Filmplakat Soylent Green
8/10

„Ach Quatsch. Die Menschen waren immer schlecht. Nur die Welt war wunderschön.“ (Soylent Green, 1973)


Soylent Green

Besprechung

Die Menschen haben ihren Planeten zugrunde gerichtet. Die Erde leidet unter einem Treibhauseffekt, Überbevölkerung, extremer Umweltverschmutzung und Hunger. Wir schreiben das Jahr 2022, New York ist ein abgeschottetes Areal, in der 40 Millionen Menschen leben. Wohnraum ist kaum vorhanden, Essen ebenso. Die Regierung hat Soylent entwickelt, ein Nahrungsersatz aus Soja, das die Menschen zu sich nehmen. Der neuste Renner ist Soylent Green, das, so heißt es, aus Plankton gemacht wird. Der Andrang ist so groß, dass nur am Dienstag das Soylent Green ausgeteilt wird. Neben den vielen Hungernden gibt es auch noch eine Hand voll Reicher.

Eines Tages wird der reiche William R. Simonson (Joseph Cotten) in seiner Wohnung ermordet. Detective Thorn (Charlton Heston) übernimmt den Fall. In seiner kleinen Wohnung lebt mit ihm das “Polizeibuch” Sol Roth (Edward G. Robinson), der sich noch an eine Zeit vor Wohnungs- und Essensmangel erinnert. Sol gräbt für Thorn die Informationen aus, auch im Fall Simonson.

Dem toughen, aber auch korrupten Polizisten Thorn wird schnell klar, dass es sich um keinen Raubmord o.ä. handelt, sondern um einen Auftragsmord. Thorn macht sich an die Arbeit und steckt seine Nase in Dinge, die ihn nichts angehen. Selbst sein Chef, Hatcher (Brock Peters), gibt ihm den Befehl, den Fall zu den Akten zu legen. Doch das, was Thorn bis dahin entdeckt hat, lässt ihn nicht den Fall einfach niederlegen. Er macht weiter und eine grausame Erfahrung.

Meinung von

Die Vorlage von Harry Harrison wurde sehr stark verändert. Die Grundidee ist jedoch geblieben. Die Menschen haben sich zu sehr vermehrt, sie haben ihre Umwelt ausgebeutet und zerstört. Nun haben sie nichts mehr zu essen und keinen Wohnraum, jeder Tag ist wie in der Sauna, Wasser ist rationiert. Menschen leben auf Treppen oder in Autowracks. Eine düstere, aber durchaus denkbare Zukunft, die Harrison dort beschrieben hat. Im Film sind einige Veränderungen vorgenommen worden, vor allem ist das Soylent Green mit aufgenommen worden. Das ist die Krönung der Dystopie.

Regisseur Richard Fleischer erschafft eine trostlose Welt mit einigen starken Szenen. Wenn die Menschen ihr Soylent Green wollen, dieses aber erneut zu knapp ist, so dass ein Aufstand entsteht, dann werden Schaufelbagger eingesetzt. Die Demonstranten, die hungernden, aufbegehrenden Menschen werden wie Abfall von der Straße aufgelesen und in den Laderaum geworfen. Das zeigt, wie wenig ein Menschenleben in dieser Welt wert ist.

Am Ende geht Sol, der die Wahrheit um das Soylent Green entdeckt hat, freiwillig in eine Sterbeklinik. Das ist in der Zukunft ganz normal. Wer krank ist, wer nicht mehr will oder alt ist, der geht in eine Sterbeklinik. Hier wird man freundlich in den Tod geschickt. Die Toten werden dann ebenfalls wie Abfall behandelt. Sie werden in Müllwagen abtransportiert.

Wenn man weiß, woraus Soylent Green tatsächlich hergestellt wird, kann man verstehen, wieso Simonson, der vom Herstellungsprozess wusste, in seiner Ermordung eine Erleichterung sah oder wieso der Priester (Lincoln Kirkpatrick), dem sich Simonson anvertraut hatte, kurz davor ist, den Verstand zu verlieren. Die Wahrheit ist zu grausam.

Mittlerweile sollte jeder – auch die, die den Film nicht gesehen haben – wissen, dass Soylent Green aus Menschenfleisch hergestellt wird. Die Meere sind ebenfalls tot, es gibt kein Plankton mehr. Die Menschen haben alles zunichte gemacht, um noch überleben zu können, werden nun die Toten recycled. Menschen essen Menschen. Doch darf die Masse das nicht wissen. Thorn malt eine noch düstere Zukunft an die Wand, eine Zukunft, in der Menschen bewusst gezüchtet werden, um zu Essen verarbeitet zu werden.

Das ist alles schon eine grausame Vorstellung, schlimmer wird es, wenn Thorn am Ende seinem Chef zuruft, er möge die Wahrheit ans Licht bringen, der nur lakonisch zustimmt und wir dann genau die Bilder sehen, die dem sterbenden Sol auch gezeigt wurden. In Verbindung mit der Aussage Hatchers, dass man schon gekauft wurde, sobald "die" einem den ersten Scheck ausstellen, wird die Wahrheit wohl nicht weitergegeben worden. Ein extrem düsteres Ende, eines bedrückenden, aber in seiner Aussage auch eindringlichen Films. Die Menschen sollen aufhören, ihren Planeten kaputt zu machen. Nur so können sie ihr eigenes Überleben garantieren.

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