Filmplakat Wall Street
6,5/10

„Die Gier ist richtig. Die Gier funktioniert.“ (Wall Street, 1987)


Wall Street

Besprechung

Bud Fox (Charlie Sheen) ist ein junger, zielstrebiger Broker an der Wall Street. Er ist es Leid, alten Rentnern und Ärzten kleine Aktienpakete am Telefon zu verkaufen. Er will das große Geld, den großen Fisch – er will den Investor Gordon Gekko (Michael Douglas). Doch an den heranzukommen ist schwer. Bud Fox schafft es mit Beharrlichkeit.

Nun ist er bei Gekko im Büro, jetzt muss er ihn überzeugen. Was kann er ihm verkaufen? Alle Angebote, die Bud Gekko unterbreitet reißen den alten Profi nicht vom Hocker. Da fällt Bud eine Info über die Fluggesellschaft ein, bei der sein Vater (Martin Sheen) arbeitet. Das sind Insider-Infos – doch das gefällt Gekko.

Der von allen gefürchtete Gekko macht Bud ein Angebot: Er bringt ihn groß heraus, dafür muss er ihm Infos über das Vorhaben seines Rivalen Sir Larry Wildman (Terence Stamp) beschaffen. Bud gerät in einen Strudel aus Betrügereien, Insider-Geschäften, Deckfirmen und Offshore-Banken. Nur um so zu werden, wie sein Vorbild Gordon Gekko.

Als Gekko jedoch die Firma, in der Buds Vater arbeitet, zerlegen will und damit viele Arbeiter auf der Straße landen würden, besinnt sich Bud eines Besseren.

Meinung von

Im Grunde ein guter Film. Keine Frage. Regisseur Oliver Stone wollte ein Portrait der amerikanischen Gesellschaft darbieten. Das gelingt ihm auch. Vor allem mit der Rede von Gordon Gekko vor einem Haufen Aktionären, in der er die Gier als treibenden Motor der Gesellschaft darstellt und glorifiziert.

Douglas und der junge Sheen spielen beide ihre Rollen sehr gut. Dennoch hat mich der Film nicht wirklich gepackt. Das mag schlicht daran liegen, dass ich keinen Zugang zu der Thematik habe. Wenn die mir da irgendwelche Fachbegriffe aus der Finanzwelt um die Ohren werfen, schalte ich automatisch ab.

Die Umsetzung des Films ist gut, aber die Thematik geht mir am Allerwertesten vorbei.

Die Figur des Gekko war die erste, in der Douglas einen hinterhältigen Bösewicht spielte. Eine Herausforderung für ihn. Offensichtlich hat er sie gut gemeistert. In einem Interview erzählte er, dass in den Folgejahren Leute auf ihn zukamen und meinten, dass Gekko der Grund dafür gewesen wäre, warum sie an die Wall Street gegangen wären. Stone (und Douglas) schaffte es, einen Bösewicht, einen Schurken und Halsabschneider als Helden darzustellen. Oder — die Geschichte zeigt nur, dass Stone einen Nerv getroffen hat. Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten — sofern du gewillt bist, über Leichen zu gehen und ein Arschloch zu sein. Dann bringst du es zu Etwas.

Der Film spielt 1985 — in die Kinos kam er 1987, nur wenige Monate vor dem Schwarzen Montag, bei dem der Dow Jones schlagartig abrutschte. Vermutlich hat Wall Street auch deswegen einen so großen Erfolg gehabt, spielte Stones Film doch schlicht am Puls der Zeit.

Also: Guter Film, gute Story, gute Schauspieler — dennoch kein Interesse daran. Wer Filme über die Finanzwelt mag, der mag sich Wall Street anschauen.

Aber auch solche Leute kommen auf ihre Kosten, die eine Vater-Sohn-Beziehung sehen wollen. Interessanter Weise spielen Martin und Charlie Sheen im Film Vater und Sohn. Der Filmvater ist hart arbeitend und hat somit kaum Beziehung zu seinem Sohn. Bud sucht sich in Gekko einen Vaterersatz, muss sich dann jedoch später eingestehen, dass er seinen echten Vater liebt, sein Ersatzvater hingegen ein Schwein ist.

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