Filmplakat Ready or Not

8/10

"Verdammte reiche Leute!" — Ready or Not, 2019

Ready or Not

Besprechung

Grace (Samara Weaving) hat schon ein bisschen Bammel vor der Hochzeit. Klar, sie liebt ihren Alex (Mark O’Brien) über alles, aber seine Familie ist schon etwas einschüchternd. Der Le Domas-Clan hat sein Geld mit Spielen gemacht. Erst mit Kartenspielen, dann mit Brettspielen. Die Le Domas stinken vor Geld. Und Reiche sind bekanntlich etwas „anders“.

Die Trauung verläuft normal. Okay, da ist der Bruder Daniel (Adam Brody), der Grace schräg anbaggert oder Emilie (Melanie Scrofano), die Schwester, die ständig am Koksen ist. Oder deren Ehemann Fitch (Kristian Bruun), der schon ein wenig anzüglich daher kommt. Aber vor allem Alex‘ Tante Helene (Nicky Guadagni) kommt voll gruselig rüber. Es wird aber erst richtig schräg, als Alex seiner frisch Angetrauten offenbart, dass jedes neue Mitglied der Familie Schlag Mitternacht sich beweisen muss. Durch ein Spiel. Immerhin sind Spiele das Ding der Le Domas-Familie. Und dieser Initiationsritus ist Tradition. Traditionen sind für die Familie sehr wichtig.

Eine Karte entscheidet, dass man Verstecken spielt. Was zum Teufel, denkt sich Grace. Echt jetzt? Verstecken spielen in der Hochzeitsnacht? Okay … Was Grace nicht ahnt: Das Haus ist abgeriegelt und im Grunde ist es eine Jagd. Die Familie sucht Grace um sie zu opfern …

Meinung von

Den Film wollte ich damals auf dem Fantasy Filmfest gesehen haben, war aber privat verhindert. Was sehr schade ist. Ready or Not ist ein schöner Film. Also so schön, wie eine Horror-Komödie sein kann. Er ist originell, hat einen schönen Humor, die Charaktere sind alle toll gezeichnet und wunderbar gespielt. Die Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett haben das alles sehr gut und stimmungsvoll eingefangen.

Die Le Domas-Familie ist wahrlich etwas anders als andere Familien. Den Reichtum haben sie einem Pakt mit dem Teufel zu verdanken. Der heißt hier Mr. Bail und ein Vorfahre von Familienoberhaupt Tony (Henry Czerny) hat damals den Deal mit Mr. Bail gemacht. Jedes neue Familienmitglied muss durch ein Spiel aufgenommen werden.

Dafür legt das neue Familienmitglied eine leere Karte in eine kleine Box und zieht sie wieder heraus. Das Spiel, das auf der Karte steht, muss gespielt werden. Das kann Schach sein oder Backgammon. Ganz selten kann es jedoch vorkommen, dass "Hide and Seek", also das gute alte Versteckspiel gezogen wird. Das bedeutet dann: Die Familie jagt das neue Mitglied und opfert es noch vor dem Sonnenaufgang. So wird Mr. Bail beschwichtigt.

Da es so selten vorkommt, sind die Le Domas auch ziemlich eingerostet, beziehungsweise völlig inkompetent, wenn es darum geht, uralte Waffen zu führen und damit einen Menschen zu jagen. Emilie kann zum Beispiel nicht mit einem einfachen Revolver umgehen, ganz zu schweigen von einer Armbrust. Das kommt den Bediensteten nicht gut ...

Zum Glück ist Grace eine harte Nuss. Anfangs wundert sie sich noch über das Ritual des Spielens in der Hochzeitsnacht, aber da sie Alex so sehr liebt, macht sie den Spaß mit. Als dann die erste Dienstmagd irrtümlich vor Graces Augen erschossen wird, kommt Panik auf. Alex, der lange Jahre nicht Teil der Familie war, weil er die ewigen Ziegenopfer satt hatte, konnte Grace nicht warnen. Nun will er ihr aber helfen.

Grace bleibt am Ende doch alleine, da Alex von seiner Familie überrumpelt wird. So wappnet sich die junge Braut und versucht alles, aus diesem Höllenhaus lebend rauszukommen. Samara Weaving spielt ihre Rolle sehr schön. Anfangs sehr verspielt und blauäugig, doch im Angesicht der Gefahr härtet ihr Charakter schnell ab und geht so manche Extrameile. Dem steht der Chaoshaufen der reichen Le Domas entgegen. Während die Jüngeren schon etwas an der Tradition zweifeln, ist vor allem die Tante Helene mit ihrer Sturmfrisur, den zusammengekniffenen Augen und der Streitaxt voll auf dem Traditionstrip. Im "Making of" kommt Nicky Guadagni zu Wort. Die ist da voll nett und freundlich. Nicht im Film.

In der Dokumentation zum Film wurden Schauspieler und Regisseure nicht müde davon zu reden, dass sie mit der Kopfeinschlag-Szene mit Andie MacDowell angefangen haben. Niemand konnte so recht glauben, dass der Vier Hochzeiten und ein Todesfall-Star bei Ready or Not überhaupt mitspielt. Nach der Szene, der ersten für Andie MacDowell, waren sich alle sicher: Das L'Oréal-Model wird nach dem Tag den Drehort verlassen. Sie blieb. Wie es scheint, können Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett eine sehr angenehme Atmosphäre für die Schauspieler herstellen, so dass man gerne bleibt.

Also noch einmal, mir hat Ready or Not wirklich gefallen. Schönes Ding.