Filmplakat Batman: The Killing Joke
8,5/10

„You haven't been taken to the edge yet.“ (Batman: The Killing Joke, 2016)


Batman: The Killing Joke

Besprechung

Nachdem Batman (Kevin Conroy) und Batgirl (Tara Strong) sich zerstritten haben, legt Barbara Gordon das Cape ab. Der dunkle Ritter ist wieder alleine unterwegs. Eines Abends fährt Batman nach Arkham Asylum. Er will mit dem Joker reden. Es geht darum, dass beide Männer sich irgendwann gegenseitig vernichten werden. Doch der Joker ist nicht mehr in seiner Zelle.

Gothams Beschützer macht sich auf den Weg, den Prinz des Verbrechens wieder dingfest zu machen. Der Joker (Mark Hamill) plant jedoch ein großes Experiment, das nicht nur Barbara, sondern auch ihren Vater, Commissioner Gordon (Ray Wise) einbezieht. Natürlich auf eine sehr kranke Art.

Der Joker will beweisen, dass ganz normale Menschen wahnsinnig werden können. Versuchskaninchen ist der Commissioner.

Meinung von

The Killing Joke aus der Feder von Alan Moore ist einer der wichtigsten Graphic Novel um den dunklen Ritter. Obwohl … eigentlich steht der Joker im Mittelpunkt. Moore zeigt in Rückblenden, wie aus einem erfolglosen Komiker der Joker wurde. Ein ganz normaler Mensch, der zu einem kriminellen Masermind, der gefährlichsten Gegner Batmans wird. In dem Experiment, das der Joker durchführt, soll bewiesen werden, dass jeder Mensch verrückt werden kann, dass jeder auf das Niveau vom Joker gelangen kann. Man muss nur die richtigen Mittel einsetzen.

Ich hatte die Folterszenen auf dem Jahrmarkt intensiver in Erinnerung, im Film verliefen sie recht schnell – was ein Treiben in den Wahnsinn unwahrscheinlich macht. Aber das ist dem Genre Film geschuldet. Überhaupt ist die Geschichte recht kurz, wenn man sie verfilmt. Deshalb hat man sich dazu entschlossen, der eigentlichen Geschichte eine zweite vorweg zu stellen. Barbara Gordon, Batgirl, hat im Comic eine recht kleine Rolle. Eine wichtige, aber dennoch kleine Rolle. Um auf genügend Filmminuten zu kommen, entschied man sich, Batgirl ein wenig genauer zu beleuchten. In den Staaten gab es nach den ersten Screenings böse Kommentare diesbezüglich, wenn man aber weiß, warum das gemacht wurde, geht man versöhnlicher in den Film.

The Killing Joke, oder wie er als Comic im Deutschen heißt Batman: Lächeln bitte!, ist ein wunderbares Psychostück. Der Joker – der beste und beliebteste Bösewicht der Comichefte – zeigt, dass er mal ein Mensch war und gleichzeitig pisst er in Richtung Batman. Ein Mann, der offensichtlich auch ein Trauma erlebt hat, um zu dem zu werden, was er ist. The Killing Joke zeigt also, dass Joker und Batman gar nicht so verschieden sind.

Der Film hält sich extrem dicht an die Comic-Vorlage – was gut ist. Im Comic gibt es einige sehr wichtige Bilder, die wunderbar 1:1 übernommen wurden und auf Großleinwand extrem großartig ausschauen. Es kann einem schon kalt den Rücken runterlaufen, wenn der Joker bei Barbara Gordon in der Tür steht, die Augen im Schatten seines Hutes und man nur ein kleines, weißes Licht in seinem Auge sieht, das aus der Dunkelheit herausscheint. Das ist Wahnsinn mit Tusche auf der Silberleinwand.

Der Stil von The Killing Joke ist angelehnt an die wunderbaren Zeichnungen der Animated Series aus den 1990ern, ist jedoch um einiges erwachsener. Die Düsternis der TV-Serie kommt aber auch in The Killing Joke herüber. Großer Pluspunkt ist – und es wäre kommerzieller Selbstmord gewesen, hätten sie es nicht gemacht –, dass Mark Hamill wieder den Joker spricht. Allerdings nicht so quickig wie in der TV-Serie. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob es wirklich Hamill ist, der dem Joker seine Stimme leiht oder doch jemand anderes. Dann aber kam Hamills einzigartige Interpretation des Jokers wieder durch.

Die Graphic Novel legt man nach dem Lesen beiseite und sagt Wow!, nach dem Film geht man raus und sagt Gut gemacht. Hinter uns saßen Spacken, die am Anfang noch Deadpool-Jokes machten. So doof die Spinner auch waren, nach dem Film meinte einer der Typen, er habe etwas erwartet, das mehr episch sei. Das ging mir ebenso. Dennoch ist The Killing Joke ein gut gemachter Animationsfilm mit einer grandiosen Geschichte.

Übrigens fiel mir während des Films auf, wie wohltuend es ist, mal wieder einen Animationsfilm zu sehen, der nicht aus dem Computer kommt und für den ich nicht eine effing 3D-Brille aufsetzen muss. Das hätte dem Film auch nur geschadet.

Nett war die kleine, sehr kurze Reminiszenz an Batman Begins, wenn Batman Swear to me! grollt. Herrlich.

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