Filmplakat American Animals
6,5/10

„Warren, there is no secret knock ...“ (American Animals, 2018)


American Animals

Besprechung

Wir brauchen alle einen Weg, einen Sinn. Der Student Spencer Reinhard (Barry Keoghan) hat auch das Problem. Er sieht nicht viel Sinn in seinem Leben. Eines Tages erfährt er bei einer Führung an seiner Uni, dass in der Bibliothek viele extrem seltene Bücher vorhanden sind. Darunter auch riesige Folianten von John James Audubon. Und die Bücher sind nur von der Bibliothekarin Betty Jean Gooch (Ann Dowd) “beschützt”.

Der Kunststudent Spencer erzählt seinem Kumpel Warren Lipka (Evan Peters) von seiner Entdeckung. Der Sportstudent und Draufgänger sieht eine Chance zu viel Geld zu kommen. Warren kann Spencer dazu überreden, einen Raubüberfall zu verüben. Nachdem Warren nach Amsterdam gereist ist, um einen potenziellen Käufer zu finden, machen sich die Freunde daran zu planen. Die beiden Kumpels erkennen, dass sie Hilfe brauchen. Zum einen holen sie Eric Borsuk (Jared Abrahamson) an Bord. Er soll sich um die Logistik kümmern. Chas Allen (Blake Jenner) soll den Fahrer geben.

Ihr erster Versuch die Bücher zu stehlen scheitert trotz bester Planung ziemlich spontan. Erst im zweiten Anlauf soll das Unterfangen klappen – mit Konsequenzen.

Meinung von

American Animals basiert – ja, es wird langsam langweilig das zu hören – auf einer wahren Begebenheit. Die vier Studenten haben tatsächlich diesen Überfall auf die Bibliothek verübt. Regisseur und Autor Bart Layton ist genau der Richtige für die Umsetzung des Stoffs. Bisher hat ausschließlich Dokumentationen auf seiner Liste zu verzeichnen. Im Grunde ist American Animals auch eine Art Dokumentation. Die echten Spencer, Warren, Eric und Chas kommen auch zu Wort, das macht den Film authentischer. Dennoch ist er eher eine Mischung aus dunkler Komödie, Coming-of-Age-Film und Drama.

Wir sehen die Entstehung eines Plans, der irgendwie voll schlecht ist. Das Quartett denkt vielleicht, dass sie Kinohelden sind. Spencer und Warren schauen zur Vorbereitung auch einen Haufen Heist-Filme. Aber das Leben ist kein Film. Das müssen die jungen Männer schmerzhaft erfahren. Das fängt damit an, dass eigentlich nur Warren von Anfang an hinter dem Plan steht. Spencer hat seine Zweifel, die beiden späteren Zugänge ebenfalls. Eine wichtige Frage ist: Was wird diese Tat mit den Angehörigen anstellen? Wenn der Plan fehlschlägt, wie werden die Verwandten das aufnehmen? Werden sie darunter leiden? Das sind schon wichtige Fragen. Das macht das Quartett auch menschlich. Sie sind keine Bösewichte. Die Idee des Raubs ist aus einer Situation der Orientierungslosigkeit geboren.

Der Film läuft vor sich hin, wir sehen wie unsere "Helden" ihren Plan schmieden und Layton lässt immer wieder die echten Täter zu Wort kommen. Eine Zeit lang war ich mir nicht sicher, ob das nur ein Kunstgriff ist oder echt – es ist echt. Die vier Männer wurden nach ihrem Raub geschnappt. Jeder hat über sieben Jahre im Gefängnis verbracht. Spannend ist zu sehen, dass die Männer mit ihrer Idee und den daraus resultierenden Konsequenzen hadern. Zudem ist es interessant zu beobachten, dass vor allem die beiden Hauptfiguren Spencer und Warren unterschiedliche Erinnerungen an die Ereignisse haben.

Man muss sich darauf einlassen, dass American Animals einen Doku-Charakter hat und kein "einfacher" Heist-Film ist. Selbst wenn die Geschichte nicht auf einer realen Begebenheit basierte, wäre der Raubüberfall auch so nicht "einfach" oder gewöhnlich. Die Jungs scheitern grandios. Noch nie hat man einen so schlecht ausgeführten Plan gesehen. Das fängt bei dem eigentlichen Raub an und endet bei dem Versuch von Christis Echtheitszertifikate zu ergaunern, damit man die Bücher in Amsterdam auch wirklich verkaufen kann. (Beim eigentlichen Raub hat es eine Reihe hinter mir eine Frau vor Anspannung fast zerlegt — hörte sich jedenfalls so an.)

Großer Pluspunkt ist "Quicksilver" Evan Peters, den wir zuerst in X-Men: Zukunft ist Vergangenheit gesehen haben. In den X-Men-Filmen hat er gefallen, hier ebenso. Sein Charakter ist der lustigste, wildeste von den Vier. Es macht Spaß, ihm zuzusehen.

Die jungen Männer denken nicht nur, dass sie im Film mitspielen. Sie zitieren auch den einen oder anderen Streifen. Da sind Reservoir Dogs, Der weiße Hai und Matrix zu nennen, als sehr offensichtliche Zitatquellen. Das verstärkt den Gedanken des Realitätsverlustes bei den Jungs.

Vermutlich ist American Animals besser, wenn man um den Wahrheitsgehalt hinter der Story weiß. Ich wusste es nicht und wurde durch den Trailer in eine andere Richtung gelullt. Daher war ich zumindest während des Anschauens zwar amüsiert, aber auch ein wenig verwirrt. Geht man jedoch mit der richtigen Einstellung/ dem richtigen Wissen in den Streifen, sollte er besser sein. Also anschauen und selber ein Bild von American Animals machen.

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