Filmplakat Star Trek: Beyond
8/10

„Sie schenken ihrer Freundin radioaktiven Schmuck?“ (Star Trek: Beyond, 2016)


Star Trek: Beyond

Besprechung

Die USS Enterprise ist endlich in die unendlichen Weiten des Alls aufgebrochen. Doch das Abenteuer ist anstrengend. Die Isolation, die Leere – das bringt selbst Captain James T. Kirk (Chris Pine) zum Zweifeln. Nachdem Kirk eine diplomatische Mission hat abbrechen müssen, weil die Außerirdischen recht aggressiv waren – und dabei wollte er ihnen ein vor langer Zeit entwendetes Artefakt wiederbringen – steuert die Crew der Enterprise die riesige Weltraumsiedlung Yorktown an.

Hier erfahren Kirk, Spock (Zachary Quinto) und Co. von der gestrandeten Kalara (Lydia Wilson), dass ihre Crew auf einem Planeten in einem bisher unbekannten, dichten Nebel abgestürzt ist und nun Hilfe benötigt. Kirk macht sich mit seiner Mannschaft auf zur Rettungsmission. Bei dem Planeten angekommen, müssen die Sternenflotten-Mitglieder jedoch feststellen, dass sie einer unbesiegbaren Armee aus kleinen, wendigen Raumschiffen ausgeliefert sind. Die Crew strandet auf dem Planeten. Der Großteil wird entführt. Eine Hand voll Sternenflotten-Offiziere findet sich alleine oder in kleinen Gruppen auf dem Planeten wieder.

Scotty (Simon Pegg) macht Bekanntschaft mit der kämpferischen Jaylah (Sofia Boutella), die den Mechaniker in ihr Zuhause mitnimmt, das Scotty als ein vor Jahrhunderten gestrandetes Sternenflotten-Raumschiff, die USS Franklin, ausmacht. Jaylah versteckt sich mit ihren Fallen vor dem unheimlichen Krall (Idris Elba). Der hat es auf die Enterprise abgesehen, weil er auf dem Raumschiff ein für ihn wichtiges Artefakt weiß, mit dem er Zerstörung bringen kann. Keine Frage, dass Kirk jalles daran setzt, nicht nur seine Crew zu retten, sondern auch Kralls düstere Pläne verhindern will.

Meinung von

Der Trailer verhieß nichts Gutes, zumindest der erste deutete einen reinen Actionfilm an. Regisseur Justin Lin hat tatsächlich auch viel Action in den Streifen reingedrückt, aber man findet – und das ist etwas, was wir seit zwei Filmen vermissen – auch wieder viel vom alten Star Trek-Charme. Star Trek: Beyond ist "menschlicher". Das fängt mit den Selbstzweifeln von Kirk am Anfang des Filmes an. Beinahe drei Jahre ist die Enterprise unterwegs und der smarte Kapitän stellt seine Mission in Frage. Das Weltall ist so groß, macht es überhaupt Sinn, dieses zu erforschen? Zumal die bisherigen Missionen wohl eher jedes Mal in einem mehr oder großen Chaos endeten. Kirk spielt mit dem Gedanken sein Schiff und seine Crew zu verlassen. Spock übrigens auch – wenn auch aus anderen Gründen.

Am Schluss wird jedoch klar, dass Kirk und Spock einfach ein extrem gutes Team sind. Das kann man nicht trennen. Ebenso wird in Star Trek: Beyond die Beziehung zwischen Spock und dem Schiffsarzt McCoy (Karl Urban) näher beleuchtet. In Original-Serie und -Filmen frotzeln sich die beiden Männer sehr an – also McCoy mehr in Richtung Spock als umgekehrt. In der Neuverfilmung ist auch viel Stichelei im Spiel, aber man merkt deutlicher, dass auch diese Konstellation eine gute ist. In Star Trek und in Into Darkness war diese Beziehung auf der Strecke geblieben. Der Team-Gedanke wird in Star Trek: Beyond wieder verstärkt hervorgehoben.

Die Enterprise bricht auf zu einer Rettungsmission, die für das Schiff desaströs endet. Kirk und Co. stranden auf einem Planeten und sehen sich mit einem sehr mächtigen Gegner konfrontiert, der nicht nur die Föderation schon lange belauscht hat und somit viel von ihr weiß – Krall hat auch einen unbändigen Hass auf die Föderation. Dabei wird lange nicht klar, woran das liegt.

Das Artefakt, das Kirk auf der Enterprise hat, braucht Krall für seine hinterhältige Vernichtungsmaschine. Die junge Jaylah hat schon viel Zeit auf dem Planeten verbracht. Sie hat ihre gesamte Familie an Krall verloren und will nur weg von diesem verdammten Felsen. So ganz schafft es Lin jedoch nicht, dieser Figur richtig Leben einzuhauchen. Sein Augenmerk liegt klar auf den Charakteren der Enterprise-Mannschaft, namentlich Kirk, Spock, McCoy und Scotty.

Pegg, dessen Figur im Vorgänger viel alberner war, schrieb mit am Skript zu Beyond. Dabei hat sich der Brite selber ein paar nette Zeilen in den Mund gelegt, den Ton Scottys jedoch um einiges runtergeschraubt. Was dem Film gut tut.

Kirk kämpft um seine Crew, denn er erkennt auch, dass er nichts ohne seine Mannschaft ist. Das ist doch wirklich Star Trek-like. Ebenso wird durch Kralls Beweggründe noch einmal der Gedanke der Föderation in ein besonderes Licht gerückt, in das Licht, das wir so an der Föderation mögen.

Wie bereits erwähnt, fährt Fast & Furios-Regisseur Lin einiges an Action auf. Leider musste ich den Streifen in effing 3D sehen. Das geht gar nicht. Die schnellen Bewegungen verschwimmen in 3D und bereiten einem Kopfschmerzen. So manches Mal musste ich einfach die Augen schließen. Zum Glück ging es MJ Thorsten ebenso – das geht also nicht nur mir so. Zumal – mal wieder – das ganze 3D-Gedöns null Sinn macht. Außer den Filmstudios Extra-Geld in die Taschen zu spülen. Außerdem ist der Film durch diese blöde 3D-Brille oft düster, so dass man nichts erkennt. Auch eine Methode sich über den leidigen 3D-Effekt hinwegzuretten.

Es wäre keine Hollywood-Produktion, hätte Star Trek: Beyond nicht einige Fehler. So kam die Auflösung, wie man mit den Scharen von Krall umgehen könne, einfach aus blauem Himmel – oder in diesem Fall aus dem dunklen All. Aber auf alle Fälle "gezaubert". Auch ist es verwunderlich, dass irgendwer in einem Raumschiff ein Motorrad mitnimmt. Ebenfalls recht "glücklich" der Zufall, dass Spock und McCoy auf dem großen Planeten eine ganz bestimmt Höhle finden. Schon klar ... Und wie passen die vielen Crew-Mitglieder der Enterprise in die Franklin?

Krall ist als Bösewicht leider blass. Das kommt wohl durch das düstere 3D. Lin lässt den Zuschauer lange zappeln und gibt ihm keine Erklärung für die Gründe, wieso Krall so aggressiv der Föderation gegenüber ist. Als dann die Auflösung kommt, ist diese jedoch etwa holperig und schnell vor die Füße geworfen.

Na. Egal. Die Geschichte ist ordentlich, die Hauptcharaktere und ihre Beziehungen zueinander gut dargestellt. Star Trek: Beyond hat einen feinen Witz, keine großen Schenkelklopfer – ich saß da oft mit einem herzlichen Grinsen im Gesicht. Tar Trek-Fans werden sich den Film auch ohne eine Empfehlung anschauen. 😉 Was auf alle Fälle gefiel, ist die Tatsache, dass Beyond wieder eine originäre Story ist und nicht wie Into Darkness ein schlechtes Remake (in diesem Fall von Der Zorn des Khan). So ganz von der Föderation hat sich die Enterprise jedoch auch im dritten Film des Reboots noch nicht gelöst, schaut man sich die riesige Weltraumstadt Yorktown an. Vielleicht ja im nächsten Film ...

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