Filmplakat Todeszug nach Yuma
6/10

„Auch böse Männer lieben ihre Mama.“ (Todeszug nach Yuma, 2007)


Todeszug nach Yuma

Besprechung

Der Bürgerkrieg ließ den kleinen Farmer Dan Evans (Christian Bale) als Krüppel zurück. Er steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Als er seinen Gläubiger Glen Hollander (Lennie Loftin) aufsuchen will, werden er und seine beiden Söhne William (Logan German) und Mark (Benjamin Petra) Zeuge eines brutalen Postkutschen-Überfalls. Der berüchtigte Ben Wade (Russell Crowe) und seine Männer haben die Kutsche überfallen und den Kopfgeldjäger und Sicherheitsdienstmann Byron McElroy (Peter Fonda) halbtot zurückgelassen. Wade hat kein Interesse an Evans und lässt ihn laufen.

In der Kleinstadt Bisbee wird Wade dann wegen einer Unachtsamkeit festgenommen. Evans war zugegen, weil er McElroy zu Doc Potter (Alan Tudyk) gebracht hat. Der Vertreter der Postkutschengesellschaft, Grayson Butterfield (Dallas Roberts), will Wade nach Convention bringen, wo er in den 3:10-Uhr-Zug nach Yuma einsteigen soll, um ins Gefängnis zu kommen, wo man ihm den Prozess machen wird. Wade hat 22 Raubüberfälle begangen. Das muss er nun büßen.

Evans nimmt das Angebot an, Butterfield zu begleiten. Er braucht die 200 Dollar. Außerdem, will er seinem Sohn William beweisen, dass er nicht der Versager ist, für den sein Sohn ihn hält. Auch seiner Frau Alice (Gretchen Mol) muss er beweisen, dass er noch ein Mann ist. Die Reise nach Convention ist nicht so einfach, ist dem Gefangenentransport doch die Bande von Wade auf den Fersen.

Meinung von

Todeszug nach Yuma, oder wie er im Original heißt 3:10 to Yuma, ist ein Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahre 1957. Damals war Glen Ford der charismatische Bösewicht. Russell Crowe nehme ich den durchtriebenen Gangster allerdings eher ab. Er ist kühl und überlegen, dabei charismatisch. Die besten Eigenschaften eines guten Bösewichts. Dagegen bleibt Christian Bale als Held sehr blass.

Neben Crowe fällt noch Ben Foster auf. Der spielt Charlie Prince, die rechte Hand von Wade. Sein Charakter ist böse, böse, böse. Dem möchte man nicht im Dunkeln begegnen – und auch sonst nicht, solange er bewaffnet ist. Die Bösewichte sind also hier besser gezeichnet als der Gute. Ist sehr befremdlich, Bale in einer Hauptrolle zu sehen, in der er nicht glänzend kann.

Dabei ist die Idee hinter dem Mann eine sehenswerte. Dan Evans ist verkrüppelt, hat dadurch Minderwertigkeitskomplexe. Aber vor allem, weil er seinen Fuß nicht in einer heroischen Tat verloren hat. Das belastet den Familienvater. Er wäre gerne der Beschützer, der Held, den seine Söhne benötigen in diesen schweren Zeiten. Es hat lange nicht geregnet, das Wasser im Fluss wurde "abgestellt". Die Existenz der Familie ist gefährdet. Deshalb nimmt Dan auch den gefährlichen Job an, Ben Wade zum Zug zu eskortieren. Er braucht das Geld, er möchte aber auch im Ansehen von seinem ältesten Sohn steigen. Was das anbelangt ist die Figur durchaus komplex, Bale kann die Zuschauer jedoch nicht an sich ziehen. Das macht Russell Crowe.

Todeszug nach Yuma hat durchaus seine spannenden Momente. Das kommt nicht nur durch den unberechenbaren Charlie Prince. Auch die Abkürzung durchs Indianergebiet ist äußerst gefährlich.

Fun-Fact aus dem Making-Of: In der Schlussszene, wenn Ben zum Zug gebracht werden soll, aber seine Männer auf Dan Jagd machen, sehen wir, dass plötzlich im Hintergrund Schnee liegt. Tatsächlich war über Nacht wahnsinnig viel Schnee gefallen und sie haben den Großteil mit Erde abgedeckt – aber eben nicht alles. Und die Hausgerippe, durch die Ben und Dan laufen – da war das Geld ausgegangen und man hatte nur noch das hölzerne Innenleben der Häuser aufstellen können. Aber im Ende ist das ein guter Effekt.

Wer "gute, alte Western" mag, ist mit Todeszug nach Yuma gut bedient. Handwerklich ist nichts an dem Streifen auszusetzen, lediglich die Tatsache, dass der Held so blass ist stört.

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