Filmplakat Silence

8,5/10

"Surely God heard their prayers as they died. But did He hear their screams?" — Silence, 2016

Silence

Besprechung

1633 „verschwand“ der Jesuiten-Pater Ferreira (Liam Neeson) in Japan. Sieben Jahre später erreicht Europa die Kunde, dass Ferreira dem christlichen Glauben abgeschworen haben soll. Die beiden jungen Priester Rodrigues (Andrew Garfield) und Garupe (Adam Driver), für die Ferreira ein Mentor war, können nicht an das Gerücht glauben. Die beiden Portugiesen reisen nach Japan, um ihren alten Meister zu finden.

Japan ist nicht das Land, in dem man als Christ so einfach herumlaufen sollte. Die Shogune machen Jagd auf die Christen. Vor 70 Jahren blühte das Christentum in Japan auf. Das ging mit dem Handel einher. Doch mittlerweile befürchten die Japaner, dass diese westliche Religion nur der Vorbote einer Invasion ist. Rodrigues und Garupe kommen mit Hilfe des Schiffbrüchigen Kichijiro (Yôsuke Kubozuka), den sie in Macau aufgabeln, nicht nur nach Japan, sondern auch im Dorf Gobito unter, in dem sich Christen verstecken.

Die beiden Priester spenden Trost und Halt für die verfolgten Christen. Sie müssen aber tagsüber untertauchen, nur im Schutz der Nacht können Messen abgehalten werden. Garupe ist von den Umständen extrem angenervt und will am liebsten zurück nach Portugal. Der Glaube in Rodrigues ist jedoch stark genug für beide. Bis die Japaner dahinter kommen, dass sich zwei Priester in dem Dorf aufhalten sollen. Der Inquisitor Inoue (Issei Ogata) setzt alles daran, die Christen ausfindig zu machen und sie dazu zu bringen von ihrem Glauben abzulassen.

Meinung von

Silence basiert auf dem gleichnamigen (auf deutsch: Schweigen) Roman von Shûsaku Endô aus dem Jahre 1966. Regisseur Martin Scorsese wollte bereits in den 1990ern das Thema angehen und schrieb einen ersten Drehbuchversuch. Finanzierungsprobleme, aber auch eigene Unzufriedenheit mit dem Ergebnis verzögerten das Projekt. Silence ist ein Herzensprojekt von Scorsese. Da der gute Mann genügend Ruhm hat, kann er es sich auch erlauben solche Filme zu drehen. "Solche Filme" meint damit: Religiöse Filme, die kommerziell eher als selbstmörderisch anzusehen sind. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass der Film überhaupt im Kino lief. Und wenn, dann war er schnell wieder raus.

Die geschichtlichen Fakten stimmen. Es gab eine blühende Christianisierung in Japan. Das Land hatte Bürgerkriege hinter sich und die Menschen sehnten sich nach Halt, den gab ihnen die christliche Religion. Doch irgendwann wurde der andere Glaube als feindlich angesehen und die Gläubigen wurden verfolgt. Sowohl Ferreira als auch Inoue existierten.

In beeindruckenden Bildern zeigt uns Scorsese den Kampf des jungen Jesuiten-Priesters Rodrigues. Andrew Garfield hat sich gründlich vorbereitet gehabt auf den Film. Er spielt einen Priester, der einen tiefen Glauben hat. Er will helfen und weiß, dass seine Anwesenheit in Japan etwas bewirkt, etwas verändert. Die japanischen Christen haben viel Leid erfahren und Rodrigues sieht, dass er Trost spenden kann. Er ist ergriffen von dem Glauben der Japaner.

Als dann Inoue auftaucht und mit seinem Großvaterlächeln die Christen foltern lässt, wird Rodrigues' Glauben auf die Probe gestellt. Das titelgebende "Schweigen" bezieht sich auf die Stille Gottes. Wie kann Gott so viel Leid zulassen? Wieso kann Rodrigues ihn nicht hören? Was sagt das über seinen Glauben aus?

Im dritten Akt des Films entsteht ein leise geführter Kampf zwischen Rodrigues und Inoue. Es werden Fragen aufgeworfen wie "Ist es überhaupt möglich das Christentum in Japan zu etablieren oder findet diese Religion keinen fruchtbaren Boden – und warum ist das so?"

Garfield aber auch Neeson spielen ihre Rollen wunderbar. Neeson, den man eher als schweigsamen Hitman kennt, ist hier ein gebrochener Charakter. Wenn Ferreira und Rodrigues das erste Mal aufeinandertreffen, merkt man Ferreira seine Angst vor Inoue an. Die soll auch Rodrigues erfahren. Allerdings hat Inoue eine andere Art den jungen Priester zu brechen.

Im Film geht es um Glauben, darum ob Gott seine Schäfchen hört oder ob alles eine endlose Prüfung ist – auch das Schweigen. Keine leichte Kost, aber extrem stimmungsvoll fotografiert und beeindruckend gespielt. Ein Streifen, der ruhig und langsam ist, scheint in unserer schnellen Welt, die nach Zerstreuung und Action lechzt deplatziert. Scorsese hat es dennoch gewagt – weil er es sich erlauben konnte. Und das ist gut so.