Filmplakat WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf
8,5/10

„Ich will aber nicht überleben. Ich will leben!“ (WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf, 2008)


WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf

Besprechung

Vor 700 Jahren haben die Menschen die Erde verlassen. Der Dreck, den sie produziert haben, hat das Leben auf dem nun eher braunen Planten nicht mehr ermöglicht. In dem riesigen Raumschiff Axiom gondeln sie nun durchs All, alle Annehmlichkeiten mit an Bord. Auf der Erde haben die Menschen Roboter zurückgelassen, die aufräumen sollen. WALL-E (Ben Burtt) ist der letzte dieser kleinen Roboter. Er verrichtet Tag ein, Tag aus sein Werk. Sammelt Schrott, presst ihn, baut Türme. Wenn er etwas Spannendes findet, sammelt er es ein und bringt es in sein “Heim”. Als einzigen Freund hat er eine Kakerlake.

WALL-E schaut gerne alte Filme, hört Musik und sehnt sich nach einer Berührung. Eines Tages landet ein Raumschiff auf dem Planeten und ein wunderschöner, weißer, sauberer Roboter kommt heraufgestiegen. Der fliegt umher und sucht irgendwas. Anfangs ist dieser fremde Roboter noch sehr kampflustig. Doch WALL-E, der so lange alleine war, schafft es, Kontakt zu EVE (Elissa Knight) aufzunehmen. EVE hat einen geheimen Auftrag. Der damit endet, als WALL-E ihr sein letztes Fundstück zeigt: eine kleine Pflanze.

EVE wird von einem Raumschiff abgeholt und WALL-E folgt ihr voller Verzweiflung. Irgendwann kommen sie auf der Axiom an, wo die Menschen durch die geringe Gravitation, aber auch durch den Überfluss an Nahrung, sowie den absoluten Mangel an Bewegung dick und aufgedunsen sind. So auch der Kapitän (Jeff Garlin). Die Pflanze ist der Schlüssel, um wieder zur Erde zurückzukommen – doch als EVE sie preisgeben soll, ist sie verschwunden …

Meinung von

Himmel, Pixar, was habt ihr da nur wieder geschaffen!? In unserer heutigen, schnelllebigen Welt, die immer auf Action aus ist, zeigt uns Pixar einen Stummfilm. Mehr oder weniger. Es dauert etwa 15 Minuten, bis wir nicht nur WALL-E beim Arbeiten und Träumen zuschauen, sondern endlich einen zweiten Protagonisten erhalten. Weitere fünf Minuten und die beiden sagen sich das erste Mal ihre Namen. Bis dahin gibt es nur ein paar hilfreiche, alte Videoaufnahmen, vom Präsidenten von Buy 'n' Large (BnL), der von der Axiom schwärmt. Einen vollständigen Satz bekommen wir erst etwa nach 35 Minuten, nachdem der Film angefangen hat. Wie halten das die Kinder heute aus? Ich finde es großartig und gewagt. Dabei hervorragend umgesetzt. Wenn keine Stimme da ist, müssen Geräusche die Emotionen tragen und das Gezeigte – beides schaffen Regisseur Andrew Stanton und sein Ton-Designer Ben Burtt. Hut ab.

WALL-E ist aber nicht nur gute und ungewöhnliche Unterhaltung. Auf spielerische Weise wird uns noch unter die Nase gerieben, dass wir gerade Scheiße bauen im großen Maßstab. Wir versauen unseren Planeten, müllen ihn zu. Irgendwann werden wir nicht mehr dagegen ankommen. Nur dass wir nicht mal eben in ein Raumschiff steigen und darauf hoffen können, dass irgendwer für uns den Müll wegräumt. Zumal, wie im Falle von WALL-E, irgendwann Schluss ist. Der kleine, traurig dreinschauende Blechkasten bedient sich bei seinen "verstorbenen" Kollegen mit Ersatzteilen.

Wie sie es schaffen, WALL-E, aber die noch glattere EVE (sie sieht aus wie das jüngste Apple-Produkt), mit Emotionen auszustatten, ist unglaublich. Man schließt diese künstlichen Wesen, die eigentlich nichts sagen, ins Herz und fiebert mit ihnen, wenn sie auf der Axiom die Pflanze wiederfinden müssen. Dabei bekommt WALL-E zum Glück Unterstützung von all den Maschinen, die in der Reparatur sind, sei es vom staubhustenden Staubsauger, dem wildgewordenen Massage-Roboter oder dem immerzu aufspringenden Sonnenschirm. Wir haben hier die Aussätzigen, die Loser, die sich zusammentun, um die Menschheit zu retten und ein Zeichen gegen die perfekte Roboter-Welt zu setzen. Ganz perfekt ist das allerdings nicht. Da gibt es AUTO, das Steuerrad der Axiom, das verdächtig viel Ähnlichkeit mit HAL aus 2001: Odyssee im Weltraum hat. ;-)

WALL-E ist noch in einer anderen Hinsicht völlig anders als die bisherigen Pixar-Animationsfilmen. Der Film hat echte Schauspieler. Die Videobotschaften, die vom BnL-Präsidenten Shelby Forthright (Fred Willard) vorgetragen werden, sind mit echten Schauspielern aus Fleisch und Blut gedreht. Dennoch bleibt es ein Animationsfilm. Die echten Menschen sind nur noch eine Erinnerung.

Da so wenig Dialoge zwischen den Hauptfiguren stattfindet, wurde extrem viel Mühe und Liebe in die Darstellung und das Zusammenspiel von WALL-E und EVE gesteckt. Das wurde am Ende mit dem Oscar für den besten Animationsfilm 2009 gewürdigt. Mit Recht! Ich finde, so ungewöhnlich WALL-E auch ist, so schön ist er auch.

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