Filmplakat Aus dem Nichts
6,5/10

„Ich war Mutter.“ (Aus dem Nichts, 2017)


Aus dem Nichts

Besprechung

Katja Sekerci (Diane Kruger) hat ihren Mann und ihren Sohn bei der Explosion einer dreckigen Bombe vor dem Geschäft des Ehemannes verloren. Nuri (Numan Acar) war früher Drogendealer, wurde jedoch vorbildlich resozialisiert. Er hatte in St. Georg ein kleines Übersetzung-, Reise- und Steuerbüro. Katja ist am Boden zerstört und weiß nicht mehr ein noch aus. Die Polizei ermittelt zunächst in der Richtung von “der hat doch bestimmt noch gedealt” und “das war bestimmt eine Mafia”. Doch Katja hat gleich noch am selben Abend der Tat angegeben, dass sie eine junge Frau vor dem Geschäft gesehen hat. Nach der wird auch gefahndet.

Als Katja schon nicht mehr weiter weiß, kommt der Anruf des befreundeten Anwalts Danilo (Denis Moschitto), dass man die Täter gefasst habe. Das Nazi-Ehepaar Edda (Hanna Hilsdorf) und André Möller (Ulrich Brandhoff) soll die Bombe gelegt haben. Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung, die Katja vieles abverlangt. Ebenso das am Ende gefällt Urteil.

Meinung von

Der Hamburger Regisseur Fatih Akin (Soul Kitchen) hat mit Aus dem Nichts einen sehr eindringlichen Film geschaffen. Die Geschichte ist in drei Teil gegliedert: “Familie”, “Gerechtigkeit” und “Das Meer”. Im ersten Teil wird die Tat geschildert und was das für Auswirkungen auf Katja hat. Der Verlust des Ehemannes und des eigenen Kindes treibt Katja schließlich so sehr in die Verzweiflung, dass sie sich das Leben nehmen will. Der Schmerz über den Verlust ist zu stark. Das zeigen und Akin und Kruger auf sehr deutliche Art und Weise. Die Kamera ist ganz nah an dem gebrochenen Charakter Krugers. Damit ist der Zuschauer auch ganz nah bei ihr und fühlt ihren Schmerz. Im Hintergrund scheint es immer zu regnen.

Meine Begleitung – selber Mutter – meinte nach dem Film, das gerade dieser Teil ihr sehr an die Nieren gegangen sei. Mitzubekommen, wie Katja leidet, wie sie sich in dem Bett ihres kleinen Sohnes Rocco (Rafael Santana) verkriecht, seinen schwindenden Duft aufsaugt – das war zu viel und meine Begleitung musste sich so manche Träne aus den Augenwinkeln wischen. Der erst Teil von Aus dem Nichts ist tatsächlich schwer zu schauen.

Im zweiten Teil, “Gerechtigkeit”, sehen wir Katja und Danilo, wie sie dem Prozess gegen die Möllers beiwohnen. Für mich war dieser Teil schwer zu ertragen. Die Beweise sprechen gegen die Möllers. Selbst der Vater von André, Jürgen (Ulrich Tukur), tritt vor Gericht auf und belastet seinen Sohn – auch weil er sich für ihn und seine rechten Ansichten schämt. Doch dann ist da der schmierige, eklige, aalglatte Verteidiger Haberbeck (Johannes Krisch), der seinen Job macht: die vermeintlichen Täter mit allen Mitteln zu verteidigen. Das ist so schrecklich anzusehen, wie der auf einmal die Vergangenheit von Nuri rausholt und benutzen will, um seine Mandanten zu verteidigen, oder den Drogenkonsum Katjas nach der Ermordung ihrer Lieben. Dem zuzuschauen tut echt weh.

Der letzte Teil ist dann die Konsequenz aus dem Urteil.

Unabhängig von dem Film hatte ich mir letztens im stillen Kämmerlein noch Gedanken über “den deutschen Film” gemacht und wieso ich ihn nicht mag. Das liegt wohl daran, dass er entweder “ach so lustig” ist, dass es weh tut und man sich dafür schämt. Die Deutschen haben einen schrecklichen, flachen, beleidigenden, dummen Humor. Nur ganz, ganz selten, dass sie mal einen lustigen Film hinbekommen, für dessen Existenz man sich nicht schämen muss. Auf der anderen Seite sind deutsche Filme dann depressiv und todernst. So depressiv, dass man nach dem Film selber in irgendeinen Fluss springen möchte. Das sind die “üblichen Extreme” des deutschen Films.

Aus dem Nichts fällt klar in die zweite Kategorie. Als der Abspann lief und die Leute sich langsam erhoben, lag eine unglaublich schwere Stimmung im Kinosaal. Niemand war fröhlich, allen lag der Film schwer im Magen. Von daher hat Akin seinen Job gut gemacht. Was wie ein Rachefilm anmutet, ist im Endeffekt doch nur ein Spiegel dessen, was in Deutschland passiert (ist). Bevor die Schauspielernamen auf der Leinwand auftauchen, gibt es noch einen kleinen Text, der eingeblendet wird, der – ohne den Namen zu nennen – von den Gräueltaten der NSU spricht. Die Begründung dieser Leute ist die selbe wie die von den Möllers: Hass auf Menschen, die einen anderen ethnischen Hintergrund haben, Hass auf Menschen, die anders sind.

Die Leistung von Diane Kruger wird zurecht gelobt. Aber ich möchte auch noch einmal die klitze-kleine Rolle von Ulrich Tukur lobend erwähnen.

Was gestört hat, ist die Badewannen-Szene, aus der Katja unbeschadet hervorgeht. Das war für mich unglaubwürdig …

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