Filmplakat The Big Short
8/10

„Die treibende Kraft ist Dummheit.“ (The Big Short, 2015)


The Big Short

Besprechung

Bereits 2005 sagt der Hedgefonds-Manager Michael Burry (Christian Bale) durch bloße Beobachtung von Kreditunfähigkeiten von Schuldnern den Zusammenbruch des US-Finanzwesens voraus. Niemand will ihm glauben, dass der Immobilienmarkt in nur wenigen Jahren kollabieren wird. Immobilien sind und werden es immer sein – stabil. So die weitläufige Meinung.

Dennoch zieht Burry los und wettet gegen die Banken. Die halten ihn für verrückt, dass er bis zu 200 Millionen Dollar gegen die Banken setzt, freuen sich aber einen Ast … und nehmen an. Diverse Banken lassen sich auf den Deal ein, sind sie sich doch siegessicher.

Davon bekommt der Banker Jared Vennett (Ryan Gosling) Wind. Der wendet sich an Fondsmanager Mark Baum (Steve Carell) und dessen Leute. Die sollen für ihn ebenfalls gegen die Banken wetten. Baum, ein extremer Misanthrop und Pessimist, geht nur widerwillig auf den Deal ein. Er und seine Angestellten gehen der Sache mit den faulen CDOs (Collateralized Debt Obligations) auf den Grund – und sind bestürzt darüber, was sie vorfinden.

Meinung von

Wüsste man nicht, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit, einer echten Finanzkrise basiert, man würde sie für ausgemachte Fantasterei halten. So gierig und skrupellos können die Banken doch nicht sein!? So dumm und leichtgläubig können doch die Anleger nicht sein!? Und doch hat es sich so zugetragen. Die Banken haben ein Schummelpaket nach dem anderen aufgemacht und verkauft. Dann wieder ein Schummelpaket in ein anderes gelegt und noch mal verkauft. Da war nichts drin und doch haben sie das Geld der Leute angenommen. Ekelhaft!

Burry, ohnehin schon ein sozial eher verhinderter Mensch – sehr gut und eindrucksvoll von Christian Bale gespielt – sieht den Abgrund und will daraus Kapital schlagen. Seine Anleger, die den Über- und Weitblick nicht haben, finden das natürlich gar nicht lustig. Das geht tierisch auf die Gesundheit. Burry ist sich des Untergangs absolut sicher.

Weniger sicher ist sich Mark Baum. Er geht der Sache erst noch nach, forscht, fragt, gräbt. Am Ende ist der ohnehin stets pessimistische Baum völlig desillusioniert. Er erkennt wie abgrundtief schlecht das Bankwesen ist. Als der erwartete Zusammenbruch des Finanzwesens da ist, will er auch nicht verkaufen. Verkaufen würde bedeuten, dass er mit seiner Wette gegen die Bank – Wie pervers ist das überhaupt, im Finanzwesen von Wetten zu sprechen!? – Profit macht. Den Banken ist alles egal. Skrupel ist ein Fremdwort. Doch bei Mark Baum gibt es das noch.

Neben Baum und Burry gibt es noch die beiden jungen Hedgefonds-Manager Charlie Geller (John Magaro) und Jamie Shipley (Finn Wittrock), die ebenfalls von der bevorstehenden, zerplatzenden Blase erfahren. Sie wollen nur reich werden und holen sich den ehemaligen Finanzexperten Ben Rickert (Brad Pitt) zur Hilfe. Der hat eigentlich mit dem System abgeschlossen, aber aus einem unerklärlichen Grund hilft er den beiden Grünschnäbeln.

The Big Short zeigt auf beeindruckende Weise, was damals im Bankenwesen abging. Wie abscheulich geldgeil und skrupellos die Banken sind. Nun hat der Normalverbraucher keine Ahnung von all dem Finanzgewäsch. Weite Teile des Films würden am Zuschauer einfach vorbeigehen, weil die Banker eine andere Sprache sprechen. Die benutzen sie übrigens nur, damit der normale Mensch ihnen nicht in die Karten gucken kann. Zum Glück hat Regisseur Adam McKay einen Kunstgriff parat: Immer wenn es schwierig wird, lässt er irgendwelche Promis einen Begriff aus der Finanzwelt in leichter Sprache anschaulich erklären. Sehr gelungen – und amüsant.

So ernst und erschreckend die Thematik mit der Finanzblase auch ist, Millionen Amerikaner verloren Job und Heim, bringt McKay nicht nur Tristes und Trübsal auf die Leinwand. Der Mann hat völlig durchgeknallte Komödien wie Anchorman oder Die etwas anderen Cops gedreht. Daher hat er ein Gespür für Komik, die er in The Big Short einfließen lässt. Anders würde auch keiner zuschauen wollen oder über zwei Stunden im Kinosessel durchhalten können.

The Big Short ist gut besetzt und zeigt auf der einen Seite die abstoßenden Banken, auf der anderen Seite einen Haufen Menschen, die das Ende vorausgesehen haben und daraus Profit schlagen wollen. Bis auf Geller und Shipley sehen die Leute auch ein, dass ihr Profit auf die Kosten vom kleinen Mann geht. Für die beiden Jung-Finanziers ist es der deprimierte Ältere (Pitt), der ihnen klar macht, dass sie gegen die amerikanische Wirtschaft wetten. Sie werden reich, wenn andere Menschen arm werden.

Gier auf der einen Seite und Dummheit auf der anderen haben diese Krise möglich gemacht. Und dieses Duo wird auch die nächste Krise ermöglichen. Die Banken streichen sich das Geld ein, werden reicher und reicher, bekommen dafür aber höchstens einen Fingerklapps. Die Investoren, die normalen Menschen, sie werden darunter jedes Mal leiden.

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