Filmplakat Einfach zu haben
7,5/10

„John Hughes did not direct my life.“ (Einfach zu haben, 2010)


Einfach zu haben

Besprechung

Eine kleine Lüge unter Freundinnen und ein Paar ungewollt mithörender Ohren — schon ist die 17-jährige Olive (Emma Stone) die Schulschlampe schlechthin. Das Gerücht, sie habe ihre Jungfräulichkeit an einen Jungen vom College verloren, macht die Runde. Zunächst genießt Olive die Aufmerksamkeit, war sie doch vorher ein Niemand an der Highschool.

Nächster Schritt auf dem Schlampenpfad: Olive hilft ihrem schwulen Freund Brandon (Dan Byrd) indem sie vorgibt, mit ihm geschlafen zu haben. Nun gibt es kein Halten mehr. Die junge Frau bekommt Geld von Losern, die vorgeben dürfen, mit Olive Sex gehabt zu haben.

Olives Nemesis, die super-christliche Marianne (Amanda Bynes), nimmt den Kampf mit der der Hölle versprochenen Olive auf und nervt sie extrem. Da das Bild von Olive immer mehr unangenehm wird und die Blicke, die sie erntet nicht mehr anerkennend sind, geht sie zum Gegenangriff über und trägt fortan — ganz nach dem Vorbild von “Der scharlachrote Buchstabe” — ein rotes “A” auf ihrer Kleidung.

Ob diese öffentliche Zurschaustellung der Kritik an ihren Mitschülern so gut ankommt? Und wie wirkt sich das ganze Flittchen-Getratsche auf ihre Freundschaft mit ihrer besten Freundin Rhiannon (Alyson Michalka) aus? Ausserdem ist es zu bezweifeln, dass das ohnehin bescheidene Liebesleben Olives durch diese Aktion voll aufblühen kann.

Meinung von

Highschool-Komödien sind eine heikle Sache. Nur allzu leicht können sie ins Pubertäre und ins Vulgäre abrutschen. Das Zielpublikum ist nun einmal jung. Einfach zu haben ist "auf der sicheren Seite". Emma Stone spielt frech, wie man es gewohnt ist. Angenehm fielen die coolen, aber kein Stück peinlichen Eltern (Patricia Clarkson und Stanley Tucci) auf. Die Anzüglichkeiten von Mama Rosemary hätten auch durchaus peinlich ausfallen können, ist hier jedoch nicht der Fall.

Einfach zu haben plätschert vor sich hin. An einigen Stellen könnte er gerne mehr Tempo gebrauchen, dann würde er aber nicht mehr 92 Minuten laufen, sondern weniger — was natürlich nicht geht für einen abendfüllenden Film.

Irgendwann setzt dann die obligatorische Liebesgeschichte ein. Da Olive jedoch "ein schlimmes Mädchen" ist, haben wir keine "Ach wie schön"-Knall-auf-Fall-Liebesgeschichte, sondern es bahnt sich etwas langsam im Hintergrund an. Schön, und ich meine wirklich richtig schön, ist die Szene, in der Olive ihre Geschichte mit den Highschool-Teenagerkomödien der 80er vergleicht. Sie möchte z.B., dass ein Typ für sie die Faust in die Luft reißt, wie es einst Judd Nelson am Ende von Breakfast Club gemacht hat. Und eigentlich sollte ihr Leben auch die Spritzigkeit von Ferris macht blau besitzen, zumindest jedoch eine Musikeinlage wie auf der Parade von Ferris macht blau. Da fiel ich wieder auf, weil ich fröhlich johlte.

Einfach zu haben ist eine smarte Teenie-Komödie. Denkt man, der Film wäre nur zur kurzweiligen Unterhaltung da, gibt es am Ende noch eine klitzekleine "Moral", oder wenigstens ein bisschen Ernsthaftigkeit. Olive war am Anfang ein Niemand, dann wurde sie auf einmal von allen beachtet, später angefeindet. Im Endeffekt war sie wieder alleine. Und genau den Punkt spricht Olive am Ende auch an, wenn sie sagt, dass es zum Kotzen ist, ein Aussenseiter zu sein. Okay, wir haben noch den lieben Jungen (Penn Badgley), der Olive natürlich von Anfang an durchschaut hat und einen feuchten Kehricht auf das Geplapper der Anderen gibt. *gnahh* Irgendwie musste der Streifen ja ein Happyend bekommen.

Wie der Mans nach dem Film zu mir richtig bemerkte — das ist dann tatsächlich ein kleiner Störfaktor des Films —, irritiert es allerdings schon etwas, dass die Hauptdarsteller alle irgendwas um 16 oder 17 Jahre alt sein sollen, dummerweise aber um einiges älter wirken. Emma Stone ist tatsächlich 22, die Ober-Christin Amanda Bynes ist 24 Jahre und der zukünftige Liebhaber von Olive ebenfalls. Das merkt man schon ...

Ansonsten kann man sich Einfach zu haben beruhigt anschauen, ohne im Erdboden zu versinken oder sich zu schämen, weil man in einem Teenie-Film hockt. Kurzweilige, frische Unterhaltung.

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