Filmplakat My Fair Lady

8/10

"Kann denn die Kinder keiner lehren wie man spricht? Die Sprache macht den Menschen, die Herkunft macht es nicht." — My Fair Lady, 1964

My Fair Lady

Besprechung

Der angesehene Phonetiker Professor Henry Higgins (Rex Harrison) streift mit Vorliebe durchs London am Anfang des 20. Jahrhunderts. Eines Abends stößt er nicht nur auf Oberst Hugh Pickering (Wilfrid Hyde-White), mit dem ihn die Liebe zum gesprochenen Wort verbindet. Higgins lädt Pickering ein, bei ihm zu wohnen. Neben dem Oberst lernt Higgins auch das Blumenmädchen Eliza Doolittle (Audrey Hepburn) kennen. Die junge Frau spricht einen unglaublich fiesen Akzent, der sie als „aus der Gosse stammend“ stigmatisiert.

Am nächsten Tag steht Eliza bei Professor Higgins vor der Tür. Der hatte noch am Vorabend schmerzhaft gemeint, er könne in sechs Monaten aus dieser Straßengöre eine Lady machen, in dem er ihr das richtige Sprechen beibringt. Da Eliza gerne einen eigenen Blumenladen hätte, möchte sie, dass Higgins sie unterrichtet. Erst als Pickering eine Wette vorschlägt, willigt Higgins in dieses Experiment ein.

Die Beziehung zwischen Higgins und Eliza ist sehr angespannt. Es dauert lange, bis Eliza ihren Cockney-Akzent ablegt. Als das endlich klappt, will Higgins sehen, ob seine Arbeit erfolgreich war. Erst wird sie auf der edlen Rennbahn Ascot einem breiten Publikum vorgestellt. Hier verliebt sich der reiche Freddy Eynsford-Hill (Jeremy Brett) in Eliza. Als nächstes soll Eilza auf einem Diplomatenball als Lady vorgestellt werden.

Meinung von

Kurz ausgeholt: Der irische Autor George Bernard Shaw schrieb 1913 das Theaterstück Pygmalion, das 1938 auch bereits verfilmt wurde. Später wurde daraus ein Musical und von dem wiederum wurde dann diese Adaption abgeleitet.

Die 1960er waren eine Ära des Films, in der oft und gerne gesungen wurde. Das war einfach damals "in". Eine Filmadaption eines Musicals war da ganz normal. Bei diesem Film geht es um Sprache und ihre vielen, vielen Arten diese zu benutzen. Anhand der Art und Weise wie eine Person spricht, kann man (damals) herausfinden, woher diese Person stammt. Eliza stammt aus einer sehr niedrigen sozialen Schicht. Das spiegelt sich in ihrer Sprache wider.

Im Original spricht Audrey Hepburn mit einem Cockney-Akzent. Das wurde in der deutschen Synchronisation ins Berlinerische umgewandelt. Wer aus einer niederen Schicht stammt, der berlinert also. Zugegeben, das Berlinerische ist eine furchtbare Art Deutsch zu sprechen. Dennoch wirkt das alles sehr befremdlich, wenn man einen Film sieht, der in London spielt, von den Londoner Akzenten die Rede ist und da auf der Leinwand jemand berlinert. Ging wohl nicht anders.

Lediglich beim Gesang wird geschummelt. Der ist nicht im Berliner Akzent, sondern in Hochdeutsch. Geschummelt wurde hier übrigens auch im Original. Audrey Hepburn konnte zwar tanzen, aber nicht singen. In Frühstück bei Tiffany singt die Hepburn das erste Mal auf der Leinwand. Das Lied "Moon River" wurde extra für sie geschrieben. Mit dem Wissen, dass sie nicht geschult ist, umfasst es nur eine Oktave. Blöd, dass Hepburn nun in einem Musical mitspielte. – Sie war übrigens nicht die erste Wahl. Rex Harrison wollte Julie Andrews, die auch auf der Bühne die Eliza spielte.

Geschummelt wurde in der Art, dass die US-amerikanische Opernsängerin Marni Nixon sang, wenn Audrey Hepburn nur so tat. Rex Harrison hingegen "sang" selber. Sein Sprechgesang konnte wohl irgendwie nicht nachsynchronisiert werden. Deshalb wurde eines der ersten Mikrofone gebaut, das ein Schauspieler selber tragen konnte. Somit "sang" Mr. Harrison als Einziger selber.

Die Geschichte ist die vom hässlichen Entlein, das diesmal durch eine harte Schule gehen muss, um zu einer Lady zu erblühen. Audrey Hepburn macht das sehr schön. Ihre Eliza ist oftmals – vor allem am Anfang – hysterisch, laut und empört. Erst später sollte ihre ihr eigene Eleganz zum Vorschein kommen.

Während sich Eliza wirklich Mühe gibt, ist Higgins überheblich, herablassend und eklig zu Eliza. Er sieht sie nur als Studienobjekt und als Bestandteil seiner Wette. Als Eliza beim Diplomatenball nicht negativ auffällt, ganz im Gegenteil wird sie tatsächlich als Adlige angesehen, ist Higgins aus dem Häuschen. Sein Versuchskaninchen hat gespurt. Die Figur des Higgins ist mir schnell unsympathisch gewesen. Sehr unsympathisch und das sollte bis zum Ende so bleiben.

Das Ende ist somit auch kein typisches Hollywood-Happy-End. Es ist nicht so, dass Higgins und Eliza schließlich zusammen kommen. Eliza weiß, dass Higgins zu alt ist und ein eingefleischter Junggeselle. Zwar empfindet er hin zum Ende etwas für Eilza. Für eine Romanze reicht das aber nicht, nur für eine gute, innige Freundschaft. Trotzdem: Ich mag Higgins nicht. Und dafür hat Rex Harrison sogar einen Oscar bekommen! My Fair Lady hat insgesamt acht Oscars eingeheimst, darunter auch den für den besten Film.

My Fair Lady ist lustig, Audrey Hepburn spielt sehr einfühlsam und rührend. Der Film hat wie das Bühnenstück eingängige und mittlerweile klassische Lieder, die einem schnell ins Ohr gehen. Mit beinahe drei Stunden Lauflänge, muss man aber einiges an Sitzfleisch mitbringen.

Ein sehr schöner Sonntagnachmittag-Kaffeetrinker-Film. Wenn das Kaffetrinken etwas länger dauern darf.