Filmplakat The King’s Speech
9/10

„Say it to me as a friend.“ (The King’s Speech, 2010)


The King’s Speech

Besprechung

Der Duke of York (Colin Firth) hat ein Problem: er stottert. Schon seit seiner Kindheit kann Albert nicht flüssig sprechen. Seine wenigen öffentlichen Auftritte sind für ihn und seine Zuhörer stets eine Qual. Zum Glück ist er der Zweitgeborene. Eine Regentschaft über Großbritannien kommt nicht in Frage, Thronfolger wird sein Bruder Edward (Guy Pierce).

Bertie, wie der Duke von seiner Familie genannt wird, bekommt Unterstützung von seiner Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter). Sie ist es auch, die ihren Mann mit dem Therapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush) zusammen bringt, der mit sehr unkonventionellen Methoden Albert eine etwas flüssigere Sprechweise beibringt.

Als König George V (Michael Gambon) stirbt, besteigt Edward wie erwartet den Thron. Allerdings ist er mit einer zweifach geschiedenen Frau, gar einer Amerikanerin, liiert. Das geht nicht, ist der englische König doch auch das Oberhaupt der Kirche. Als Edward abdankt, um zu heiraten, muss Albert die schwere Krone tragen. Damit verbunden sind auch Reden. Seine schwierigste Ansprache muss König George VI kurz nach Amtsantritt und Kriegseintritt halten. Wie soll ein Mann mit Sprachfehler Zuversicht vermitteln? Des Königs schwerste Prüfung steht bevor.

Meinung von

Ein toller Film, bin absolut begeistert. The King's Speech ist ruhig, somit vermutlich nicht für Otto Normalverbraucher oder Mittzwanziger geeignet. Was kann man von einem Film über einen Menschen mit einem Stotter erwarten? Keine schnellen, schlagfertigen Dialoge — zumindest nicht von der Hauptperson. Der Film von Regisseur Tom Hooper, der bisher hauptsächlich fürs Fernsehen gearbeitet hat, nimmt die Problematik von Albert, dem späteren König George VI, behutsam auf. Man leidet mit Colin Firth mit, wenn er vor einem Mikrofon steht und dieses ihn bedrohlich anstarrt.

Colin Firth, der für seine Darbietung für den Oscar nominiert ist, spielt den zukünftigen König hervorragend. Er schaut so unendlich traurig, wandelt sich schlagartig, wenn er einen Wutausbruch bekommt und tatsächlich einmal flüssiger spricht — das alles weckt schon Emotionen beim Zuschauer. Jeder im Film leidet mit ihm mit. Seiner Frau Elizabeth, die sehr zurückhaltend und angenehm von der doch sonst eher schrillen Helena Bonham Carter gespielt wird, merkt man die Qual an, die sie leidet, wenn ihr Mann kein Wort hervorbringt. Ebenso alle Zuhörer, König Georges Volk.

Colin Firth spielt also brilliant, aber auch Geoffrey Rush verdient ein Lob. Seine Figur, des schrägen Australiers, der eigentlich Schauspieler sein möchte und nun stattdessen den Menschen hilft, sich auszudrücken, ist warm und liebenswert. Da hat er einen so wichtigen Patienten, mit dem er auch schon etwas härter umspringt — aber seiner Frau hat er nichts davon gesagt, hat gar Angst davor, ihr unter die Augen zu treten, wenn König und Königin zu Besuch sind und die Gattin zu früh nach Hause kommt.

Die Figuren sind alle einfühlsam gespielt. Die Atmosphäre des Films trägt ihren Teil zum Gelingen bei. Hooper zeigt uns kalte Szenen mit Londoner Nebel, Weitwinkelaufnahmen, die bedrohlich und einschüchternd wirken, aber auch schwere, dunkle Räume, die den stotternden König zu erdrücken scheinen. Mir gefiel sehr gut, dass untypische Blickwinkel gewählt worden. Die sprechende Person ist oft gar nicht in der Mitte der Leinwand, sondern an einen Rand gerückt, wodurch viel Leerraum entsteht. Leere, die ebenfalls wahrgenommen wird, wenn George kein Wort hervorbringt. Die Bilder sind somit stimmig gewählt.

Das Ganze hört sich an wie ein großes Drama. Na gut, das ist es auch. Aber wie das Leben so ist, findet sich auch in einem so angespannten, verzweifelten Leben Humor. In The King's Speech bekommen wir keine Schenkelklopfer präsentiert. Das dürfte auch gar nicht sein. Nein, Hooper schmuggelt seine Witze dem Zuschauer unter. Viel Wortwitz und Situationskomik runden den Film ab. Es sind sehr viele Kleinigkeiten, die einen lachen lassen: Ein König, der anfängt wie ein Rohrspatz zu fluchen. Ein Erzbischof (Derek Jacobi), der dem Sprachlehrer seines Königs einen leeren und vernichtenden Blick zuwirft. Oder die Königin, die sich völlig natürlich gibt, wenn sie auf die Frau des Sprachlehrers trifft. Man würde ja gerne zum Essen bleiben, aber — ach je — sie wissen schon: Verpflichtungen ...

Noch einmal: Ich bin absolut begeistert von dem Film. Bis auf ein oder zwei Längen, ist der Film — trotz seiner ruhigen Erzählweise — in einem ständigen Fluss und hat einen guten Rhythmus. Wer anspruchsvolle Geschichten mag, wer auf historischen Begebenheiten basierende Filme zu schätzen weiß, wer sich diesen "menschelnden Faktor" zutraut — der ist mit The King's Speech bestens bedient. Klar ein Kandidat fürs DVD-Regal.

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