Filmplakat The Purge – Die Säuberung
6,5/10

„Diese Nacht hat unser Land gerettet.“ (The Purge – Die Säuberung, 2013)


The Purge – Die Säuberung

Besprechung

Amerika wurde finanziell schwer geschüttelt. Chaos entstand, das man irgendwie beseitigen musste. Die neuen Gründungsväter gaben grünes Licht für “die Säuberung” – mit Erfolg. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 1%, die Kriminalitätsrate ist beinahe nicht existent. Jedes Jahr findet einmal für zwölf Stunden die Säuberung statt. Die Amerikaner dürfen ihr “inneres Biest” frei lassen und all ihrem Frust, ihrem Ärger und ihrer Aggression freien Lauf lassen. Ohne Konsequenzen. Selbst Mord ist erlaubt.

James Sandin (Ethan Hawke) verdient gut an der Säuberung. Die Firma, für die er arbeitet, verkauft Sicherheitssysteme. Nur die Reichen können sich solche Systeme leisten. In der Wohngegend der Sandins hat beinahe jeder ein System von Sandins Firma gekauft.

Als die diesjährige Säuberung ansteht, werden alle Zugänge und Fenster verriegelt. Zwölf Stunden, dann ist der Prozess der Säuberung vorbei. Sandin und seine Frau Mary (Lena Headey) sind sich darüber einig, dass die Säuberung gut für das Land ist.

Mitten in der Säuberungsphase taucht ein blutender Mann (Edwin Hodge) vor den Überwachungskameras auf. Er ruft verzweifelt um Hilfe – und der kleine Charlie (Max Burkholder) lässt ihn ins Haus der Sandins. Ein Fehler, wie sich später herausstellen soll. Dabei geht nicht von dem Mann die Gefahr aus – plötzlich steht eine Gruppe junger Menschen mit Masken vor der Tür, bis an die Zähne bewaffnet. Der überaus freundliche Anführer (Rhys Wakefield) fordert die Herausgabe des verletzen Mannes. Die Gruppe will nur den Mann umbringen, um sich zu reinigen. Was werden die Sandins tun?

Meinung von

Alles ist freundlich, sauber und fröhlich in der Zukunft. Das wird allerdings durch einen hohen Preis ermöglicht. Die Menschen, die von Natur aus gewalttätig sind, dürfen ohne Hemmung oder Furcht vor Konsequenzen ihrer Gewalt und ihrem Hass freien Lauf lassen. Manche freuen sich auf diesen Tag - endlich den Chef umbringen. Der hat's verdient. Oder wie im Fall der Gruppe junger, wohlhabender Menschen, die vor der Tür der Sandins stehen, einfach mal einen Obdachlosen umbringen. Das ist gut! Das reinigt die Seele. Außerdem tut man etwas für die amerikanische Gesellschaft. Andere sind der Meinung, die Säuberung diene nur dazu, um die Armen und die Kranken zu beseitigen.

So eine Säuberung ist ja schön und gut - wenn man nicht direkt davon betroffen ist. Doch die Sandins werden direkt in den Strudel der Gewalt hineingesogen. Plötzlich ist es nicht mehr "okay" und "vor der Tür", jetzt geht's ums blanke Überleben. James Sandin begeht Morde nicht aus Rache, nicht aus Freude, Langweile oder einer verqueren Vorstellung von Religion - er tötet um seine Familie zu beschützen.

Die gesamte Handlung hätte anders ausgehen können, wenn dieser dumme kleine Junge nicht den Fremden ins Haus gelassen hätte. Dieses Kind ist ein massiver Störfaktor im Film. Umbringen wollte ich ihn zwar nicht, aber mal eine runterhauen schon, so hat der genervt. Kinder in Filmen halt …

Teilweise ist The Purge etwas langatmig und -weilig, dann aber auch wieder spannend. Die moralische Frage nach dem "darf man töten" wird zunächst von den Kindern aufgebracht, dann aber durch die Ereignisse der Säuberungsnacht noch einmal sehr dringlich auf den Tisch gebracht. Vor allem gen Ende ist es dann Mary, die dem sinnlosen Töten abschwört und sich strikt weigert, mitzumorden. Ein "Auge um Auge" lehnt sie dabei ab.

Regisseur ist der noch recht unerfahrene James DeMonaco, der sich vor seiner Regiearbeit eher durch Schreibarbeiten einen Namen gemacht hat. Aus seiner Feder stammt z.B. der großartige Film Verhandlungssache. Bei The Purge hat er ebenfalls die Geschichte geschrieben. Leider gibt es vom filmischen Standpunkt her die üblichen Wackelkameras, die Einstellungen, in denen alles dunkel ist und nur eine fahle Lichtquelle das Gesicht des gehetzten Schauspielers beleuchtet, der durch dunkle Gänge huscht. Scheint ein Mittel zu sein, das in Mode ist. So soll wohl Spannung erzeugt werden. Nur wenn es alle so machen, istÄs nicht mehr spannend ...

Von der schauspielerischen Leistung kann man nur Lena Headey etwas abgewinnen und - der junge Mann vor der Tür bekommt Bonuspunkte für seine Gruseligkeit - der australische Jungschauspieler Rhys Wakefield. Seine Figur des reichen Schnösels, der zusammen mit seiner Clique jedes Jahr loszieht um "Abschaum" zu beseitigen ist wirklich unheimlich. Alle seine Kumpels haben Masken auf, nur er nimmt seine ab. Dabei ist es seine Art, die so erschreckend ist. Gut gespielt. Kleiner, mieser Psycho der …

In The Purge wird angesprochen, dass dem Menschen eine Bestie innewohnt, dass er von Natur aus gewalttätig ist. Stimmt schon, aber während es gerade den Menschen ausmacht, dieses Biest zu beherrschen, gehen die Amerikaner der Zukunft (The Pure spielt im Jahre 2022) den Weg, dieses Biest zu umarmen und es rauszulassen. Das spielt natürlich auch ihrer Waffenvernarrtheit in die Hände. Wenn man im Abspann die Radionachrichten hört, wird es auch klar deutlich: Die Säuberung dient vor allem wirtschaftlichen Zwecken. Sicherheitsanlagen und Waffen lassen sich prächtig verkaufen, dank der jährlichen Säuberung. Und Menschen, die sich ein Sicherheitssystem nicht leisten können - die werden zu Freiwild. Ein Mann erzählt im Abspann, er hätte immer hinter dem Gedanken der Säuberung gestanden - als guter Amerikaner und so - bis ihm bei der letzten Säuberung seine beiden Söhne genommen wurden. Nun ist er nicht mehr stolz ein Amerikaner zu sein.

So eine wichtige Kritik wird im Abspann versteckt. Zwar kam die Kritik an der Waffenliebe der Amerikaner und der Liebe zur Gewalt allgemein schon im Film vor, aber nicht so deutlich wie in diesem (fiktiven) Radiomitschnitt.

The Purge hat somit durchaus eine gute, interessante Grundgeschichte mit einer gehörigen Portion Kritik am amerikanischen Lebensstil, verpackt es aber vordergründig nur in einen Effektfilm für eine jüngere Generation. Ob diese die Kritik mitbekommen, ist fraglich … Der Großteil der Schauspieler bleibt eher flach.

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