Filmplakat Flucht aus L.A.
5/10

„Je mehr sich Dinge ändern, um so gewisser, dass alles gleich bleibt.“ (Flucht aus L.A., 1996)


Flucht aus L.A.

Besprechung

Die Verhältnisse in den USA sind noch schlimmer geworden. Mittlerweile hat sich ein religiöser Fanatiker zum Präsidenten (Cliff Robertson) auf Lebenszeit ernennen lassen. Jeder, der nicht nach seinen Regeln spielt, wird nach Los Angeles verbannt. L.A. wurde bei einem schweren Erdbeben teilweise vom Erdboden verschluckt und ist nun eine den USA vorgelagerte Insel. Der Präsident hat einen hohen Zaun drum herum bauen lassen und schiebt all das unchristliche und ihm nicht passende Gesocks auf die Insel ab. Er will ein moralisches Amerika.

Seine Tochter Utopia (A.J. Langer) stellte sich gegen ihren Papi, hat aus einem Weltraumverteidigungslabor einen streng geheimen Prototypen gestohlen und hat sich damit nach L.A. abgesetzt, um sich dem Rebellen Cuervo Jones (Georges Corraface) anzuschließen. Diesen hat sie im Cyber Space kennengelernt.

Wieder muss Snake Plissken (Kurt Russell) los und die Arbeit für Amerika machen. Diesmal wird ihm ein tödlicher Virus injiziert und er hat nur neuneinhalb Stunden Zeit, den Prototypen ausfindig zu machen, die Tochter zu eliminieren und zurück zum Über-Präsidenten zu kommen.

Seine Reise durch das gesetzlose L.A. ist natürlich sehr schwer und gefährlich.

Meinung von

Das Strickmuster ist das selbe wie bei dem Vorgänger Die Klapperschlange. Allerdings ist Plissken mittlerweile nicht nur ein Krimineller, sondern eine Mischung aus Outlaw und Held. Die Öffentlichkeit kennt ihn. Dennoch ist er für den fanatischen Präsidenten eine Gefahr und muss weg.

Was in Flucht aus L.A. deutlicher rüberkommt, als in Die Klapperschlange ist die menschenverachtende Gesellschaft. Ein Menschenleben ist nichts wert in diesem Überwachungsstaat, es gibt strenge Regeln, wer sich nicht daran hält, wer frei denkt – wird inhaftiert. Eigentlich sollte man interniert sagen. L.A. ist so schlimm, dass man als US-Feind auch alternativ die Soforthinrichtung wählen kann. Das konnte man auch bei Die Klapperschlange schon, dort ging der Aspekt allerdings etwas unter. In Flucht aus L.A. wird dies deutlicher gezeigt.

Flucht aus L.A. unterscheidet sich von seinem Vorgänger dadurch, dass mehr Dialoge vorhanden sind, die Tricks (natürlich) besser. Aber sonst hat sich nicht viel geändert. Ungereimtheiten sind auch hier zu finden — vor allem gen Ende. Was sollte das mit den Drachenfliegern, die minutenlang in drei Meter Höhe über den Innenplatz des Showdowns kreisen und kreisen, aber niemals tiefer kommen? Und niemand der Rebellen scheint Plissken und seine Schergen zu treffen. Da möchte man schon abschalten, so schlecht ist das. Ebenso die Tatsache, dass der "Weltcode" der so genannten Blackbox 666 lautet. Mit diesem Code kann man dann also die Welt untergehen lassen. *seufz*

Die Einlage mit den ehemaligen "Schönen und Reichen" von Beverly Hills, die nun Menschen aufsammeln und wegen ihrer Haut, ihrer Augen oder anderen, der Schönheit dienenden Körperteile ausschlachten … — überflüssig. Man kann es höchstens als Versuch einer Kritik am Schönheitswahn sehen, oder aber auch nur als "Schock"-Einlage.

Netter Versuch Plissken wie einen echten Outlaw dastehen zu lassen: Regisseur John Carpenter setzt viel Musik ein, die an einen Western erinnert.

Flucht aus L.A. ist im Grunde nur etwas für ganz hartgesottene Kurt Russell-Fans, die mit Die Klapperschlange groß geworden sind. Alle anderen sollten die Zeit lieber anders verbringen.

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