Filmplakat Elizabeth Harvest
8,5/10

„You can either torture or be tortured.“ (Elizabeth Harvest, 2018)


Elizabeth Harvest

Besprechung

Davon hat sie immer geträumt, nun ist der Traum wahr geworden. Elizabeth (Abbey Lee) ist mit dem hochintelligenten Henry (Ciarán Hinds) verheiratet. Er führt sie in ihr neues Domizil. Da sind noch die beiden Bediensteten Claire (Carla Gugino) und der blinde Gärtner Oliver (Matthew Beard). Henry zeigt Elizabeth, was ihr alles von nun an gehört. Das Anwesen ist groß und voller schöner Sachen. Bei der Tour kommen sie im Keller an einer Tür vorbei, die Henry Elizabeth bittet nie zu öffnen. Das ist sein Raum und sie möge dort nicht reingehen. Sie verspricht es ihm.

Noch in der Flitterwochen muss Henry geschäftlich fort. Elizabeth sieht nachts Claire und Oliver das Haus verlassen. So wandert die junge Braut durchs Haus – und kommt an der verbotenen Tür vorbei. Natürlich ist sie neugierig und so geht sie doch in den Raum. Was sie hier sieht, verstört sie absolut. Als Henry wieder da ist, macht er Jagd auf seine Ehefrau und bringt sie um.

Sechs Wochen später kommt Elizabeth als Frischvermählte in das schöne Haus ihres Ehemannes Henry … Die Geschichte geht diesmal anders aus.

Meinung von

Dritter Film für mich auf dem Fantasy Filmfest im Savoy. Der Trailer sah recht ansprechend aus. Heutzutage verraten die Trailer ja schon den gesamten Film. Nicht so bei Elizabeth Harvest des aus Venezuela stammenden Regisseurs Sebastian Gutierrez, der auch gleich die Geschichte mitlieferte. Der Trailer gibt eine Ahnung, doch Elizabeth Harvest ist so Wahnsinn vielschichtig. Was zunächst eindeutig erscheint – Henry hat Elizabeth geklont im Keller auf Eis liegen – dreht und windet sich im Laufe des Films so oft, dass ich nicht mehr mitzählen konnte.

Gut. Da ist eine Doppelgängerin im Keller. Claire und Oliver scheinen nicht einfache Bedienstete zu sein, helfen sie Henry doch routiniert beim Beseitigen der Leiche. Dann ist da eine weitere Elizabeth? Was ist hier los? Ein Mindfuck nach dem anderen prasselt auf den Zuschauer in den 105 Minuten ein. Zunächst ist der Film ruhig, doch später wird er rasend und entführt uns mit seinen wunderschönen Bildern und der anmutigen Abbey Lee in eine Thriller-Welt, die wir so nicht erwartet hätten.

Das ehemalige Modell Abbey Lee (Mad Max: Fury Road, The Neon Demon) spielt die unschuldige, neugierige Schönheit überzeugend. Sie kann sich nicht an viel erinnern und fragt sich, wieso ein so brillanter Mann wie Henry ein so einfaches Mädchen wie sie ehelicht. Tja, das werden wir mit der Zeit lernen. Ich will gar nich zu viel verraten, auch wenn es mir auf der Zunge brennt. Wir lernen zusammen mit Elizabeth aus den Aufzeichnungen von Claire, was es mit ihr und den seltsamen Figuren um sie herum auf sich hat.

Ciarán Hinds ist ein Schauspieler, der immer eher zwielichtige Gestalten spielt. Seine Figuren sind selten liebenswert (John Carter). In Elizabeth Harvest ist sein Charakter ganz klar auf der "gar nicht nett"-Seite. Schnell lernen wir, was Henry für ein Typ ist. Die Figur geht aber noch tiefer und das entblättert sich dann im Laufe des Films auch. Sehr beeindruckend ist die Rückblende, wenn er Claire erzählt warum er das tut, was er tut. Da spielt Gutierrez mit uns. Hat er uns doch noch vorher erklärt, dass Henry aus Liebe handelt, erkennt der später seine wahren Beweggründe. Gruselig.

Ach, ich würde so gerne mehr erzählen über den Film, aber ich möchte nichts verraten. Wenn er läuft, dann schaut ihn Euch an. Das ist ein Anschaubefehl! Und keine Angst vor den vielen Wendungen.

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