es sich um Hollywood handelt, sind natürlich einige Dinge hinzugedichtet worden. Den Neffen Daniel und den guten Freund Moses hat es so zum Beispiel nicht gegeben. Dennoch ist Free State of Jones gute Unterhaltung, in dem Sinne, dass hier ein wichtiges Stück amerikanischer Geschichte gezeigt wird. Jones war nicht das einzige Fleckchen, in dem sich Widerstand gegen die Konföderierten regte. In Jones gab es per se wenig Sklaverei, die meisten Farmer konnten sich keine Sklaven leisten. Im Falle von Newton Knight hatte er sich – wie sein Vater, aber nicht wie sein Großvater – bewusst gegen die Sklaverei ausgesprochen. Das führte im Falle Knight so weit, dass er sogar mit einer Farbigen Kinder hatte. Er ließ sich nie von Serena scheiden, deshalb lebte er mit Rachel in einer eheähnlichen Situation.

Schaut man sich Free State of Jones an, fallen einem gewisse Parallelen zu Robin Hood auf, wenn es darum geht, den Steuereintreibern das Eingetriebene wieder abzuluchsen und dem Volk zurückzugeben. Zwar gab es diese Ungerechtigkeiten wirklich – die Konföderierten nahmen sich einfach alles, was sie "für die Unterstützung der Truppen" benötigten, ohne Rücksicht auf Verluste. Aber das Gezeigte ist dann doch wieder eher ein Fall von Hollywood.

Newton Knight kämpfte immer für Andere. Sein Hauptgrund für seine Fahnenflucht ist die Tatsache, dass der Krieg, den er da focht, nur für die Reichen war. Es ging darum, die Interessen der Reichen, der Sklavenhalter, zu vertreten. Doch er und seine Bekannten waren alles einfache Farmer, die gar keine Sklaven hatten. Der Grund sich für die Sklaverei einzusetzen, damit einige Herren "da oben" weiterhin reich bleiben konnten, erschloss sich Knight nicht. Verbunden mit den ungerechten "Steuereinnahmen", ging Knight einen anderen Weg. Sein Motto lautete: Was du in die Erde bringst, kannst auch nur Du wieder ernten. Da ist kein Platz für Ausbeutung.

Free State of Jones ist mit seinen beinahe zweieinhalb Stunden etwas zu lang, es kommt aber keine Langweile auf.

Lustigerweise habe ich von Regisseur Gary Ross noch nichts gehört gehabt — sah aber alle seine Filme, die er bisher gedreht hatte (Pleasantville, Seabiscuit, Die Tribute von Panem). Vor allem die Tribute ermöglichten ihm, dass er auch ein eher kommerziell zum Scheitern verurteiltes Projekt wie Free State of Jones umsetzen konnte. Ross schrieb auch das Drehbuch.

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