Filmplakat The Crow: Die Krähe
7/10

„Mordopfer. Sind wir das nicht alle?“ (The Crow: Die Krähe, 1994)


The Crow: Die Krähe

Besprechung

In einer düsteren Stadt hat sich die Teufelsnacht eingebürgert. An jedem 30. Oktober, einen Tag vor Halloween, brennen überall in der Stadt Häuser und Läden. In dieser Nacht zieht eine Bande Krimineller umher, die den Musiker Eric (Brandon Lee) und seine Freundin Shelly (Sofia Shinas) umbringen. Shelly wird vergewaltigt und aufgeschlitzt, 30 Stunden später stirbt sie. Eric wird erschossen und aus dem sechsten Stockwerk geworfen.

Ein Jahr später bringt eine Krähe Eric zurück ins Land der Lebenden. Zunächst noch verwirrt, beginnt Eric zu verstehen, wieso er wieder da ist. Er ist unverwundbar, er kann durch die Augen der Krähe sehen und er hat enorme Kräfte. Erics Liebe zu Shelly war so stark, dass er nun zurück kommen konnte um die Mörder seiner Liebe zu richten. Einen nach dem anderen aus dem Quartett löscht Eric aus.

Die vier Mörder arbeiten für Top Dollar (Michael Wincott), der für die diesjährige Teufelsnacht ein Feuerwerk im Sinn hat, das die gesamte Stadt in Flammen aufgehen lassen soll. Eric erhält nicht nur von der Krähe Unterstützung, sondern auch von dem Polizisten Albrecht (Ernie Hudson) und der kleinen Sarah (Rochelle Davis). Sarah treibt sich hauptsächlich auf der Straße herum und war zu Lebzeiten von Eric und Shelly befreundet.

Meinung von

The Crow ist vor allem durch den tragischen Tod Brandon Lees bekannt geworden. Wobei aber auch schon der zugrunde liegende Comic von James O'Barr – zumindest in Indie-Kreisen – einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte. Regisseur Alex Proyas wollte, dass der schwarz-weiße Comic von O'Barr ebenso in Schwarz-Weiß gedreht würde, doch das Filmstudio lehnte ab. Stattdessen wurden den Szenen die Grün- und Blautöne entzogen. In den Rückblenden hingegen drehte man den Rot- und Grünanteil mächtig hoch.

Heraus kam ein düsteres, dreckiges, ungemütliches Szenario – passend für die morbide Thematik. Es geht darum, dass Liebe, wenn sie so stark ist wie zwischen Eric und Shelly, selbst die Grenze des Todes überwinden kann. Eric erhält die Chance Rache zu nehmen an den Männern, die nicht nur, sondern vor allem seine Geliebte getötet haben. Er zieht los und bringt jeden auf recht spektakuläre Weise um. Albrechts Vorgesetzter Torres (Marco Rodriguez) tappt im Dunkeln, sieht nur, dass miese Kriminelle abgeschlachtet werden. Albrecht forscht nach und kommt hinter das Geheimnis des weiß geschminkten Mannes.

Die Stimmung ist wunderbar düster, die Geschichte soweit gut. Im Hintergrund läuft für damals typische Musik (u.a. The Cure und Stone Temple Pilots) – was mir natürlich gut gefällt. Daumen hoch. Es gibt aber auch Dinge die stören. T-Bird (David Patrick Kelly) und seine Mannen haben einen extrem dämlichen Anfeuerungs-Ruf, bei dem sie noch dämlicher mit den Armen rumfuchteln. Sieht man das, möchte man sich fremdschämen. Die Kulissen sind zwar im Großen und Ganzen gut, es gibt aber auch Aufnahmen aus der Vogelperspektive, in denen man sieht, dass die Stadt eine Model-Stadt ist. Man musste an einigen Stellen am Budge sparen (Man munkelt aber auch, dass am Set extrem viel gekokst wurde – vielleicht ist das Geld in Drogen geflossen ...?)

Wirken so manche Einstellungen billig, muss man aber sagen, dass nach dem tragischen Tod von Brandon Lee – die Dreharbeiten wurden eingestellt und erst später wieder aufgenommen – an anderen Stellen wiederum sehr gelungen sind. Beim normalen Anschauen des Films fällt nicht auf, dass einige, später nachgedrehte Szenen mit einem Double gedreht und mit einem CGI-Gesicht von Lee überdeckt wurden. Das wirkt alles gelungen und geht nahtlos über. Hollywood wie es sein soll: eine reine Illusionsmaschine.

Lee spielte in seinem sechsten Film und vielleicht wäre er im Laufe der Jahre noch besser geworden. Was man sieht ist nicht überragend. Im Grunde ist es ein Typ in engen schwarzen Klamotten mit einem Mantel und einer Krähe (die eine Rabe war) auf der Schulter. Ich glaube, es war die düstere Stimmung des Films, die einfach in die Zeit passte. Dann kam der Unfall dazu und schon hat man einen Film, "den man gesehen haben muss". Wäre weder der Tod, noch der Sohn von Bruce Lee dabei gewesen, wäre der Streifen jedoch vermutlich schneller in Vergessenheit geraten.

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