Filmplakat The Man from Earth
8/10

„Man kann nicht wieder nach Hause kommen, weil es das Zuhause nicht mehr gibt.“ (The Man from Earth, 2007)


The Man from Earth

Besprechung

Es kam ziemlich überraschend für seine Kollegen, als der Professor John Oldman (David Lee Smith) seinen Job nach zehn Jahren kündigt und fortziehen will. Ihm zu Ehren geben sie eine spontane Abschiedsfeier in seiner kleinen Hütte. Die Kollegen triezen ihn und wollen wissen, wieso er fortgehen will. Nebenbei fällt die Bemerkung, dass John interessanterweise in den zehn Jahren nicht gealtert zu sein scheint.

John ist es ein Bedürfnis den Anwesenden eine Geschichte zu erzählen. Was wenn es einen Mann gäbe, der vor etwa 14.000 Jahren geboren wurde und seitdem nicht gestorben ist – ist das möglich? Die Kollegen steigen in das interessante Gedankenspiel ein und unterhalten sich darüber, ob und wenn wie es möglich sein könnte. Art (William Katt) betrachtet die Frage aus archäologischer Sicht, Harry (John Billingsley) aus biologischer. So hat jeder Gast eine eigene Sichtweise auf das Problem.

Was sich als Gedankenspiel anließ, entpuppt sich als Realität. John erklärt, dass er ein Cro-Magnon-Mensch sei, der nicht sterben kann. Er ist seitdem viel gewandert, hat Dinge gelernt und Dinge weitergegeben. Niemand will John glauben, doch er verkauft seine Geschichte sehr glaubwürdig. Man unterhält sich angeregt und versucht seine Geschichte zu widerlegen – was nicht möglich ist. Ebenso kann John nichts von seiner Geschichte beweisen. Alles, was er erzählt, steht immerhin in irgendwelchen Geschichtsbüchern. Von biologischen Fragen wandert die Unterhaltung zu philosophischen, wie zur Frage, ob er Schuldgefühle habe, weil er lebt und andere Menschen um ihn herum sterben müssen. Schließlich landet man bei der Religion. Die Unterhaltung wird immer hitziger, zumal sich Edith (Ellen Crawford) in ihrem Glauben angegriffen fühlt. Dan (Tony Todd) verteidigt John, ebenso Sandy (Annika Peterson), die in John verliebt ist und ihm das auch gestanden hat – egal ob er nicht sterben kann.

Meinung von

Ein kleiner, feiner Film. Geschrieben hat die Geschichte der Autor Jerome Bixby vor seinem Tod. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis das Projekt umgesetzt werden konnte. Bixby hat u.a. für die TV-Serien Twilight Zone und Star Trek geschrieben. Der Film selber hat ein mageres Budget von gerade einmal 200.000 Dollar gehabt, dennoch ist ein interessanter Film dabei herausgekommen.

The Man from Earth hat es nicht ins deutsche Kino geschafft. Er wirkt auch ein wenig wie eine TV-Produktion. Dennoch ist die Idee dahinter sehr spannend. Es geht um Unsterblichkeit, darum, was ein Mensch in 14.000 Jahren alles machen kann, wen er alles getroffen hat und wen er beeinflusst hat. Oldman hat z.B. van Gogh gekannt. Er traf Buddha und nahm seine Lehren an. Er lernte Medizin, wurde vergöttert, wurde verteufelt. Er hat schlimme Krankheiten bekommen und überlebt.

Die Dialoge sind geschickt geschrieben. Der Zuschauer weiß nicht, ob das, was John da erzählt der Wahrheit entspricht. Das wissen die anwesenden Kollegen von John ebenfalls nicht. Niemand kann das glauben, dass jemand scheinbar ewig lebt. Doch John kann viele Details geben, ohne wirklich etwas zu beweisen. In Art haben wir einen extremen Feind von Johns Behauptungen. Der ruft sogar den befreundeten Psychologen Dr. Will Gruber (Richard Riehle) an, der schnell vorbeikommt. Nur um John so sehr auf den Zahn zu fühlen, dass er ihm später sogar mit Einweisung in eine Anstalt droht.

The Man from Earth entwickelt sich langsam, bis die Sprache auf die Religion kommt. Die Kollegen drängen John, ob er jemanden aus der Bibel gekannt habe? John ist das Thema sichtlich unangenehm. Heraus kommt, dass er derjenige war, den man später Jesus genannt hat. Hier hätte die Geschichte kippen können. Zum Glück tut sie es nicht. John kann sich gut verteidigen und erklären, er stellt sich nicht auf einen hohen Podest. Er weist darauf hin, was in der Bibel alles Fiktion und Übertreibung ist. So habe er z.B. niemals Leute auf wundersame Weise geheilt – er hat einfach nur östliche Medizin angewandt. Und seine Lehren sind im Grunde die von Buddha, nur von den damaligen Zuhörern etwas falsch interpretiert worden.

Das Gespräch ist sehr interessant. John kann seine Kollegen und die Zuschauer überzeugen – bis er einsehen muss, dass seine Ausführungen vor allem für Edith zu viel sind. Er nimmt alles zurück, erklärt, dass er lediglich auf Äußerungen seiner Kollegen reagiert habe.

Bixby löst das Rätsel nicht auf, wieso dieser Cro-Magnon-Mann so lange überlebt hat. Es fallen Hypothesen, von den Professoren ausgesprochen, aber es gibt keine echte Erklärung. Kein außerirdischer Meteorit, der ihm auf den Kopf gefallen ist, keine Magie. Die Geschichte scheint am Ende offen zu bleiben, als John das Gesagte zurücknimmt – doch ein kleiner Kniff offenbart dann die Wahrheit.

Der Schwerpunkt bei The Man from Earth liegt auf dem religiösen Teil, wobei nicht auf dem Christentum herum geritten wird. Das ist eh, so der Film, nur eine Abwandlung des Buddhismus. Ein Thema, das nur am Rande angeschnitten wird und einen eigenen Film abgeben würde, ist die Frage nach der Einsamkeit des Menschen, wenn er die, die er liebt, überlebt. Das ist hier nur Nebensache.

Eine schöne Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Sie ist unaufgeregt, spielt hauptsächlich in einem Raum. Die schauspielerische Leistung ist akzeptabel, allein die Musik ist doch sehr billig. Wenn das Thema Jesus aufkommt, hören wir z.B. im Hintergrund sakrale Chor-Musik, die einfach zu offensichtlich und gewollt daher kommt. Aber ansonsten durchaus sehenswert.

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