Filmplakat Whiplash
9,5/10

„Da sind zwei Worte in unserem Wortschatz, die verdammt schädlich sind. Die lauten: Gut gemacht.“ (Whiplash, 2014)


Whiplash

Besprechung

Der noch recht frisch am Shaffer Institut studierende Andrew Neimann (Miles Teller) will ein großer Schlagzeuger werden. Eines Tages wird er von Fletcher (J.K. Simmons) beobachtet, der am Institut die Studioband leitet. Fletcher lädt Andrew ein, zu den Proben zu kommen. Vorerst darf Andrew nur für den ersten Schlagzeuger Carl Tannet (Nate Lang) die Noten umdrehen. Doch schnell bekommt Andrew seine erste Chance. zunächst kommt Fletcher noch freundlich daher. Zwar haben alle in der Band sichtlich Angst vor dem Lehrer, doch zu Andrew ist er nett. Bis Andrew spielt. Von da an macht Fletcher den 19-Jährigen fertig.

Andrew ist wie jeder eingeschüchtert, lässt sich jedoch nicht unterbekommen. Er übt bis zur Aufgabe. Er trennt sich sogar von seiner Freundin Nicole (Melissa Benoist), da er sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren will. Andrew will so gut werden wie sein Idol Buddy Rich.

Was Andrew auch macht, er ist nie genug für Fletcher. Der stellt ihm sogar einen Konkurrenten zur Seite. Andrew nimmt den Kampf auf.

Meinung von

Musik-Filme sind so eine Sache - nämlich nicht Jedermanns Sache. Autor und Regisseur Damien Chazelle, der mit Whiplash seinen zweiten großen Film und dazu auch seinen zweiten Jazz-Film umgesetzt hat, schafft jedoch einen unglaublich spannenden, intensiven Streifen über einen Musiker hinzulegen. Tellers Figur ist zunächst zurückhaltend und die Tatsache, dass Andrew immerzu von Fletcher fertig gemacht wird, bringt ihm auch nicht gerade mehr Selbstwertgefühl bei. J.K. Simmons, der für seine Rolle zu recht einen Oscar als bester Nebendarsteller erhalten hat, ist überbedrohlich. Wenn er das erste Mal in den Raum kommt, in dem die Studioband übt, nimmt er diesen vollkommen ein. Sofort weiß man, wer der Herr im Hause ist. Jeder seiner Schüler hat Angst. Nicht einfach nur Respekt – sie fürchten ihn. Das kann Simmons atemberaubend darstellen.

Chazelle fängt nicht nur die Gefühlswelten der beiden Darsteller ein, er taucht seinen Film auch in ein herrliches bernsteinfarbenes Licht, das so wunderbar zum Jazz passt: warm, gemütlich, verrucht, hitzig. Die Musik ist grandios, vor allem das titelgebende Lied Whiplash sowie Overture. Selbstverständlich darf man nicht Caravan vergessen, mit dem Fletcher den jungen Andrew zu brechen versucht. Doch Andrew erobert das Lied, er erobert sich das Recht Caravan zu spielen.

In Whiplash werden die Figuren langsam, aber schnell genug, eingeführt. Die Szenen, in denen Fletcher seine Musiker zur Sau macht, sind extrem intensiv anzuschauen. Fletcher treibt Andrew so weit, dass er sich die Hände blutig spielt und schließlich ganz davon besessen ist, alles für Fletcher zu geben. Bis ein Schicksalsschlag ihm die Chance nimmt, sich richtig zu beweisen.

Ohne spoilen zu wollen – das Ende ist hervorragend. Zwischen Fletcher und Andrew entsteht ein Krieg, der scheinbar mit der öffentlichen Hinrichtung Andrews endet. Doch da ist die Geschichte noch nicht zu Ende.

Fletcher muss man hassen. Er ist ein sadistischer Sack, der seine Schüler nach Strich und Faden fertig macht. Doch auch er ist nur ein Mensch und zeigt zwischendurch, dass er eine andere Seite haben kann. In einer Bar erklärt der Lehrer dann auch seinem Schüler, wieso er so ist, wie er ist. Nicht nur ist ihm der Jazz über alles wichtig, er will diese Form der Musik am Leben erhalten. Er muss dafür auch alles aus seinen Schülern rausholen, mehr als erwartet. Was die Abschlussszene dann auch so intensiv macht.

Ein absolut genialer Film, der mich wirklich gefesselt hat. Leidenschaft für etwas aufzubringen und dafür alles zu tun – das ist sehr ansprechend.

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