Filmplakat The Guard – Ein Ire sieht schwarz
8/10

„Dachte er hätte seine Vorliebe für Folter überwunden!?“ (The Guard – Ein Ire sieht schwarz, 2011)


The Guard – Ein Ire sieht schwarz

Besprechung

Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson) ist Polizist in einem westirischen Dörfchen. Das Leben ist ruhig, ab und zu wirft der Ordnungshüter mal Drogen ein, holt sich ein paar Nutten aus Dublin an seinem freien Tag und lässt ansonsten Fünfe gerade sein.

Eines Tages wird er zu einer Leiche gerufen. Ein Unbekannter. Seltsam so was. Ein anonymer Anruf bringt den stoischen Polizisten auf die Spur eines Kleinganovens, der aber nicht der Täter war.

Wenig später wird Boyle mit anderen Polizisten zu einem großen Meeting mit einem FBI-Typen gerufen. Wenn sich das FBI in Irland blicken lässt, dann kann es nur mit Drogen zu tun haben. Und siehe da: FBI-Agent Wendell Everett (Don Cheadle) kommt tatsächlich wegen einer Drogensache auf die Insel. Da soll ein ganz großes Ding in Boyles Revier über die Bühne gehen. Francis Sheehy (Liam Cunningham), Clive Cornell (Mark Strong) und Liam O’Leary (David Wilmot), ein ganz gefährliches Trio, sollen den Deal abwickeln.

Nun müssen der penible Amerikaner und der Ire, der so wirkt, als würde er den Arsch nie hochbekommen, zusammenarbeiten. Eine harte Geduldsprobe für Everett, ist Boyle doch ein arger Rassist und Meilen weit davon entfernt, politisch korrekt zu sein.

Meinung von

Schon wieder ein Buddy-Movie mit unterschiedlichen Cops, die sich zusammenraufen und im Grunde doch mögen? Nein. So wie die gezeigte Landschaft Irlands weit, öde, ruhig und träge daher kommt, so ist auch Brendan Gleesons Sergeant Boyle. Everett stellte an einer Stelle im Film zurecht fest, man wisse nie, ob Boyle total bekloppt sei oder nur so tue. Das ist tatsächlich nie klar zu erkennen. Aber das macht unter anderem den Reiz des Films aus.

Keine schnittigen, gelackten oder coolen Sprüche, keine Verfolgungsfahrten, keine Explosionen (mit einer Ausnahme), The Guard ist so, wie wir es von einem irischen Film erwarten: Staubtrockener Humor, der mit wenigen Worten auskommt. Was gesagt wird, das sitzt. Wir sehen skurrile Gesellen, den zu erwartenden Iren-Engländer-Hass, Regen und philosophierende Ganoven. Ja, im Trailer werden schon echt gute Witze abgefeuert, aber The Guard hat noch so viele weitere, schöne Situationen zu bieten.

Wer schwarzen Humor mag, eine raue Sprache verträgt und einfach einmal einen anderen, frischeren Ansatz einer Krimi-Komödie sehen möchte, der ist mit The Guard bestens bedient.

Die Seitengeschichte mit Boyles krebskranker Mutter Eileen (Fionnula Flanagan) hat jedes Mal etwas die Stimmung gekillt und das ohnehin nicht hohe Tempo empfindlich gedrosselt, aber … okay. Wollten sie wohl so haben, um am Ende zu zeigen, dass Boyle nichts zu verlieren hat.

Neben Gleeson, der den völlig schrägen Dorfpolizisten hervorragend spielt, fiel auch unser heimlicher Lieblingsbösewicht Mark Strong auf. Sein Charakter ist die ganze Zeit über angepisst von der ganzen Situation des Drogenschmuggels an sich, aber erst recht davon, dass alles in der Provinz mit diesen beschränkten Polizisten über die Bühne gehen muss. Herrlich abgehobene Unterhaltung über 96 Minuten verteilt mit vielen und lauten Lachern.

Ich würde mir The Guard allerdings nicht auf englisch geben wollen. Im Trailer verstehe ich schon kaum etwas. Diesmal also gerne die Synchronisation.

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