Filmplakat Die Lincoln Verschwörung
6/10

„Diese Leute müssen begraben und vergessen sein.“ (Die Lincoln Verschwörung, 2010)


Die Lincoln Verschwörung

Besprechung

US-Präsident Abraham Lincoln (Gerald Bestrom) wurde am 14. April 1865 in einem Theater vom Schauspieler und Südstaaten-Sympathisanten John Wilkes Booth (Toby Kebbell) angeschossen, einen Tag darauf starb Lincoln. Die USA hatten gerade einen Bürgerkrieg hinter sich, das Volk war zu tiefst geschockt. Schnell findet man die Attentäter, sieben Männer werden gejagt. Der Hauptattentäter Booth wird erschossen, der Rest der Täter wird vor ein Militärgericht unter der Leitung von David Hunter (Colm Meaney) gestellt. Ebenso die Mutter eines Täters, Mary Surratt (Robin Wright).

Die Witwe führte eine Pension, in der sich die Attentäter trafen und besprachen. Sie steht als Mitschuldige vor dem Gericht.

Senator Reverdy Johnson legt sein Mandat die Frau zu verteidigen nieder, weil er selber Südstaatler war und somit keine Chance hätte, ein faires Verfahren für Mary Surratt zu erwirken. Deshalb holt er den jungen Kriegshelden und Anwalt Frederick Aiken (James McAvoy) zur Hilfe. Der ist Nordstaatler und das sähe dann nicht nach Klüngel aus.

Gerade weil Aiken Nordstaatler ist, nimmt er den Fall widerwillig an. Soll sie doch hängen. Erst allmählich beginnt Aiken zu verstehen, dass Mary Surratt einen fairen Prozess verdient. Zumal die Anklage unter Jude Advocate General Joseph Holt (Danny Huston) keine stichfesten Beweise für Marys Schuld aufbringen kann.

Erschwert wird die ohnehin schon aussichtslos erscheinende Verteidigung dadurch, dass Kriegsminister Edwin Stanton (Kevin Kline) Surratt ans Messer liefern will, um das Volk zu beruhigen. Auch Aikens Freunde können sein Verhalten, Surratt so leidenschaftlich zu verteidigen, nicht wirklich verstehen.

Meinung von

Solide Geschichtslehrstunde. Gleichzeitig ist Die Lincoln Verschwörung ein Gerichtsdrama. Und oben drauf ein Drama, bei dem es um Menschenrechte sowie "einfach" Politik geht.

Wer sich nicht gerade damit beschäftigt hat, wird wohl mit dem Film von Regisseur Robert Redford noch einiges zu dem Thema Lincoln-Attentat erfahren. Vor allem bekommt man jedoch etwas über die Ungerechtigkeit im damaligen Justizwesen mit.

Frederick Aiken ist ein eingefleischter Nordstaatler. Anfangs kann er sich auch nicht vorstellen, Mary Surratt zu verteidigen. Er hat für den Norden gekämpft, war Captain, hat die aus dem Süden getötet. Wie kann er nun eine Südstaatlerin verteidigen? Zumal eine, die doch ganz bestimmt an der Ermordung des geliebten Präsidenten beteiligt war!?

Allmählich merkt Aiken, dass er in seinem Beruf als Jurist unvoreingenommen sein muss, dass er hier einen Menschen vor sich hat — eine liebende Mutter, die nicht ihren Sohn ans Messer liefern will, nur um die eigene Haut zu retten. Aiken — und der Zuschauer — merkt schnell, dass das Militärgericht im Grunde schon das Urteil gefällt hat. Deshalb ist jeder Schritt, den Aiken unternimmt ein Kampf. Seine Freunde verstehen sein Engagement nicht, seine Freundin Sarah Weston (Alexis Bledel) kommt das auch alles suspekt vor — wieso ihr Freund sich so für eine andere Frau einsetzt.

Wir sehen voreingenommene Ungerechtigkeit in der Justiz. Da Surratt eine Zivilperson war, hätte sie auch vor einem Zivilgericht stehen müssen. Das Militärgericht war ein klares Todesurteil für sie.

James McAvoy spielt seine Rolle gut, ruhig, zwischendurch leidenschaftlich. Robin Wright gibt eine gefühlskalte, in sich gekehrte Frau, die keine Regung zeigt. Man mag ihre Figur von der ersten bis zur letzten Minute nicht wirklich. Aber deswegen ist ihre Verurteilung dennoch falsch gewesen. Immerhin gab es keine richtigen Beweise, alle die, die für sie hätten aussagen können, wurden bedroht und kippten als Zeugen um. Aiken scheint auf verlorenem Posten zu kämpfen.

Kevin Kline als Kriegsminister Stanton verkörpert den Geist Amerikas nach dem Attentat. Oder besser den der Politik nach dem Vorfall. Surratt musste sterben, damit das Volk beruhigt wird. Es kam gerade aus dem Bürgerkrieg, hatte schwere Wunden davon getragen, dann durch das Attentat noch einen drauf bekommen — gebt dem Volk ein Opfer, damit die Stimmung nicht noch einmal umkippt.

Beeindruckende Geschichtsstunde. Zumal wir in der letzten Einstellung vor dem (sehr schön gestalteten) Abspann lernen, dass John Surratt (Johnny Simmons) später doch noch gefasst wurde, er aber im Gegensatz zu seiner Mutter vor ein Zivilgericht kam — und mangels Beweise auf freien Fuß gesetzt wurde. Das Justizwesen musste sich also auch erst einmal entwickeln. Auf Kosten von Mary Surratt.

Wer auf Kostümfilme steht und zudem noch Gerichtsfilme mag, der ist mit dem doch sehr ruhigen Die Lincoln Verschwörung gut bedient. Hier kommt es auf die Geschichte — im doppelten Sinne — an. Alles routiniert und professionell abgedreht, aber vielleicht auch ein wenig kalt.

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