Filmplakat Coma
7/10

„Bei einem Verbrechen gilt immer: Nie zu kompliziert!“ (Coma, 1978)


Coma

Besprechung

Nachdem ihre beste Freundin bei einer Routine-Operation in ein Koma gefallen ist, macht sich Dr. Susan Wheeler (Genevieve Bujold) daran, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie findet heraus, dass in ihrem Krankenhaus, dem Boston Memorial Hospital, seltsame Dinge vor sich gehen. Im letzten Jahr sind gut 240 Menschen während der OP in ein Koma gefallen, aus dem sie nicht mehr aufgewacht sind. Eine viel zu hohe Zahl für ein Krankenhaus.

Wheeler, die zunächst wenig Unterstützung von ihrem karrierebesessenen Freund Dr. Mark Bellows (Michael Douglas) erhält, bekommt Rückendeckung vom Krankenhaus-Chef Dr. Harris (Richard Widmark). Der nimmt sie noch in Schutz, obwohl sie den Chef-Anästhesisten Dr. George (Rip Torn) verdächtigt, etwas mit den gehäuften Koma-Fällen zu tun zu haben.

Die junge Ärztin findet heraus, dass alle Koma-Patienten in das so genannte Jefferson Institut gebracht werden. Was hat es mit dem Institut auf sich? Wheeler muss schnell und zugleich vorsichtig handeln, da man es offensichtlich auf sie abgesehen hat. Wie es scheint, hat sie eine heiße Spur gefunden.

Meinung von

Die Horror-Vision schlechthin, wenn man ins Krankenhaus geht: Man begibt sich in die Hände von Ärzten und wacht nicht mehr auf. In diesem Krankenhaus steckt jedoch eine Methode dahinter. Irgendjemand sorgt dafür, dass die Patienten – scheinbar wahllos – in ein Koma fallen und dann "verschwinden". Genevieve Bujold ist vielleicht nicht die beste Besetzung, da sie den Charakter der Dr. Wheeler sehr hölzern spielt. Niemand will eine kreischende, hysterische Hauptdarstellerin, aber ein wenig mehr Emotionen hätte Bujold gerne zeigen können. Immerhin passieren ihrem Charakter viele schlimme Dinge.

Coma ist eine Mischung aus Horror-Film und Krimi. Detektivisch geht Wheeler vor, um dem Geheimnis der komatösen Patienten auf den Grund zu gehen. Schicht für Schicht deckt sie die gruseligen Machenschaften einer zunächst gesichtslosen Organisation auf, was sie in Lebensgefahr bringt. Diese Organisation hetzt einen Mörder auf Wheeler. Den armen Hausmeister Kelly (Frank Downing), der Wheeler wertvolle Informationen zu dem Fall geben wollte, haben sie schon ausgeschaltet.

Wie Wheeler später herausfindet, werden die Patienten, die in ein Koma versetzt und ins Jefferson Institut verlegt werden, dort nicht nur zu Forschungszwecken aufbewahrt. Die Koma-Patienten hängen in einer sterilen Umgebung von der Decke, wo sie theoretisch jahrzehntelang hängen könnten. Doch in dem Institut hat man andere Ziele, als Koma-Patietnten kostensparend zu pflegen. Menschen werden hier als Organspender wie auf einer Farm gehalten. Und um an diese Organquellen zu gelangen, muss man die Menschen gezielt ins Koma versetzen.

Die Szenen mit den von der Decke hängenden Patienten ist schon traumatisch. Ebenso die Szene, in der Wheeler sich vor dem namenlosen Killer in der Leichenhalle versteckt. Hier hängen Tote in Plastiksäcken an Haken. Gruselig.

Von der blassen Bujold mal abgesehen, haben wir ein spannende Geschichte, in der es darum geht, dass Ärzte sich wie Götter aufführen. Weder Politik noch Gesellschaft wollen sich mit Fragen wie Sterbehilfe, Abtreibung o.ä. beschäftigen. Deshalb müssen Ärzte sich dieser Fragen annehmen und einfach an der Gesellschaft vorbei über diese bestimmen. Das ist – neben der Idee mit der skrupellosen Menschenfarm – der Hauptgedanke von Coma. Hier werden also ethische Fragen angesprochen, die uns unangenehm sind. Ein System von größenwahnsinnigen Ärzten nimmt sich der Fragen an, findet für sich komfortable, weil nebenbei auch lukrative, Antworten und setzt diese auch gleich um.

In einer Nebenrolle sehen wir einen noch sehr jungen Michael Douglas. Regie hat Michael Crichton geführt, der kurz zuvor Westworld umgesetzt hatte, aber eigentlich mehr durch seine Bücher (u.a. Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All, Jurassic Park) bekannt werden sollte. Und in einer klitze-kleinen Nebenrolle sehen wir außerdem Tom Selleck – damals schon mit Schnauzer.

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