Filmplakat Vor ihren Augen
7,5/10

„... und Guantanamo ist ein Spaßbad.“ (Vor ihren Augen, 2015)


Vor ihren Augen

Besprechung

Kurz nach dem Angriff von 9/11 observiert eine Anti-Terrorgruppe in L.A. eine Moschee. Die Polizistin Jessica Cobb (Julia Roberts) arbeitet mit dem FBI-Mann Ray Kasten (Chiwetel Ejiofor) zusammen. Eines Tages wird die Truppe zu einer Garage nahe der Moschee gerufen, da dort eine Frauenleiche gefunden wurde. Dabei handelt es sich um die Tochter von Jessica. Die bricht verständlich zusammen.

Ray findet heraus, wer der Täter ist, doch kommt er nicht an diesen heran, weil er geschützt ist. 13 Jahre später steht Ray bei der Staatsanwältin Claire Sloane (Nicole Kidman) auf der Matte und bittet sie, den Fall wieder aufzunehmen, da er in einer Strafakte den Täter Marzin (Joe Cole) wiedererkannt haben will. Jessica ist ebenfalls anwesend, doch sie will das Thema lieber inoffiziell und ruhiger angehen lassen.

Während sich Jessica eher raushält, macht Ray zusammen mit dem alten Mitstreiter Bumpy Willis (Dean Norris) Jagd auf den vermeintlichen Täter.

Meinung von

Ein schwieriger Film. Schwierig von der Erzählweise, weil er ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin- und herspringt. Aber das ist noch nicht einmal das wirklich Schwierige. Vor ihren Augen schlägt einem wegen der Thematik auf den Magen und wegen der schauspielerischen Leistungen. Jessicas Tochter Carolyn (Zoe Graham) wird vergewaltigt und mit Bleiche ausgespült, bevor sie in einer Mülltonne abgeladen wird. Ray findet den Mörder, doch der wird geschützt. Sein Chef Martin Morales (Alfred Molina) erklärt es auf eindringliche Weise, dass die Bekämpfung von Terroristen wichtiger ist. Das Opfer eines Gewaltverbrechens – und auch wenn man eine persönliche Beziehung dazu hatte – ist egal. Ray und Jessica sollen für das "höhere Gut" arbeiten. Die Panik war so groß, die Angst so tief im amerikanischen Volk, dass alles, aber auch wirklich alles in den Hintergrund gestellt wurde. Was nicht sein sollte ...

Dabei ist Jessica von dem Tod ihrer Tochter absolut erschüttert. Die beiden Frauen hatten ein enges Band, natürlich ist Jessica in Trauer und gleichzeitig voller Wut. Während Ray schon mit dem Gedanken spielt, den Mörder einfach umzulegen, ist das Jessica nicht genug. Sie will, dass er leidet.

Julia Roberts spielt großartig. Nachdem Jessicas Tochter grausam getötet wurde, fällt sie in sich zusammen. Man sieht Roberts das Leid an. Sie ist aschfahl, dürr, gebrochen, zerstört. Entweder hatte die Roberts später überhaupt kein Make-up mehr drauf, oder sie wurde erst recht richtig gut geschminkt.

Doch auch Chiwetel Ejiofor hat starke, emotionale Momente. Er war Freund der Familie, ging bei Jessica und Carolyn ein und aus. Auch ihm geht das alles an die Nieren. Seit vor 13 Jahren der Täter entkommen ist, geschützt von der Justiz, hat er jeden Abend in Gefängnisakten nach Marzin Ausschau gehalten. Er hat ein dunkles Geheimnis, das er seit damals mit sich herumträgt.

Vor ihren Augen ist ein Thriller. Etwas, das man schon länger nicht mer im Kino gesehen hat neben all den Comic-Verfilmungen. Er ist ruhig erzählt, nie langweilig. Gen Ende denkt man sich "Ist ein Ende, das okay ist. Nicht besonders, aber kann man machen." Doch dann gibt es noch einen harten Twist, der den Zuschauer mit einem "WTF?" im Kinosessel zurücklässt. Keine leichte Kost, die Regisseur Billy Ray da präsentiert, kein Film, aus dem man lachend rausgeht, sondern einer, über den man noch einmal reden oder zumindest nachdenken muss.

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