Filmplakat The Breakfast Club
8,5/10

„Wenn du erwachsen wirst, dann stirbt dein Herz.“ (The Breakfast Club, 1985)


The Breakfast Club

Besprechung

Es ist Sonnabend, fünf Schüler der Shermer High School müssen nachsitzen. Fünf völlig unterschiedliche Charaktere. Da ist der Schlaukopf Brian (Anthony Michael Hall), der Muskelprotz Andrew (Emilio Estevez), die Ausgeflippte Allison (Ally Sheedy), die Prinzessin Claire (Molly Ringwald) und der Freak John (Judd Nelson). Rektor Richard Vernon (Paul Gleason) steckt das Quintet in die Bibliothek. Acht Stunden und 45 Minuten haben sie Zeit darüber nachzudenken was sie verkehrt gemacht haben. Um den Fünf das Leben noch schwerer zu machen, soll jeder einen mindestens 1000 Wörter langen Aufsatz schreiben mit dem Thema “Wer bin ich?”.

Brian will sich an den Aufsatz machen, doch John geht allen auf den Sack. Von wegen still sitzen und die Strafe ertragen … John greift Andrew an, weil der so geleckt ist und alles macht, was sein Vater sagt. John geht Claire an, weil sie eine verzogene, reiche Göre ist. Brian ist als Schlaubi nicht weiter von Interesse und lässt sich leicht mundtot bekommen. Allison schweigt zu all dem.

Die Schüler pissen sich untereinander an und der Rektor kommt auch immer wieder rein, um für Ordnung zu sorgen. Wenn er nicht im Raum ist, reden die Nachsitzer und tauschen dabei ihre Sorgen und Sichtweisen aus. Langsam kommt man sich näher, nur um sich wieder anzufeinden.

Meinung von

1985 kam der Film von Regisseur John Hughes heraus. Die Achtziger waren eine Zeit, in der Jugendliche ernst genommen wurden, in denen Aufbruchstimmung herrschte, in denen gute Filme entstanden. Klar waren da auch schwachsinnige Klamauk-Streifen dabei, The Breakfast Club ist keiner dieser albernen Spaßfilme. Ich weiß nicht wie es heute in den Schulen aussieht, aber zu meiner Zeit gab es klare Rollen innerhalb einer Klasse. Die Figuren, die Hughes an einem Sonnabend zusammenpfercht, entsprechen einigen dieser Rollen. Das gibt Identifikationsnähe. Man konnte sich in einer dieser Figuren, die da nachsitzen müssen, wiederfinden.

Am liebsten wäre man natürlich John gewesen. Der ist cool, rebellisch, lässt sich nichts sagen, macht seine eigenen Regeln. Judd Nelson spielt den "Freak" sehr gut, sehr emotional und auch sehr zurückweisend an den Stellen, wo es nötig ist. Erst langsam lernen wir, aus was für einem Scheiß-Elternhaus John stammt.

Doch das ist bei den anderen Anwesenden nicht anders. Brian, der Schlaumeier, der in diversen Clubs (Mathe, Physik ...) ist, steht unter Leistungsdruck. Claire, die aus wohlhabendem Hause stammt, hat eine ganz andere Form von Druck. Sie würde gerne anders leben, mal andere Dinge machen, ist aber abhängig von dem, was ihre Freunde denken. Andrew, der Ringer, steht unter der Knute seines Vaters, der dem Jungen seinen Hochleistungssport-Wunsch aufdrückt. Andrew kann im Gründe nicht selber denken. Und die stumme Allison? Bei ihr weiß man nicht, woran man ist. Wie viel von dem, was sie dann später doch noch sagen wird, ist wahr?

In den Gesprächen — der Film wirkt wie ein Theaterstück — erkennen die Heranwachsenden, dass sie alle Rollen erfüllen und dass sie trotz ihrer Unterschiede doch einige Gemeinsamkeiten haben. Die wohl prägnanteste und zusammenschweißenste sind die Eltern und die Probleme, die die Fünf mit ihrem Elternhaus haben. Breakfast Club spricht somit ein Thema an, das (damals) wichtig war: die Abnabelung von den Eltern, die Auseinandersetzung, ob man nur ein Abbild seiner Eltern ist, oder ob man ein eigenständiges Individuum wird, resp. schon ist. Ein wichtiges Thema.

Auch wenn eigentlich nur Streitgespräche geführt werden, hat der Film dennoch Witz. Zudem nutzt er etwas, das in den 80ern ebenfalls wichtig war: Musik. Titelmelodie ist Don't you (forget about me) von Simple Minds, einem absoluten Hit damals. Und dann die Schauspieler. Man sucht immer vergebens nach jungen Schauspielern, die in die Fußstapfen unserer alten Idole treten können. Mit der Riege aus Breakfast Club hatte man mindestens drei, wenn nicht vier Jungschauspieler, die hoch gehandelt wurden. Geschafft hat es am Ende keiner in die Top-Liga.

Breakfast Club hat übrigens eine immer noch beeindruckende Endeinstellung, wenn Judd Nelson in seinem Mantel über das Footballfeld geht und seine Faust in einer Siegerpose Gen Himmel reißt. Cool.

Der Film hat auch seine Mängel. Zum einen ist die Liebschaft zwischen Andrew und Allison etwas sehr ad hoc. Nur weil sie bisschen aufgehübscht wird, verfallen die beiden gleich in Liebe? Na ... Da ist die Beziehug zwischen Claire und John schon glaubhafter. Die Mädels stehen eben auf die bösen Jungs und immerhin geht sie zu ihm in die Arrestzelle. Dass sie ihm aber gleich einen Diamant-Ohrring schenkt, ist hingegen etwas überzogen.

Dennoch ein wichtiger Film der 80er-Jugendkultur, der auch heute - für mich - nichts an Reiz verloren hat.

Breakfast Club, das sei zum Schluss erwähnt, hat zwei "Tanzeinlagen", die recht bekannt sind. Zum einen tanzen die Jungs nach dem Joint wie in Footlose, der gerade ein Jahr vorher rauskam — und einen enormen Erfolg sowie eine ebensolche Bedeutung für die Jugend hatte. Zum anderen führen die drei Jungs einen Tanz auf, den Genesis 1991 in dem Video zu I can't dance nachmachen sollten.

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