Besprechung
Ben (Everett Blunck) ist eines der neuen Kinder im Wasserball-Camp. Er ist zurückhaltend und schüchtern, taxiert zunächst alle Jungs im Team ab. Jake (Kayo Martin) sticht heraus als das Alphatier der Gruppe. Weil Ben aus Boston stammt, kann er nicht Stop
sagen, sondern nur S’op
. Das bringt ihm den Spitznamen Soppy ein. Ben kann gerade noch so die Kurve kratzen, um in der Gruppe akzeptiert zu werden.
Eli (Kenny Rasmussen) hat das Glück nicht. Jake erklärt Ben, dass Eli die Pest habe. Die überträgt sich durch Berührung. Alle machen immer einen großen Bogen um den sonderlichen Eli, der stets mit langärmeligem T-Shirt schwimmt. Der Ausschlag ist nicht nur im Gesicht, sondern überdeckt seinen gesamten Rücken.
Die Ausgrenzung von Eli findet Ben nicht richtig. Als er aber an sich selber einen Pickel und später einen Ausschlag feststellt, ist auch er als Träger der Pest gezeichnet. Da kann Ben noch so sehr an seinem Körper schrubben. Aber das Gerücht mit der Pest ist ja nicht wahr. Oder?
Meinung von Nils
Nachdem ich leider am Vortag Hokum habe ausfallen lassen müssen, wurde The Plague mein vierter Film auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest. Diesmal hatte ich sogar etwas im Vorfeld dazu gelesen. Das las sich nicht ganz schlecht. Vor dem Film gab dann noch irgend so ein Podcaster (bei Buddy war es ein TikTok-Spacken) ein Loblied auf den Streifen aus. Es wurde ein Genre-Name genannt, der mir noch nie untergekommen ist. Ich habe ihn auch schon wieder vergessen. Was ich las und was hier wiederholt wurde: The Plague sei wie ein Horrorfilm aufgebaut, ohne einer zu sein. Es kam zudem der Vergleich mit It Follows.
Also wie die Leute darauf kommen, kann ich nicht nachvollziehen. It Follows ist ein Horrorfilm, ein gut gemachter dazu. Der einzige Horroraspekt bei The Plague ist die "musikalische Untermalung" von Johan Lenox. Das waren nur Heulgeräusche. Ging mir ziemlich auf den Keks. Ganz schrecklich.
The Plague selber ist für mich ein Film, der zeigt, wie scheiße Kinder sein können. Die Gruppe um Jake ist zwölf bis 13 Jahre alt. Sie reden nur Müll. Dicke Lippe wenn es um Mädchen geht. Jeder hat eine Freundin, wenn nicht, dann treiben sie es aber wie die Karnickel auf dem Trampolin. Siiiicher. Das sind alles nur Sprüche und Angeberei.
Es geht in dem Film um das "Wie komme ich in die Clique rein?", bzw. dem "Wie werde ich akzeptiert?" — in einer Entwicklungsphase, in der der junge Mensch eh unsicher mit sich und seiner Umwelt ist. Ben passt sich an. Dabei entspricht dieses Verhalten, das er von der Gruppe annimmt, gar nicht seinem Naturell. Da erfindet er einen wilden Sextraum, den er den Jungs abends im Schlafsaal vorträgt, wir sehen aber, wie unwohl ihm dabei ist. Immerhin gewinnt er damit ein paar Pluspunkte in der Gruppe.
Kinder sind Arschlöcher, Jake ist das größte davon. Mit Kayo Martin ist die Rolle bestens besetzt. Er ist smart, aus seinen Augen blitzt ein hinterhältiger Schelm. Jake könnte auch "der liebe Enkel" sein. Er ist der geborene Verführer einer Gruppe. Alle tanzen nach seiner Nase. Dabei ist er weniger körperlich, als eher psychisch unterwegs. Was die Gruppe mit Eli macht, ist Ausgrenzung und Mobbing pur. Der hat sich aber mit seiner Rolle mittlerweile abgefunden.
Jake verbreitet nicht nur das Gerücht um die Pest bei Eli, sondern auch, dass diese Form "in der zweiten Phase" zu motorischen Fehlfunktionen führen würde. Der Typ, von dem Eli die Pest hat, hockt nun in einer psychiatrischen Anstalt und spielt mit sich selber Jenga. Das erzählt Jake alles so glaubhaft, dass Ben es für bare Münze hält. Eigentlich weiß er, dass es nicht stimmen kann, aber wenn Jake das sagt ...? Elis seltsames Verhalten hilft da übrigens kein Stück. Der Junge benimmt sich echt "anders".
Die Geschichte geht also weniger um eine echte Krankheit oder gar einen Fluch. Herrje, die Jungs kommen in die Pubertät. Da gibt es eben Pickel. Und wenn man dann andauernd im Chlorwasser rumzappelt, kann das auch nicht sonderlich gut sein für die Haut. — Aber das sieht Ben nicht. Er ist im Bann von Jake und zweifelt allmählich daran, ob es vielleicht doch etwas mit der Pest auf sich haben könnte ...
Autor und Regisseur Charlie Polinger hat bisher nur Kurzfilme gedreht. Mit The Plague hat er nun seinen ersten Spielfilm abgeliefert. Die Geschichte ist in Ordnung, die Bilder sind teilweise stark (Unterwasserbilder, Wasseroberflächen, Spiegelungen) und die Jungschauspieler sind alle absolut gut besetzt. Ich bin bekanntlich kein Freund von Kindern in Filmen, doch diese Truppe wurde hervorragend ausgesucht.
Warum der Film ab 18 Jahre ist, kann ich nicht nachvollziehen.