Filmplakat Die Stunde der Patrioten
6,5/10

„Das ist nicht meine Mission!“ (Die Stunde der Patrioten, 1992)


Die Stunde der Patrioten

Besprechung

Der ehemalige CIA-Analyst Jack Ryan (Harrison Ford) ist mit seiner Frau Cathy (Anne Archer) und ihrer Tochter Sally (Thora Birch) in London. Ryan soll eine Rede vor dem britischen Marine-Verband halten. Während des Aufenthalts wird von einer super-militanten Fraktion der IRA ein Anschlag auf Mitglieder der königlichen Familie verübt. Ryan ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Er greift ein und erschießt in der Hitze des Gefechts den kleinen Bruder von Sean Miller (Sean Bean). Miller kann gefasst werden.

Jeder denkt zunächst, die IRA hat ihre Finger im Spiel. Selbst Paddy O’Neill (Richard Harris), der Hauptgeldeintreiber der IRA fällt unter Verdacht. Das ranghohe IRA-Mitglied Kevin O’Donnell (Patrick Bergin) bleibt hingegen in den Schatten. Der löscht nicht nur unliebsame IRA-Kollegen aus, sondern plant im Sicheren die Flucht von Sean.

Da Ryan als Held gefeiert wird – immerhin hat er den königlichen Cousin Lord Holmes (James Fox) gerettet –, geraten er und seine Familie ins Visier von O’Donnell. O’Donnell will ein Zeichen setzen und immer noch an Lord Holmes herankommen, während Sean Miller nur noch auf Rache für den Tod seines Bruders sinnt. Die Familie Ryan ist fortan nicht mehr sicher.

Meinung von

Nachdem zwei Jahre zuvor der junge Jack Ryan – damals von Alec Baldwin gespielt – zum ersten Mal auf der Leinwand aufgetaucht ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis er wieder über die Silberleinwand lief. Die viele Action aus Jagd auf Roter Oktober war zu heftig für Ryan, weshalb er sich nun nur noch auf Vorlesungen spezialisiert hat. Das Leben könnte so ruhig sein, wenn er nicht immer wieder die Initiative ergreifen würde und sich damit in Schwierigkeiten brächte.

Tom Clancy hat mit der Jack Ryan-Reihe eine spannende Agenten-/Spionage-/Action-Serie geschaffen. Diesmal steht Harrison Ford als Jack Ryan vor der Kamera. Es liegt in seiner Natur heldenhaft zu sein, auch wenn er das eigentlich überhaupt nicht sein möchte. Er tut alles, um ein ruhiges Leben zu führen, doch der Zufall wollte es, dass er in einen IRA-internen Krieg gerät.

Die Auseinandersetzungen in Nordirland sind noch im vollen Gange, Anschläge sind nichts Ungewöhnliches. Während aber die IRA, mit ihrem Gesicht in der Öffentlichkeit, Paddy O'Neill, ein friedliches, diplomatisches Bild zeichnen will, passt das nicht allen aus den Reihen. O'Donnell macht sein eigenes Ding, ganz ohne Segen von oben. Er hat dabei Hilfe nicht nur von Sean Miller, der ein skrupelloser Söldner ist, sondern auch von der Femme Fatal Annette (Polly Walker).

Die Geschichte ist spannend erzählt und ohne große Längen. Die Beweggründe der IRA fallen völlig unter den Tisch, so dass Sean Bean – hier in seiner ersten wirklich großen Rolle – als durchgeknallter, vor Wut blinder Soldat in den Vordergrund treten kann. Sean, so wird Dich nie jemand mögen und so wirst Du nie eine Rolle bekommen, die bis zum Ende durchhält. Ach warte mal ...

Nachdem O'Donnell und seine Leute den Anschlag auf Ryan und seine Familie verübt haben, geht Ryan zurück zur CIA, um diese Ressourcen nutzen zu können. So findet er heraus, dass O'Donnell und Co. in einem Terroristen-Camp in Libyen sind, das von einer SAS-Eliteeinheit in einer Nacht-und-Nebel-Aktion platt gemacht wird. O'Donnell und der Rest seiner Mannschaft waren aber schon wieder weg.

Damals war das, was wir dort sahen, schauderhaft. Von Satelliten überwacht sehen wir, wie helle Flecken über einen Monitor huschen und andere Flecken "ausschalten". Während in Libyen Menschen umgebracht werden, schauen Ryan und der Rest der CIA mit einem Kaffee in der Hand zu. Das ist mittlerweile "normal", aber damals war das schockierend, dass es so etwas gibt.

Der Name Die Stunde der Patrioten lässt natürlich nichts Gutes ahnen. Das ist doch bestimmt wieder so ein "Oh, wie toll ist Amerika"-Scheiß. Mit Patrioten sind aber diesmal nicht die Amis gemeint und der Film ist auch nicht so triefend pro-amerikanisch wie befürchtet. Ford ist wie immer etwas steif in seiner schauspielerischen Leistung. Dass er den Arsch bewegt und einen Terroristen angreift, hilft schon mal, ihn nicht ganz so langweilig erscheinen zu lassen.

Die Stunde der Patrioten ist gute, solide Action-Unterhaltung. Kann man sich anschauen.

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