Filmplakat Viel Lärm um nichts
8,5/10

„Die Welt muss bevölkert werden!“ (Viel Lärm um nichts, 1993)


Viel Lärm um nichts

Besprechung

Nach erfolgreich geschlagener Schlacht quartiert sich der Prinz Don Pedro (Denzel Washington) in Messina beim Gouverneur und Edelmann Leonato (Richard Briers) ein. Unter seinem Gefolge befindet sich der Graf Claudio (Robert Sean Leonard), der sich in die Tochter Leonatos, die hübsche Hero (Kate Beckinsale), verliebt. Die beiden wollen heiraten.

Unter den Soldaten ist auch der redegewandte, eingefleischte Junggeselle Benedikt (Kenneth Branagh), der sich mit Heros Cousine Beatrice (Emma Thompson) ein ewiges Wortgefecht liefert, wann immer die Beiden aufeinander stoßen. Man lässt am Anderen kein gutes Haar.

Claudio, Hero, Don Pedro und Leonato planen einen Komplott: Sie machen sich zum Ziel, die beiden Streithähne Beatrice und Benedikt unsterblich ineinander verliebt zu machen. Das wird bewerkstelligt durch gezielte Falschinformationen … und wirkt.

Die gute Stimmung im Hause Leonatos wird jedoch bedroht. Der Halbbruder Don Pedros, Don Juan (Keanu Reeves), ist ein dunkler Geselle. Seine Gedanken sind stets verhüllt und es schwebt immer eine Gewitterwolke über ihm. Er hasst es, wenn Menschen glücklich sind. Ganz besonders hasst er seinen Bruder und dessen rechte Hand Claudio. Don Juan schmiedet einen teuflischen Plan, um das Glück Claudios und Heros zu zerstören.

Meinung von

Wenn es draußen regnet oder die Welt untergeht, wenn man sich aus irgendeinem Grund schlecht fühlt, dann braucht man sich nur Viel Lärm um nichts anschauen. Generell sind die Komödien von William Shakespeare so ziemlich das Lustigste, was die Literatur hervorgebracht hat, aber die Umsetzung von Regisseur Kenneth Branagh ist einfach nur köstlich. Herrlich leicht und beschwingt, dabei nicht altbacken wirkend, aber dennoch ein „Historienfilm“ - das ist Branaghs Viel Lärm um nichts.

Der Film hat Tempo und sprüht vor Witz. Das ist klar der Vorlage zu verdanken, aber man hätte es auch verbocken können, was Branagh jedoch nicht macht. Liest man ein Stück von Shakespeare, muss man sich als ungeübter Leser erste einmal „reinlesen“. Die Sprache ist eine andere. Das ist beim Film Viel Lärm um nichts nicht anders. Was auffällt ist, dass die Lippensynchronisation oft scheitert. Das gesprochene Englisch unterscheidet sich einfach zu sehr vom Deutschen. Will man aber den vollen Wortwitz mitbekommen, muss man wohl eher bei der deutschen Tonspur bleiben. Auf englisch wäre man wohl als nicht Nativer eher aufgeschmissen. Selbst im Deutschen sind einige Sätze vorhanden, die einem das Hirn verdrehen.

Ganz groß im Aufsagen von schwierigen, verwundenen und verschlungenen Sätzen sind natürlich Benedikt und Beatrice. Ihre Wortgefechte sind herrlich anzuhören und so manches Mal muss man noch mal schnell überlegen, was da eben tatsächlich gesagt wurde.

Schon im Buch war der Gerichtsdiener Holzapfel eine Zierde. Seine Sätze sind total verschroben. Er möchte gerne gebildet erscheinen, benutzt aber Fremdwörter absolut falsch. Im Film wird er hervorragend von Michael Keaton gespielt. Klasse gemacht.

Viel Lärm um nichts kann ich mir immer wieder anschauen. Nicht nur wegen der guten Geschichte und dem hinreißenden Witz, sondern auch wegen der gelungenen Umsetzung. Unter anderem zeichnet den Film so manche Einstellung aus. Die Schlussszene, wenn alle tanzen und singen, ist in einer einzigen Kamerafahrt aufgenommen. Durch Tore hindurch, durch den Garten und schließlich in die Lüfte, um das Treiben von oben zu betrachten.

Viel Lärm um nichts wurde nicht in/bei Messina gedreht. Die Landschaft dort ist eher trocken, wohingegen die Ländereien im Film schön grün sind. Man drehte stattdessen in der Toskana.

hoch