Filmplakat Talk to Me
8,5/10

„Bei allem Respekt, Sir. Das hier ist keine respektable Stadt. Das ist Washington.“ (Talk to Me, 2007)


Talk to Me

Besprechung

Als der Radio-Produzent Dewey Hughes (Chiwetel Ejiofor) seinen Bruder Milo (Mike Epps) im Gefängnis besucht, macht dieser ihn auf den Knast-DJ Petey Greene (Don Cheadle) aufmerksam. Als die beiden kurz zusammenkommen, nervt Petey Dewey so sehr, dass dieser Petey einen Job als DJ bei seinem Sender WOL-1450 in Washington verspricht, sollte Petey entlassen werden.

Und Petey kommt schnell frei. Schon steht er mit seiner Freundin Verbell Watson (Taraji P. Henson) im Foyer des Senders. Großer Aufruhr! Ein Ex-Knastbruder im Sender. Petey wird vor die Tür gesetzt. Doch der lässt nicht locker. Extrem penetrant ergattert er sich doch einen Job. Zuerst als Testballon von Dewey gestartet, fällt Petey sofort durch seine rotzfreche Art und sein vulgäres Mundwerk auf. Sender-Boss E.G. Sonderling (Martin Sehen) ist kein Stück begeistert. Schon gehen die Telefone los. Aber — oh Wunder — die Menschen lieben Petey.

So kommt frischer, wenn auch derber Wind über die Leitungen von WOL-1450. Dewey wird befördert, was sehr ungewöhnlich für einen Schwarzen in den 1960ern ist.

Als Dr. Martin Luther King erschossen wird, ist es an Petey die aufgebrachten Menschen Washingtons zu beruhigen. Vorbei ist es in dieser Nacht mit der Schnodderfresse. Petey Green eint die Menschen.

Dewey fängt an den ehemaligen Knastbruder zu vermarkten. Der bekommt eine eigene TV-Show, doch während Dewey immer mehr aufblüht, zu immer höheren Gefilden strebt, wird Petey zusehends unglücklicher, was sich auch in seinem Alkoholismus ausdrückt.

Meinung von

Talk to Me ist wieder so ein Kleinod, das kein Arsch kennt. Ich kann mich nicht daran erinnern, den im Kino gesehen zu haben — so als Plakat. Tatsächlich auf der Silberleinwand habe ich ihn denn auch nicht gesehen.

Don Cheadle spielt Ralph Waldo Greene Jr., wie der Mann tatsächlich hieß, doch er wurde nur Petey Greene genannt. Talk to Me ist also nicht rein fiktiv, sondern basiert auf wahren Begebenheiten. Auch die Ansprache Greenes in der Nacht vom 4. auf den 5. April 1968 fand statt. Cheadle bringt sehr viel Elan und Spaß in die Rolle ein. Der Film ist frech und locker, man hat viel Spaß dabei. Als dann das Attentat auf King stattfindet, ist Greene — wie jeder im Sender — davon zutiefst erschüttert und mitgenommen. Trotz der Wut im Bauch übernimmt Greene die Sendung, die die Washingtoner zur Ruhe aufruft. Danach ist er eine Art Held.

Das ist der Werdegang des Petey Greene. Außerdem wird die Beziehung zwischen ihm und seinem Mentor und Freund Dewey gezeigt. Dewey ist ein angepasster Schwarzer, der Karriere machen will. Greene hingegen ist so, wie er sich einen selbstbewussten Schwarzen vorstellt. Vorurteile nimmt er an und spielt damit — "Ihr könnt mich alle mal" scheint er seinen Kritikern ständig entgegenzurufen — und das ganz kräftig!

Nun hat Dewey, der sich selber nicht vors Mikrofon traut, ein Mittel gefunden, sich auszudrücken: Petey. Dieser macht alles mit, was sein Freund vom ihm verlangt, auch wenn es in keinster Weise das ist, was er will. Daran geht Petey schließlich auch zugrunde. Erfolg auf der einen Seite, aber Erfolg mit TV-Auftritten, die er gar nicht mag, das zerstört ihn und schließlich auch die Freundschaft zwischen den beiden Männern.

Es ist eine tolle, begeisternde, eine bewegende Geschichte, die uns Regisseur Kasi Lemmons hier zeigt. Alle Figuren sind hervorragend besetzt. Talk to Me hat sehr viel Witz, aber auch die nötige Ernsthaftigkeit, die die Geschichte an den entsprechenden Stellen braucht. Den Film sollte man sich auch mal im Original anschauen, weil erst dann Cheadles Stimme und die Art, wie er Petey Greene spricht, richtig gut rüberkommt.

Anschauen.

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