Filmplakat The Accountant
8/10

„Das Leben ist voller Entscheidungen. Keine davon ist neu.“ (The Accountant, 2016)


The Accountant

Besprechung

Christian Wolff (Ben Affleck) ist ein ungewöhnlicher Buchhalter. Er hat eine kleine Praxis in der Nähe von Chicago. Zu seinen Klienten zählen jedoch vor allem Kartelle und andere Kriminelle. Wolff ist gut in seinem Job. Er lebt in seiner eigenen Welt mit seinem Autismus. Zahlen sind sein Leben. Der Einzelgänger hat zudem noch andere Qualitäten – wie z.B. das Untertauchen. Bei der Klientel sehr wichtig. In Nahkampf und dem Gebrauch von Waffen ist er ebenfalls bestens bewandert.

Eines Tages nimmt er mal einen Job an, der eher unter der Rubrik “harmlos” zu verbuchen ist. Bei der Firma Livingrobots ist der jungen Dana Cummings (Anna Kendrick) eine Unregelmäßigkeit in den Büchern aufgefallen. Livingrobots will demnächst an die Börse und kann sich einen Fehler nicht erlauben. Wolff tritt an und wird schnell fündig: 61 Millionen Dollar sind über die Jahre verschwunden. Als am nächsten Tag der Finanzchef “verunglückt”, hätte es für Wolff zu Ende sein sollen mit dem Job. Wolff hat aber seine Aufgabe nicht wie erwartet beendet. Das ist ein Problem für den Autisten.

Irgendjemand will alle Spuren des Finanzverbrechens beseitigen, was sowohl Wolff als auch Dana in die Schussbahn bringt. Wolff nicht ahnt: Auch die Behörde für Finanzkriminalität, unter der Leitung von Ray King (J.K. Simmons), ist dem “Accountant” auf der Spur. King setzt die ehemalige Kriminelle Marybeth Medina (Cynthia Addai-Robinson) auf den großen Unbekannten an.

Meinung von

Ben Affleck – an dem scheiden sich ja die Geister. Früher in den guten, alten Kevin Smith-Filmen (Chasing Amy, Dogma) war er unverzichtbar. In Daredevil eine 1A-Fehlbesetzung. Mir hat er als gealterter Bruce Wayne in Batman v Superman wieder gefallen. Dennoch, die Menschen sind eher schlecht auf den Schauspieler zu sprechen. Wie kommt er also in The Accountant herüber? Affleck spielt einen Mann mit "hochfunktionalem Autismus". In Rückblenden sehen wir den jungen Christian (Seth Lee), wie er aufwächst, welche Probleme er hat, wie seine Eltern reagieren. Im Erwachsenenalter hat er seine Entwicklungsstörung weitgehend unter Kontrolle. Da sind noch ein paar Ticks und Nähe zu anderen Personen kann er auch nicht aufbauen – auch wenn er es wollte –, aber ansonsten ist er umgänglich.

Affleck spielt in seiner Emotionslosigkeit diese Rolle wunderbar. Dabei kommt es immer wieder zu ungewollten, komischen Situationen. Das sind alles keine Schenkelklopfer, sondern einfach wunderbar skurrile Umstände, auf die Wolff staubtrocken reagiert. Ich mag solchen Humor.

An einigen Stellen musste ich an John Wick denken. Wick ist eiskalt, knallhart, extrem brutal und blutrünstig – dabei aber immer noch "edel" und irgendwie anmutig. Wolff ist ebenfalls extrem gewalttätig und kalt. Wobei es nicht wirklich kalt ist, sondern vielmehr präzise. Alles was er macht ist berechnet, klar und direkt. Deshalb schießt Wolff seinen Gegnern auch immer direkt ins Gesicht. Eine mechanische Killermaschine.

Die Geschichte aus der Feder von Bill Dubuque ist sehr vielschichtig und irgendwie "voll". Es kommen immer mehr Facetten zu der Geschichte dazu, wodurch sie im Laufe der über zwei Stunden immer runder wird. Ein Handlungsstrang von links, einer von rechts, so wird eine immer komplexere Geschichte draus. Wir lernen z.B., dass Wolff irgendwann mal im Gefängnis war und dass er dort den alten Francis Silverberg (Jeffrey Tambor) kennengelernt hat. Schließlich auch, dass Wolff an dem Mann gehangen hat – was wiederum sein Handeln im Film erklärt. Es zeigt, dass Wolff sehr wohl Gefühle hat. Er kann sie nur nicht zeigen.

Anna Kendrick ist eine nette Nebenfigur. Nicht zu aufdringlich, aber die Geschichte vorantreibend. Zum Glück kommt es nicht zu einer Beziehung zwischen Dana und Christian – das wäre der sichere Tod des Streifens gewesen.

Schließlich haben wir da noch den mysteriösen Brax (Jon Bernthal), der als Auftragskiller und Söldner auftaucht. Zunächst versteht man sein Dasein nicht. Doch mit der Zeit wird es immer klarer, was seine Aufgabe ist und am Ende wer er ist. Das ist alles ganz geschickt eingefädelt.

Gut gespielt von Affleck, gute Geschichte, gute Action, trockener Humor. Kann man sich gerne anschauen.

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