Filmplakat Der böse Trick
5,5/10

„Recht so. Das ist es, was Amerika unbesiegbar macht: Humor im Angesicht des Todes.“ (Der böse Trick, 1970)


Der böse Trick

Besprechung

Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges kann Captain John Yossarian (Alan Arkin) einfach nicht mehr. Der Bombenoffizier will bei der Air Force aussteigen. Bereits 35 Einsätze sind er und seine Kameraden im Mittelmeer-Raum geflogen, das sind zehn mehr als nötig. Nach 25 Einsätzen sollte man eigentlich nach Hause geschickt werden. Doch Colonel Cathcart (Martin Balsam) erhöht die Zahl kontinuierlich.

Yossarian will als verrückt angesehen und vom Dienst befreit werden, doch das ist nicht so einfach. Auch Doctor Daneeka (Jack Gilford) kann nicht helfen. Aber immerhin erklärt er dem verzweifelten Yossarian, wieso das so ist. Nur Gesunde Menschen würden sich als verrückt einstufen, um so vom Dienst befreit zu werden. Und gesunde Menschen werden nun einmal nicht nach Hause geschickt. Das ist ein ganz besonderer Artikel, den die Air Force sich da hat einfallen lassen.

Während der Captain einen Ausweg sucht, scheinen um ihn herum alle irgendwie verrückt zu sein. Da ist z.B. 1st Lt. Milo Minderbinder (Jon Voight), der alles was nicht niet- und nagelfest ist verhökert, um so gewappnet zu sein für die Zeit nach dem Krieg. Alles natürlich “für die Gemeinschaft”. Da können auch schon mal die Fallschirme veräußert werden. Welcher Pilot braucht schon einen Fallschirm? Aber auch Captain Orr (Bob Balaban) fällt auf. Er versenkt seine Flieger ständig im Wasser, überlebt das jedes Mal und ist doch der Meinung, er sei ein guter Pilot. Nicht so gut ist Brigade General Dreedele (Orson Welles), der am liebsten jeden Soldaten sofort an die Wand stellen würde. Sind doch alles faule Säcke die.

Meinung von

Das weite Internet hat mich auf diesen Film aufmerksam gemacht. Tatsächlich ist eine der ersten Szenen, die in der Daneeka dem armen Yossarian erklärt, dass er im Grunde niemals als verrückt entlassen werden kann, recht lustig. Die sah ich und dachte mir, den Film kann man sich doch mal im Ganzen anschauen.

Die Geschichte basiert auf dem Buch von Joseph Heller. Regisseur Mike Nichols (Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Die Reifeprüfung) nahm sich des satirischen Stoffes an. Der böse Trick hat tatsächlich einige echt schöne Witze, bzw. wahnwitzige Situationen zu bieten. Dennoch ist der Streifen auch teils ziemlich wirr und sehr unkonventionell gedreht. Schon am Anfang sehen wir Yossarian wie er in einem heruntergekommenen Haus am Rande eines Startfelds mit zwei Männern redet. Die Flieger knattern und brausen an dem Haus vorbei, so dass wir kaum etwas von dem Gesprochenen verstehen. Dann gibt es auch zwischendurch immer wieder Rückblenden, die wie Träume wirken und nicht wirklich einzuordnen sind. Die Erzählweise ist also echt schräg. Aber leider nicht "das gute 'schräg'".

Alan Arkin (Little Miss Sunshine) war gerade als Bösewicht in Warte, bis es dunkel ist aufgefallen, sollte jedoch mit Catch-22, wie das Buch und der Original-Film heißen, weltberühmt werden. Der Film aus dem Jahre 1970 zeigt wie verrückt das Militär ist, wie irrsinnig manche Bestimmungen und Regeln sind. Wenn einer seiner Kameraden eine Frau vergewaltigt und aus dem Fenster wirft, kommt die Militärpolizei. Aber nicht, wie Yossarian denkt, um den Mörder zu verhaften, sondern um ihn dingfest zu machen – weil er die Ausgangssperre gebrochen hat. Was zum Teufel?!

Der Film wird irgendwo bestimmt hoch gehalten, ich fand ihn aufgrund seiner wirren Darstellung und die manchmal chaotischen Dialoge nicht so sonderlich toll. Dabei spielen hier echt große Schauspieler mit. Neben Orson Welles, spielt auch ein extrem junger Martin Sheen mit, und Anthony Perkins spielt einen Priester, der nicht genau weiß, was er da beim Militär überhaupt macht. Art Garfunkel spielt noch mit, ebenso Richard Benjamin (Westworld), sowie Norman Fell. Der letzte Name sagt einem zwar nicht auf Anhieb etwas, aber wenn man ihn sieht (und eine Film-Sozialisierung mit Filmen aus den 1970ern genossen hat), dann erkennt man den auch.

Ganz groß ist die Szene, in der Yossarian und seine Kompanie alle einen Orden verliehen bekommen, weil sie ihre Bomben nicht auf eine Stadt am Mittelmeer abgeworfen haben, sondern ins Meer. Yossarian hat so seine eigene Art, die Medaille entgegen zu nehmen … Dennoch können diese kleinen, lustigen Episödchen den Gesamtfilm nicht retten. Manchmal fühlte ich mich an Kentucky Fried Movie erinnert, der auch nur eine Ansammlung von Witzen ist, die allerdings (heute) nicht lustig sind. Kentucky Fried Movie war der erste Gehversuch des Chaos-Trios Abrahams/Zucker/Zucker. So fühlt sich Catch-22 auch manchmal an.

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