Filmplakat Das Kabinett des Dr. Parnassus
6/10

„Unsterblichkeit ist ein verdammter Fluch.“ (Das Kabinett des Dr. Parnassus, 2009)


Das Kabinett des Dr. Parnassus

Besprechung

Vor einer Kneipe, irgendwo in London, fährt ein alter Schaustellerwagen vor. Die Bühne öffnet sich und ein als Merkur verkleideter Mann preist die Show von Dr. Parnassus an. Der Doktor eröffnet jedem, der durch seinen Spiegel geht, eine völlig neue, individuelle Welt, in der man sich verlieren kann, oder die einem neue Wege aufzeigt.

Parnassus reist mit seiner Tochter Valentina (Lily Cole), dem kurzwüchsigen Percy (Verne Troyer) sowie dem jungen Anton (Andrew Garfield) herum. Valentina wird demnächst 16, aber der Doktor erzählt ständig, dass sie noch zwölf sei. Parnassus, der sonst immer recht verschwiegen ist, erzählt seiner Tochter seine Geschichte. Danach ist er schon viele tausende Jahre alt. Einst war er ein Mönch in einem Kloster, irgendwo im Nanga Parbat versteckt. Parnassus’ Orden war der Meinung, die Welt würde untergehen, wenn die Geschichte der Weltentstehung nicht mehr erzählt würde. Doch dann schloss er einen Pakt mit dem Teufel (Tom Waits), der ihn übers Ohr haute und die Wetterei mit dem Teufel ging los. Der Gewinn für Parnassus – und zugleich sein Fluch – war seine Unsterblichkeit.

Eine letzte Wette soll mit dem Teufel geschlossen werden: Bis zum 16. Geburtstag seiner Tochter muss Parnassus fünf Seelen “auf die gute Seite” bringen. Der Teufel tut sein Bestes, um genau das Gegenteil zu erreichen. Gewinnt Parnassus, darf seine Tochter bei ihm bleiben, gewinnt der Teufel – naja, dann ist sie halt verloren.

In einer dunklen, regnerischen Nacht findet die Truppe einen Mann unter einer Brücke baumeln. Aufgehängt wurde er – tot ist er aber noch nicht. Der Mann kann sich nicht daran erinnern, wer er ist, woraufhin Valentina ihm den Namen Tony (Heath Ledger) gibt. Mit dem charmanten Tony im Team bekommt die Show des Dr. Parnassus wieder Schwung. Können die fünf Seelen rechtzeitig gewonnen werden? Und welches Geheimnis umgibt Tony?

Meinung von

Der Trailer zu Das Kabinett des Dr. Parnassus war toll. Wir sehen die verrückte Bilder-Welt des Regisseurs Terry Gilliam. Aber leider hält der Film nicht das Versprochene. Ein Hauptgrund ins Kino zu gehen, war natürlich die Tatsache, dass es die letzte Rolle von Heth Ledger war, der nach den Dreharbeiten zu The Dark Knight nicht mehr von Schlaftabletten loskam. Es hat also etwas morbides, schaut man sich den Film an. Leider hat Ledger sein Pulver in der genialen Darstellung des Jokers verbraucht gehabt. In Das Kabinett des Dr. Parnassus spielt er "normal", nicht besonders.

Die Tatsache, dass Ledger noch vor dem Ende der Dreharbeiten verstarb, löste Gilliam mit einem netten Trick: Er besetzte die Rolle schlicht mit noch drei anderen Schauspielern. Immer wenn der Charakter Tony durch den Spiegel geht, erlebt er eine andere Welt und es wird ein anderes Gesicht von Tony gezeigt.

Johnny Depp schlüpft als Erster in die Rolle des Spiegel-Tony, als er einer älteren Frau durch den Spiegel folgt. Depp gefällt besser als Ledger. Die Rolle des Verführers mit den gefährlichen Augen passt zu Depp einfach hervorragend. Außerdem sehen wir Jude Law in der Rolle des Tony. Als er in der Spiegelwelt ist, erfahren wir am meisten über den Charakter. Das wahre Gesicht verkörpert aber erst Colin Farrell, der den undankbarsten, weil realistischsten - und damit langweiligsten - Part hat.

Das Kabinett des Dr. Parnassus ist keine leichte Kost — hat man bei einem Terry Gilliam-Film aber auch nicht erwartet. Er ist jedoch nicht so abgedreht und wild, wie erhofft. Es wird mystifiziert und philosophiert und das ist nicht nur schwer, das wird auch mit düsteren, tristen Bildern umgesetzt.

Viel Hoffnung hatte ich für den Film, wurde aber dann doch enttäuscht. Es gibt einen Bonus für Johnny Depp und einen für Tom Waits, der im realen Leben auch als Teufel durchgehen könnte. Ansonsten: Muss man — leider — nicht gesehen haben.

hoch