Filmplakat A Perfect Day
7,5/10

„Der Sinn für Humor ist etwas anders in dieser Gegend.“ (A Perfect Day, 2015)


A Perfect Day

Besprechung

Die Balkankonflikte nähern sich ihrem Ende im Jahr 1995. In einem kleinen Dorf versuchen Mambrú (Benicio Del Toro) und der Übersetzer Damir (Fedja Stukan) eine Leiche aus einem Brunnen zu fischen. Die beiden arbeiten für die Hilfsorganisation “Aid Across Borders”. Befeindete Truppen haben den Leichnam in den Brunnen geworfen um ihn zu vergiften. Die Bergungsaktion gestaltet sich sehr schwer, da das Seil reißt. Später kommen B (Tim Robbins) und die Neuhelferin Sophie (Mélanie Thierry) dazu.

Die Zeit drängt, sonst ist die einzige Wasserquelle für eine Region verseucht. Also machen sie die Helfer auf den Weg ein Seil zu finden. Dabei stolpert Mambrú noch über den kleinen Nikola (Elmar Residovic), der angibt zu wissen, wo ein Seil zu finden ist.

Als wäre das alles nicht schon schwer genug, taucht im UN-Hauptquartier noch die russische Beobachterin Katya (Olga Kurylenko) auf. Sie soll beobachten, ob die Helfer einen guten Job machen – wonach es derzeit nicht ausschaut. Für Mambrú ist diese Situation schwer, weil er mal mit Katya geschlafen hat und sie seine Frau kennt.

Meinung von

Ich hätte die Handlung auch kürzer zusammenfassen können: Eine Gruppe Hilfsarbeiter versucht vergeblich einen Brunnen in einem Krisengebiet zu reinigen. – Aber dann wäre diese Seite so leer.

Die Grundhandlung ist also eigentlich simple erklärt. Wie kann daraus ein abendfüllender, unterhaltsamer Film werden? A Perfect Day ist wirklich lustig. Dabei ist er keine Schenkelklopfer-Flachkomödie. Geht nicht, da die Geschichte in einem Krisengebiet spielt. Es ist eine tragisch-komische Erzählung. Da sind kleine Albernheiten die rund um den Übersetzer Damir spielen. Tim Robbins B ist ein Draufgänger. Benicio Del Toro sehen wir ausnahmsweise mal in einer ernstzunehmenden, lustigen Figur. Wir haben schon oft über ihn gelacht (Fear and Loathing in Las Vegas), aber A Perfect Day ist in der Realität verwurzelt.

Mélanie Thierry spielt Sophie, die ihren ersten Einsatz hat und noch voller Tatendrang steckt. Sie kennt die Regeln auswendig, aber nicht das Leben in einem Krisengebiet. Ein "Bombenhandbuch" wurde von Sesselfurzern in Genf geschrieben, die noch nie eine Bombe gesehen haben. Das muss Sophie dann auch lernen. Mit ihr erleben wir ihre erste Leiche und die ersten Morde.

A Perfect Day ist irgendwie unaufgeregt, aber auch gleichzeitig ein guter Film. Man amüsiert sich, man bangt mit ihnen (Ist die Kuh eine Sprengfalle oder nicht?), man bekommt einen klitze-kleinen Eindruck über einen klitze-kleinen Flecken einer kriegerischen Auseinandersetzung. Diese Menschen wollen helfen und scheitern an den dümmsten Sachen: kein Seil, Seile sind zum Hängen da und potenziell explodierende Leichen sind verboten zu bergen. Hurra Bürokratie!

Die Charaktere sind alle nett gezeichnet, der von Olga Kurylenko ist hingegen eher überflüssig. Sie sitzt meistens nur auf dem Rücksitz und beobachtet.

Ich würde jetzt nicht loslaufen und den Leuten auf der Straße ins Gesicht schreien, sie müssen unbedingt A Perfect Day sehen, sonst sterben 100 flauschige Häschen – das wird auch nicht passieren –, ich kann aber ruhigen Gewissens sagen, dass man sich den Streifen anschauen kann. Er hat Lacher und er hat seine ernsten Momente. So, wie das Leben nun mal ist.

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