Filmplakat Tote schlafen fest
8/10

„Soll ich vielleicht bis drei zählen, wie die Gangster im Kino?“ (Tote schlafen fest, 1946)


Tote schlafen fest

Besprechung

Der Privatdetektiv Philip Marlowe (Humphrey Bogart) wird zum reichen General Sternwood (Charles Waldron) gerufen. Der stellt den Detektiv ein, weil er erneut erpresst wird. Diesmal ist es ein gewisser A.G. Geiger, der dem General Schuldscheine seiner jüngsten Tochter Carmen Sternwood (Martha Vickers) hat zukommen lassen. Marlowe soll ermitteln, wer dieser Geiger ist. Bevor sich der Schnüffler an seinen Job begeben kann, macht er noch Bekanntschaft mit der älteren Tochter des Generals, Vivian Rutledge (Lauren Bacall). Die versucht herauszubekommen, was Marlowe für einen Auftrag erhalten hat.

Während seiner Ermittlungen beobachtet Marlowe das Haus von Geiger, nur um mitzubekommen, dass der Herr eben umgebracht wurde. Vor der Leiche sitzt Carmen, völlig weggetreten. Am nächsten Tag steht Vivian bei dem Detektiv im Büro, mit einem Auftrag, da sie ebenfalls erpresst wird.

Die Ermittlungen gehen von einem einfachen Erpressungsversuch zu einem Mord über, dem gleich noch einer folgt und so schlittert Marlowe immer tief in einen Sumpf aus kriminellen Aktivitäten — bis ihm Vivian sagt, der Fall sei abgeschlossen. Doch Marlowe ist zu sehr Profi, als dass er einen Fall, der ihm fischig vorkommt, einfach zu den Akten legen würde. So ermittelt er immer weiter, was ihn in immer größere Gefahren bringt.

Meinung von

Tote schlafen fest ist die Verfilmung des ersten Raymond Chandler-Romans. Warner Brothers warben damals zwar auch damit, aber die größere Wirkung sollte haben, dass das Traumpaar (und Ehepaar) Bogart/Bacall wieder gemeinsam vor der Kamera stand. Zuletzt spielten sie zusammen in Haben und Nichthaben.

Der Film, das ist mir fast peinlich zuzugeben, ist etwas komplizierter. Um ehrlich zu sein, ich habe ihn beim ersten Mal Anschauen nicht verstanden. Da wird der Detektiv wegen einer Sache angeheuert, doch der Fall wandert von einem Vorfall zum nächsten und am Ende hat die Auflösung nichts mit dem Eingangsfall zu tun. Auch beim zweiten Mal schauen, ist Tote schlafen fest keine leichte Kost, die man mal nebenbei schaut. Man muss schon ganz schön aufpassen. Immerzu kommen neue Charaktere hinzu, neue Handlungsstränge, es werden Leute erwähnt, die man nie sieht, also auch kein Gesicht dazu vor Augen hätte, was einem helfen könnte.

Chandler bietet somit eine kompakte, dichte Story an, von Altmeister Howard Hawks als ein Klassiker des Film-Noir umgesetzt. Marlowe ist "der kleine Mann", so die Frauen, aber im Endeffekt stehen sie doch alle auf ihn. Als Macke reibt er sich immerzu sein Ohrläppchen und Waffen lassen ihn total kalt. Nur bei Vivian wird er schwach. Na gut, so schwach, wie Marlowe eben werden kann — was nicht viel ist.

Wie bereits erwähnt, beim zweiten Mal Schauen und nach sehr gutem Aufpassen, konnte ich der komplexen Handlung folgen. Und sie macht auch Sinn. Im Endeffekt dreht sich doch alles um die jüngste Tochter Carmen und ihrem Verhältnis zu Männern. Chandler webt ein dichtes Netz aus Personen, Motiven und Beziehungen — und schmeißt Marlowe mitten rein. Der Umgang Marlowes mit den Frauen ist aus heutiger Sicht sehr schräg, aber damals entsprach das wohl dem Bild von Mann und Frau.

Tote schlafen fest ist ein Klassiker. Das alleine macht ihn natürlich nicht automatisch gut, aber wenn man erst einmal die Geschichte durchschaut hat, dann ist der Film sehr gut. Nur eben keine Sonntagnachmittag-Kost, weil er dafür zu anstrengend ist. Die Romanfigur des Philip Marlowe ist weltbekannt und Bogarts Gesicht fest damit verbunden.

In einer kleinen Nebenrolle ist Elisha Cook Jr. zu sehen, der auch schon in Der Malteser Falke eine Minirolle inne hatte. Damals hat man wohl gerne Figuren, die in einem Film gut zusammen spielten, auch in anderen Streifen wieder nebeneinander gestellt.

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