Filmplakat Sucker Punch
7,5/10

„Wenn ihr für nichts kämpft, dann kann euch alles besiegen.“ (Sucker Punch, 2011)


Sucker Punch

Besprechung

Nachdem ihre Mutter gestorben ist, ihr Stiefvater sich an ihrer kleinen Schwester vergriffen und sie aus Versehen ihre Schwester erschossen hat, kommt Baby Doll (Emily Browning) in eine Irrenanstalt für junge Frauen. Ihr Stiefvater macht einen Deal mit dem schmierigen Wärter Blue (Oscar Isaac), der dafür sorgen will, dass Baby Doll in fünf Tagen einer Lobotomie unterzogen wird. Baby Doll weiß, dass sie so schnell wie möglich fliehen muss.

Sie freundet sich mit Rocket (Jena Malone) an. Sie und ihre große Schwester Sweet Pea (Abbie Cornish) sitzen schon lange in der Anstalt fest. Alle Mädchen müssen tanzen. Blue führt ein “Unterhaltungsprogramm” für zahlende Herren. Sweet Pea war immer der Star, doch nun ist Baby Doll da und stiehlt allen die Show.

Immer wenn sie tanzt, verschwindet Baby Doll in eine andere, fantastische Welt. Sie lernt bei ihrem ersten Tripp einen weisen Mann (Scott Glenn) kennen, der ihr den Weg in die Freiheit zeigt. Sie muss fünf Aufgaben erfüllen, vier sind Objekte, die sie besorgen muss, das Letzte wird ein Opfer sein. Baby Doll holt sich Hilfe bei den beiden Schwestern sowie bei Blondie (Vanessa Hudgens) und Amber (Jamie Chung). Zusammen wollen die jungen Frauen fliehen und tauchen bei jedem Tanz von Baby Doll in andere Welten ein. Der weise Mann gibt ihnen Anweisungen, wie sie ihre Aufträge zu absolvieren haben, um ihre Objekte zu besorgen. Da wird auch schon mal gegen deutsche Zombie-Soldaten gekämpft.

Lange kann das nicht gut gehen. Blue wird langsam misstrauisch und der High Roller, wie der Arzt mit der Lobotomie-Nadel in der Fantasiewelt heißt, wird demnächst auf der Bühne erscheinen. Selbst Dr. Vera Gorski (Carla Gugino) spielt in der Phantasiewelt nur eine untergeordnete Rolle, während sie in der Realwelt für die psychologische Betreuung der Frauen zuständig ist.

Meinung von

Ein weiterer Film von Regisseur Zack Snyder, der uns schon so bildgewaltige Filme wie 300 oder Watchmen präsentiert hat. Auch in Sucker Punch zeigt uns der Amerikaner, dass er eine großartige Phantasiewelt erschaffen kann, die dabei äußerst ästhetisch ist. Das ist dann auch das, was von Sucker Punch am ehesten hängen bleibt. Die eigentliche Geschichte ist sehr simpel: Die Mädchen hangeln sich von Aufgabe zu Aufgabe, um am Ende eine Gesamtaufgabe zu bewältigen, um einen Preis zu erlangen. Dabei gibt es selbstverständlich auch Verluste zu beklagen.

Die Idee mit dem "sich im Tanz verlieren" ist nett, ebenso die einzelnen Welten, in denen die Abenteuer erlebt werden. Aber bereits bei der dritten Aufgabe kommt allmählich Langeweile auf.

Die Hauptfigur Baby Doll bleibt den gesamten Film über irgendwie blass. Einmal davon abgesehen, dass Emily Browning immer den selben Gesichtsausdruck zu haben scheint. Fast kommt sie einem wie der weibliche Gegenpart zu Nicolas Cage vor. Der hat auch nur einen Gesichtsausdruck.

Während des Films schien mir die Figur der Rocket lebendiger, mehrsagender. Im Endeffekt wird durch den netten Twist die Gewichtung der einzelnen Figuren durchaus plausibel. Moviejunkie Thorsten bemängelte noch, dass Sweet Pea eigentlich präsenter hätte sein müssen. Stimmt, aber dann wäre zu viel vom Twist verraten worden. Also alles im grünen Bereich.

Als ich den Trailer (der Teaser ist übrigens besser) zu Sucker Punch sah, war mir gleich klar: Zack Snyder zeigt uns hier einen auf Silberleinwand gebannten, feuchten Jungentraum. Mädchen in knappen Schulmädchen-Röcken, Knarren, Samurai-Schwerter, Kampfroboter mit Manga-Häschen drauf ... da ist die Zielgruppe ganz klar. Gerade deswegen ist dann eine Äußerung von Sweet Pea am Anfang des Films so schön, wenn sie mehr oder weniger verächtlich verkündet, dass sie das mit den Schulmädchen-Uniformen ja noch verstünde ... Das nenne ich gesunde Selbstkritik.

Also, die Geschichte ist Durchschnitt, dafür sind die Bilder erneut großartig anzuschauen. Auch wenn die unterschiedlichen Welten wie ein Flickwerk wirken. Kann man nun wieder argumentieren, dass das ein Abbild der Psyche sein soll. Kann man. Muss man nicht.

Neben den Bildern wirkt Sucker Punch, der in einer unbestimmten Zeit zu spielen scheint (eher 50er, aber dann auch modernste Computer-Displays), vor allem durch seine Musik. Sehen wir düstere, Sepia-getönte Bilder und hören dazu Björk singen oder bekommen ein Queen-Mashup geboten, dann bleibt das im Gedächtnis. Wobei mir das Queen-Mashup wie eine Vergewaltigung der wunderbaren Queen-Musik vorkam. :-(

Ein Film, der nach einem erweiterten Directors-Cut schreit: Mehr von allem bitte. Später wird er bestimmt im DVD-Regal landen, wenn auch nicht direkt nach Erscheinen.

hoch